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Für viele Menschen im Bünder Land läuft der Heilige Abend in diesem Jahr anders ab

Weihnachten in Zeiten von Corona

Bünde (WB)

So still dürfte die Heilige Nacht selten gewesen sein: Wegen der Corona-Einschränkungen wird der Weihnachtsabend in vielen Familien anders ausfallen als gewohnt. Das WESTFALEN-BLATT hat bei einigen bekannten Personen aus dem Bünder Land nachgefragt, wie Bescherung und Co. bei ihnen ablaufen.

Daniel Salmon und Hilko Raske

So still war der Heilige Abend in der Bünder Laurentius-Kirche wohl selten. Denn wegen Corona wird es in diesem Jahr keine regulären Gottesdienste geben. Foto: Daniel Salmon

Die Pläne von Ulrich Martinschledde, Gemeindereferent im Pastoralverbund Widukindsland, standen zwar schon unter dem Einfluss der Pandemie, wurden von den Auswirkungen der steigenden Infektionszahlen dann aber komplett ausgebremst. Eigentlich hätte er mit dem Weihnachtsmobil der katholischen Kirche die frohe Kunde unter freiem Himmel verbreiten wollen. Doch „der Gottesdienstmarathon mit 16 Straßengottesdiensten in drei Tagen ist seit Dienstag abgesagt. Ich war gespannt wie Bolle, ob es gelingt, in so kurzer Zeit ein wenig Weihnachtsstimmung, die christliche Botschaft und eine besondere Art von Liturgie in eine ungewohnte Parkplatzatmosphäre zu transportieren. Nun muss ich auch in den Lockdown“, sagt er.

Martinschledde: „Das heißt für mich, plötzlich gebremst werden und auf einmal Zeit zu haben, die ich füllen muss. Lecker kochen, streamen, lesen, einen Tango mit meiner Frau im Wohnzimmer tanzen? Vielleicht gehe ich auch in die Kirche und mache es wie ein Kollege zu Ostern in Porta. Ich rufe von dort einige Leute an und könnte für sie ein Licht entzünden, ein Gebet sprechen, ein gutes Wort wechseln. Mal sehen.“

Auch für BündesBürgermeisterin Susanne Rutenkröger ist Heiligabend anders – oder „anders schön“, wie sie es formuliert. „Wir feiern Heiligabend nicht im größeren Familienkreis und werden auch an den Weihnachtstagen auf größere Familientreffen verzichten.“

Ein schönes Essen und eine Bescherung werde es aber geben. „Für mich gehört am 24. Dezember auch ein Gottesdienst zum Fest. Den werden wir online verfolgen und um 18 Uhr, so die Idee in unserer Kirchengemeinde, auf dem Balkon „Oh du fröhliche“ singen. Also alles fast so wie immer“, sagt die Rathauschefin.

Für Susanne Rutenkröger ist Weihnachten persönlich wichtig: „Und zwar nicht nur in Pandemiezeiten, sondern immer. Eine frohe Botschaft, die Hoffnung und Trost bringt. Die Feiertage bieten Zeit zum Innehalten, Zeit zur Besinnung auf die wichtigen Dinge im Leben, aber auch Zeit zur Entspannung und zum Auftanken, was mir persönlich, insbesondere in diesem Jahr, sehr gelegen kommt.“

Normalerweise feiert Christoph Lanvers, Geschäftsführer und Mitgesellschafter des Bünder Modehauses, Weihnachten als großes Familienfest. „Meine Frau hat drei Geschwister, ich fünf! Wenn die dann alle ihre Partner, Kinder und Enkelkinder mitbringen, kommen schnell über 30 Personen zusammen. Darum haben wir uns in den letzten Jahren mit der Lanvers-Familie schon im Advent getroffen. Das ist dann sehr turbulent, denn vom Baby bis zum Rentner sind alle Generationen dabei.“ Die Familie seiner Frau treffe sich traditionell am ersten Weihnachtstag. „Da werden Lieder gesungen und Geschenke ausgetauscht. Also insgesamt steht zu Weihnachten die Familie an erster Stelle.“

