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Ehemaliger Bünder Chefarzt Dr. Emma operiert eine Woche lang in Gaza-Stadt

Von der Welt abgeschottet

Bünde (WB). Langwierige Kontrollen an den Grenzübergängen, schwer bewaffnete Checkpoints – wer in den Gaza-Streifen einreisen will, muss etliche Hürden überwinden. Um Kinder medizinisch versorgen zu können, hat der ehemalige Bünder Chefarzt Dr. Theophylaktos Emmanouilidis die Strapazen auf sich genommen.

Hilko Raske

Etwa 1,8 Millionen Menschen leben im Gaza-Streifen. Aus- und Einreise ist nur mit Erlaubnis der israelischen Behörden möglich. Das Team des Hammer Forums verbrachte eine Woche hier, um im größten Krankenhaus der Stadt Kinder zu operieren.

Zusammen mit drei weiteren Ärzten und drei Krankenschwestern war er für das Hammer Forum vom 13. bis 21. Januar in der abgeschotteten Palästinenser-Enklave. Gemeinsam untersuchte man in dieser Zeit 166 Mädchen und Jungen. 66 von ihnen wurden operiert. »Das war von den Kollegen vor Ort hervorragend vorbereitet worden«, sagt Dr. Emma, wie ihn die Bünder nennen.

Der Gaza-Streifen – mit 1,8 Millionen Einwohnern dicht besiedelt – verfüge über vier Krankenhäuser. Im größten von ihnen, dem Shifa-Hospital, war das Team aus Deutschland fast eine Woche aktiv. »Das Krankenhaus ist hervorragend ausgestattet, verfügt über alle Geräte, die man in einem modernen Klinikum erwartet«, erzählt der Bünder Mediziner. Allerdings hätten die hier arbeitenden einheimischen Ärzte nicht die Möglichkeit auszureisen. »Teilweise haben sie Gaza-Stadt seit 20 Jahren nicht mehr verlassen können.« Die Kollegen seien sehr engagiert, könnten sich aber durch das Ausreiseverbot nicht weiterbilden.

Deutsche Chirurgen kümmern sich um komplizierte Fälle

»Wir haben deshalb die komplizierten Fälle übernommen.« Darunter seien Missbildungen wie beispielsweise fehlende After gefallen. Die Kinder, die man untersucht und operiert habe, seien im Schnitt vier Jahre alt gewesen. Frühmorgens habe man mit den OP’s begonnen, erst abends sei man dann in das nahe gelegene Hotel zurückgekehrt. Von der Stadt selber habe er so gut wie gar nichts gesehen, sagt Dr. Emma. »Am Ende des Tages ist man regelmäßig kaputt, aber auch sehr zufrieden, weil man hat helfen können.«

Auch für Mitglieder einer humanitären Organisation seien Ein- und Ausreise kompliziert, so der ehemalige Chefarzt rückblickend. »Das Hammer Forum kooperiert in Israel mit einer einheimischen Organisation. Deren Jerusalemer Büro hat für uns die Erlaubnis besorgt, die dann am Tag der Einreise dem Checkpoint übermittelt wurde. Trotzdem mussten wir immer gut drei Stunden bei den Grenzkontrollen warten.«

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