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Zwei Wochen operierte Dr. Emma Menschen in Burkina Faso

»Vom Land sehe ich nicht viel«

Bünde/Ouahigouyou  (WB). Wie oft er schon zum Arbeiten nach Burkina Faso gereist ist, kann Dr. Theophylaktos Emmanouilidis nicht genau sagen. »Ich zähle das nicht mehr«, sagt der Bünder Chirurg. »Ein gutes Dutzend Mal wird es wohl gewesen sein.« Dr. Emma, wie ihn alle nennen, nutzt seinen »Ruhestand«, um mit dem Hammer Forum Menschen in Afrika zu helfen.

Thomas Klüter

Nur auf den Knien konnte das neunjährige Mädchen laufen, dem Dr. Theophylaktos Emmanouilidis (links) durch eine Operation wieder zu einem halbwegs normalen Leben verhalf. Die Oma hatte das Kind zu dem Bünder Arzt gebracht und um Hilfe gebeten.

Die aktuelle Bilanz hat der Chirurg aber genau im Kopf: 133 Kinder untersuchte er. Und 53 davon operierte er in den zwei Wochen in der Stadt Ouahigouyou. Missbildungen seien dabei gewesen, Verbrennungen und sogenannte Hernien, Brüche in der Bauchmuskeldecke, durch die Bauchfell und Darm hervortreten.

Vom Land sieht Dr. Emma bei seinen häufigen Aufenthalten in afrikanischen Regionen meist nicht viel. »Höchstens durch das Fenster vom Auto, wenn wir vom Flughafen zur Ambulanz fahren«, sagt der Chirurg. »Wir fahren zum Arbeiten dort hin.«

Mit wir meint Dr. Emma ein Team von vier Leuten. Ein Anästhesist gehört dazu, eine Anästhesie-Schwester, diesmal auch eine Medizinstudentin und der Chirurg selbst.

Bewegende Schicksale

Trotz des enormen Arbeitspensums bleiben einige Schicksale besonders in Erinnerung. »Es gibt jedes Mal einige Geschichten, die mich besonders bewegen«, sagt Dr. Emma. Eine Elfjährige mit einem Tumor am Gesäß sei zur Untersuchung gekommen. »Das Mädchen habe ich schon vor einigen Jahren operiert, aber der Tumor kam wieder«, so der Chirurg. Dann stehe man da und müsse Kind und Eltern eigentlich sagen, dass das nicht heilbar ist und immer wiederkommen wird. »Das hab ich nicht übers Herz gebracht und trotzdem operiert.«

Ein anderer Krankheitsfall, der das Team besonders bewegte, war der eines neunjährigen Mädchens. Die Großmutter brachte das Kind, weil es nur auf Knien gehen konnte. Wie lange das schon so sei und was passiert sein könnte, wussten weder Oma noch Kind. »Die Ärzte dachten über eine Amputation nach«, sagt Dr. Emma. »Aber das wollten wir auf keinen Fall.« Das Team vom Hammer Forum schaffte es, das Bein zu begradigen. »Mit Gymnastik wird sie bald wieder laufen können«, sagt Dr. Emma. »Und beim nächsten Mal gucke ich mir das noch mal an.«

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