In diesem Jahr sehe der Ablauf der Festtage für Lanvers anders aus. „Normalerweise komme ich immer aus dem absoluten Weihnachtsstress – bei uns im Modehaus läuft ja dann der Wäschemarkt auf Hochtouren – und genieße die freien Tage. Jetzt habe ich deutlich mehr Freizeit, aber die Anspannung ist viel größer.“

Denn im Moment sei gar nicht absehbar, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf das Modehaus haben werde und ob eine Öffnung am 11. Januar möglich sei. „Das bekommt man auch über Weihnachten nicht aus dem Kopf. Ansonsten werden wir nur zu viert feiern, treffen meine  Schwiegereltern nur kurz und mit viel Abstand in deren Garten.“

Friedhelm Diebrok, Vorsitzender des Naturschutzbundes im Kreis Herford,findet Weihnachten „schöner als andere kirchliche Feiertage und den eigenen Geburtstag“. Deshalb habe er auch viele schöne Erinnerungen an das Fest aus seiner Kindheit. „Heute möchte ich meinen Kindern und Enkeln ein wenig von den Bräuchen mitgeben, die ich an vielen Weihnachtstagen erlebt habe. Vielleicht erinnern sie sich später daran“, sagt Diebrok.

Der engagierte Naturschützer: „Zu Weihnachten wird viel gegessen, viel gekauft und weggeworfen. Jetzt zwingt die Pandemie uns dazu, einmal anders zu feiern. Dieses Mal gibt es von allem weniger.“ Vielleicht sei dieses „Weniger“ gar nicht so schlimm und die Menschen könnten auch im nächsten Jahr auf einiges verzichten. „Unserer Natur und Umwelt würde es sicher gut tun“, ist er sich sicher.

Auch das Weihnachtsfest von Doris Dirker von der Meller Tafel wird kleiner ausfallen. „Das heißt, dass nur mit unseren Kindern  gefeiert wird“, erzählt Dirker, die seit Anfang 2019 die Nebenstelle der Meller Tafel in Bünde leitet. Das Zusammensein mit der Familie sei ihr sehr wichtig. „Das Haus ist gemütlich dekoriert, es wird gekocht und erzählt. Auch gemeinsame Spaziergänge werden wir bestimmt machen.“

Einen Vormittag werde sie zu ihrer Arbeitsstelle, einer Senioren-WG gehen, und sich um die Bewohner kümmern. „Heiligabend werde ich dort die Weihnachtsgeschichte lesen und Geschenke verteilen.“ Fehlen werde ihr das Familientreffen am ersten Feiertag. „Wir halten uns an die Abstandsregeln und werden telefonieren. Unsere Gesundheit ist das höchste Gut, diese wollen wir schützen“, betont sie.

Als gläubiger Mensch habe das Weihnachtsfest für sie einen besonderen Stellenwert. Kirchgang, Lesen der Weihnachtsgeschichte, Weihnachtslieder – alles Dinge, die für sie einfach dazugehören. „In diesem Jahr wird es ja leider keine Gottesdienste geben, aber Zeit zum Innehalten, zum Nachdenken und Besinnen.“

Im engsten Kreis ihrer Familie wird Ulrike Schwarze, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Hagedorn, feiern. „Ich freue mich aber auf unsere Onlinegottesdienste. Die gestalte ich mit den treuesten Mitarbeitern. Das bedeutet mir sehr viel“, erzählt sie.

Die Corona-Pandemie habe natürlich vieles verändert. „Wir haben gelernt, wie verletzlich unser Leben ist. Das Persönliche, aber auch unsere Gesellschaft und ja, auch unsere wirtschaftliche Kraft“, sagt die Pfarrerin. Und: „Da, wo so vieles unsicher ist, blicke ich auf das verletzliche Neugeborene in der Krippe. Dass Gott sich so angreifbar in diese Welt hineinbegibt, tröstet mich zutiefst.  Er lässt uns nicht allein.“

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