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Sandra Kreft vom Bünder „Steckenpferd“ informiert in Zoom-Meeting – erste Eltern haben Interesse

Wenn die Kita auf dem Bauernhof ist

Bünde (WB)

Einmal in der Woche auf‘s Pony, Schafe und Minischweine beobachten oder selber Gemüse anpflanzen: Auf dem Hof Steckenpferd in Muckum könnte die erste Bauernhof-Kita im Kreis Herford entstehen.

Kathrin Weege

Sandra Kreft möchte auf dem Hof Steckenpferd in Muckum gerne eine Bauernhof-Kita einrichten. Hund Woody würde sich über viele Kinder freuen. Foto: Kathrin Weege

„Wir stehen noch am Anfang. Die Idee ist nicht ganz neu, schon vor fünf Jahren habe ich darüber nachgedacht. Die Corona-Pandemie hat mich die Planungen wieder aufnehmen lassen“, sagt Sandra Kreft. Die 48-Jährige ist Inhaberin des integrativen erlebnispädagogischen Hofs Steckenpferd.

Voraussichtlich 15 Kinder von drei bis sechs Jahren sollen auf dem Hof betreut werden – und die meiste Zeit ähnlich wie in einem Wald-Kindergarten an der frischen Luft verbringen. Kreft möchte nach der Konzeption von „Kita Natura“ arbeiten. Mädchen und Jungen sollen mit allen Sinnen die natürliche Umwelt erleben – dazu steht ihnen beim Steckenpferd eine 1000 Quadratmeter große Fläche zur Verfügung. Da gehört das Ausbuddeln von Kartoffeln mit den Händen ebenso zu wie das Suchen der Eier von den hofeigenen Hühnern.

Sandra Kreft will das Konzept von Kita Natura weiterentwickeln. „Einmal in der Woche dürfen die Kinder aufs Pony, putzen es und kümmern sich darum“, erklärt Kreft. Und das soll nach dem Hippolini-Modell erfolgen, nach dem in Nicht-Corona-Zeiten auch der Reitunterricht beim Steckenpferd stattfindet. Hippolini-Trainerin Isabell Exner erklärt: „Die Kinder sind immer zu zweit am Pony, lernen Verantwortung zu tragen und verbessern ihre Team- sowie die Kommunikationsfähigkeit.“

Die kleinen Besucher können in der Bauernhofkita Bewusstsein für die Abläufe in der Natur entwickeln. Sie erfahren, Wertschätzung durch ihre aktive Teilnahme an Arbeitsprozessen. „Viele Mädchen und Jungen kennen den Kreislauf vom Pflanzen und Ernten gar nicht mehr, manche wissen nicht einmal, woher das Fleisch im Supermarkt stammt“, meint die Bünderin. Kinder erfahren, was der Verlauf der Jahreszeiten für einen landwirtschaftlichen Betrieb bedeutet. „Im Frühjahr erleben sie beispielsweise, wie die Lämmer geboren werden“, erzählt Kreft. Die Erfahrungen in der Bauernhof-Kita seien zudem ein guter Ausgleich zur Multimedia-Welt.

Wo die Kinder sich bei schlechtem Wetter aufhalten und welche pädagogischen Fachkräfte genau benötigt werden, ist noch in der Planung. „Ich habe allerdings schon einige sehr gute Mitarbeiterinnen – vor allem Studentinnen im Bereich Erziehungswissenschaften und Soziale Arbeit –, die sicherlich auch mitmachen werden“, sagt Sandra Kreft.

Noch ist die Bünderin in der Planung und in Gesprächen mit der Stadt sowie dem zukünftigen Träger. Ob aus dem Steckenpferd wirklich eine Bauernhof-Kita werden kann, hängt letztlich auch von den politischen Gremien ab.

„Wenn ich es mir wünschen könnte, dann würde ich die Kita gerne im kommenden Jahr eröffnen“, sagt die Bünderin. Wer sich aber bereits für das Projekt interessiert, der ist eingeladen, beim nächsten Zoom-Meeting zu diesem Thema teilzunehmen. Dann informiert Kreft zum aktuellen Stand der Dinge. Bei einem ersten Treffen haben Kreft und das Team des Arbeitskreises 17 interessierte Eltern über die Planungen informiert. Zehn bekundeten gleich danach, dass sie weiter interessiert seien. Wer sich zu der Online-Versammlung anmelden möchte, der schickt eine E-Mail an: info@steckenpferd-buende.de

Kommentar von Kathrin Weege

Waldkindergärten gibt es bereits einige im Kreis Herford. Viele Eltern entscheiden sich für Konzepte, bei denen ihre Kinder viel Zeit an der frischen Luft verbringen – gerade in Zeiten, wo Multimedia oft den Alltag bestimmt. Eine Kita auf dem Bauernhof kann all dies ebenfalls bieten und noch etwas mehr: Mädchen und Jungen lernen aus erster Hand, woher ihre Nahrung stammt. Sie haben Kontakt zu Tieren – vom Huhn, über Hund, Schwein, Schaf bis hin zum Pferd –, wie es ihnen zu Hause nicht möglich wäre. Bleibt zu hoffen, dass sich ein solches Konzept am Ende wirklich auf dem Hof Steckenpferd realisieren lässt. Es wäre eine tolle Chance für die Mädchen und Jungen aus dem Bünder Land.

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