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Nach Fremde zweimal versucht haben sollen, Mädchen in ein Auto zu locken reagiert die Bünder Politik

Vorfälle an Grundschule: Landrat sichert mehr Polizeipräsenz zu

Bünde (WB). Bereits zweimal sollen fremde Männer versucht haben, Schülerinnen der Grundschule Bünde-Mitte in ein Auto zu locken. Die Folge: Eltern von Grundschülern sind derzeit tief beunruhigt, einige Mütter nach eigenem Bekunden sogar in Panik. Inzwischen hat das Thema auch die Bünder Verwaltungsspitze, die Politik und den Landrat erreicht.

Hilko Raske

Zwei Männer sollen versucht haben, Schülerinnen der Grundschule Bünde-Mitte in ihr Auto zu locken. Foto: Hilko Raske

Eine ganz klare Position in der Sache bezieht Martin Schuster, der sich als CDU-Kandidat um das Bürgermeisteramt bewirbt. „Ich halte die Aussagen der betroffenen Eltern und Kinder für glaubwürdig und seriös“, betont der Christdemokrat. Als Vater eines Grundschülers könne er genau nachempfinden, was die Eltern derzeit fühlen würden. Er werde sich auf alle Fälle dafür einsetzen, dass die Eltern und Kinder, aber auch die Lehrer an Bünder Grundschulen nicht allein gelassen würden. „Ich habe heute morgen ein Telefonat mit Landrat Jürgen Müller über dieses Thema geführt. Er hat zugesagt, dass die Polizeipräsenz an den Schulen erhöht werden soll. Ich begrüße diese Entscheidung. Gleichzeitig sollten Schulen und die zuständigen Ordnungsbehörden aber auch an gemeinsamen Präventionskonzepten arbeiten“, so Schuster am Mittwoch.

Eltern ein Signal geben

Als unglücklich wertet er die Art und Weise, wie die Polizei auf den Wunsch des Vaters einer Grundschülerin reagiert habe, einen Strafantrag zu stellen. Dazu war es nicht gekommen – nach Aussage von Kreispolizeisprecherin Simone Lah-Schnier lag kein Straftatbestand vor. „Es wäre wichtig, den Eltern ein anderes Signal zu geben.“ Die Polizei habe sicher gute Gründe für ihr Verhalten, aber gerade das Thema Prävention sei auch Aufgabe der Polizei.

Sven Bartling, Leiter der Grundschule Bünde-Mitte, habe richtig und besonnen reagiert, sagt Schuster. „Er hat offen, ehrlich und vor allem schnell informiert.“ Bereits zu seiner Schulzeit habe es derartige Vorfälle gegeben. Schon damals sei Wert darauf gelegt worden, dass man mit den Kindern darüber spreche: „An wen kann ich mich wenden und wie muss ich mich verhalten – das müssen Kinder einfach wissen“, betont der CDU-Stadtverbandsvorsitzende.

Polizeipräsenz wichtig

Neben dieser Präventionsarbeit sei aber auch eine verstärkte Polizeipräsenz vor Ort wichtig. „Womit ich mich allerdings schwer tue ist, dass nun als Reaktion auf die Vorfälle bei Eltern der Eindruck entsteht, sie müssten ihre Kinder bis ins Klassenzimmer bringen.“ Vielleicht müsse man neue Organisationsformen wie Weggemeinschaften bilden, damit Kinder nicht allein gelassen würden. „Das fordert uns auch als Gesellschaft. Denn dass die Polizei jeden Tag vor den Schulen stehen wird, ist leider nicht realistisch.“

Bereits am Dienstagnachmittag habe er in der Sache Kontakt mit der Bünder Schulverwaltung aufgenommen. Die Vorfälle seien anschließend in einem interfraktionellen Gespräch thematisiert worden. „Es ist wichtig, dass hier alle Parteien an einem Strang ziehen.“ Man werde auch im Jugendhilfeausschuss am Mittwochabend darüber sprechen, was die Stadt Bünde leisten könne, um die Schulen besser zu unterstützen.

Weiterer Fall an Realschule?

In der Sache hat sich zwischenzeitlich auch der Hiddenhauser Unternehmer Fritz Elbracht an den Landrat gewandt. In einer E-Mail, die dieser Zeitung vorliegt, schreibt er: „Jetzt ist aber Alarmstimmung angesagt, oder muss erst ein Unglück geschehen, bevor man sich weiter auf Paragrafen beruft und sich dahinter zum Kaffeetrinken zurückzieht? Zivilstreifen sind angesagt! Sofort bitte, schon ab Mittwochmorgen! Oder soll die Bevölkerung aktiv werden?“

Unterdessen ist in den sozialen Medien zu lesen, dass auch ein Schüler der Realschule Mitte – sie liegt praktisch neben der Grundschule Mitte – von Fremden angesprochen worden sein soll, ob er nicht in einen silberfarbenen Mercedes-Van steigen wolle, um nach Hause gefahren zu werden.

Kommentar

Eine Horrorvorstellung für alle Eltern: Fremde sprechen ihre Kinder auf dem Schulweg an, um sie in ein Auto zu locken. Wie reagiert man in solchen Situationen richtig? Natürlich muss die Polizei bei derartigen Vorfällen an den Grundschulen verstärkt kontrollieren – Gefahrenabwehr nennt man so etwas. Da ist der Weg von der Polizeiwache Bünde – sie liegt ja in Sichtweite der betroffenen Grundschule – nicht allzu weit. So zeigt man den Eltern, dass man ihre Sorgen ernst nimmt.

Gleichzeitig sollten Eltern aber nicht in Panik verfallen. Vielmehr müssen sie ihre Kinder über solche gefährlichen Situationen, die immer wieder vorkommen können, aufklären und ihnen konkrete Verhaltensmaßregeln mit auf den Weg geben.

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