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Kira Franziska Block wurde als Baby vor einer Kinderarztpraxis in Bünde gefunden

„Wer sind meine leiblichen Eltern?”

Bünde (WB). 18. Januar 1989: Ein Säugling in einer dunkelbraunen Strumpfhose und einer handgestrickten Jacke mit Kapuze liegt wimmernd vor einer Kinderarztpraxis in Bünde. Das vielleicht einen oder zwei Tage alte Mädchen wurde dort in einer Tasche abgestellt, möglicherweise von der Mutter. So ist es einem Zeitungsbericht zu entnehmen. Dieser Schnipsel Papier war lange Zeit alles, was Kira Franziska Block (31) über ihre Herkunft wusste. Jetzt hat sich die Frau, die heute in Hamburg lebt, auf Spurensuche begeben und ihre Geschichte bei Facebook erzählt.

Kathrin Weege

Als Säugling wurde Kira Franziska Block im Januar 1989 vor einer Kinderarztpraxis in einer Tasche abgestellt. Hier ein jüngeres Foto. Foto:

„Die Resonanz war überwältigend, der Artikel wurde innerhalb eines knappen Tages 1500 Mal geteilt, ich erhielt 150 Nachrichten“, erzählt sie. Inzwischen weiß Kira Franziska Block, die in Kalletal (Kreis Lippe) aufwuchs, dass sie vor der Praxis von Dr. Hans Drott in der Sedanstraße 1 in Bünde gefunden wurde.

Der Arzt ist inzwischen im Ruhestand, die Praxis aber existiert weiter. Das hatten Recherchen im vergangenen Jahr ergeben. Renate Drott, Ehefrau des Kinderarztes, sagte dem WESTFALEN-BLATT am Mittwoch: „Mein Mann hatte das wimmernde Baby am Eingang zur Praxis gefunden und es sofort untersucht. Es war nicht unterkühlt.“

Kira Franziska Block, die selber Mutter von drei Kindern ist, sagt: „Mich hat auf meinen Facebook-Aufruf hin eine Frau angeschrieben, die damals als Arzthelferin in Bünde arbeitete. Sie wiegte mich im Arm, bis die Kripo kam.“ Die Arzthelferin berichtete ihr, dass sie „gut verpackt und wohl gepflegt gewesen sei“. „Es sind schöne Momente, wenn man so etwas dann erfährt“, sagt die Hamburgerin gerührt.

Über das Jugendamt an Familie vermittelt

Und so ging die Geschichte des Mädchens weiter: Die Kriminalpolizei brachte das Kind in die Kinderklinik Herford, wo die Ärzte es untersuchten. Mütter, die zu einem ähnlichen Zeitpunkt in den umliegenden Krankenhäusern ein Baby zur Welt gebracht hatten, wurden befragt. Ergebnislos. Das Mädchen wurde schließlich zur Adoption freigegeben und über das Jugendamt an eine Familie vermittelt.

„Meine Eltern sind von Anfang an offen damit umgegangen, dass ich adoptiert bin“, sagt Block. Mutter und Vater hätten ihr aus dem „Findelfuchsbuch“ vorgelesen. Sie erklärten schon dem kleinen Mädchen: „Du bist anders. Du wohnst bei Familie Fuchs, aber bist ein Hase.“ Kira Block, die ein Gymnasium im Lemgo besuchte, begann sich in der Pubertät zu fragen, wer ihre leiblichen Eltern sind oder vielmehr, was damals geschah.

„Gerade jetzt, wo ich eigene Kinder habe, weiß ich, dass es wohl sehr starke Gründe gewesen sein müssen, warum meine Mutter mich weggegeben hat“, erzählt die Hamburgerin. Sie kommt regelmäßig in ihre alte Heimat nach Kalletal und besucht ihre Eltern, zu denen sie eine enge Bindung hat.

Hinweise über Facebook

Von ihrer Spurensuche verspricht sich Kira Franziska Block, sie ist Sozialpädagogin und angehende Familientherapeutin, dass sich die Puzzleteile ihrer Geschichte weiter zusammenfügen. Den Anstoß hatte ihr Ehemann Lennart gegeben. „Er meinte, ich hätte dabei doch nichts zu verlieren. Ich selber bin sonst gar nicht so aktiv bei Facebook“, erzählt sie. Auch ihre Eltern fänden die Suche gut.

Schon vor einiger Zeit hatte ihr Frauenarzt ihr geraten, doch einen DNA-Test machen zu lassen. Block: „Die Eltern sollen sich recht gut bestimmen lassen. Das Ergebnis war, das ich zur Hälfte Wurzeln aus England und zur Hälfte aus dem skandinavischen Raum haben soll.“ In Bünde habe es zur damaligen Zeit Kasernen gegeben. „Es war nicht unüblich, dass sich Frauen in Soldaten verliebten und die dann irgendwann wieder in ihre Heimat gegangen sind“, weiß die dreifache Mutter.

Wer weitere Hinweise auf die Herkunft oder zu dem Tag geben kann, als der Säugling vor der Bünder Kinderarztpraxis gefunden wurde, der kann sich über Facebook an Kira Franziska Block wenden oder eine E-Mail an diese Zeitung unter buende@westfalen-blatt.de schicken. Wir leiten diese Informationen dann weiter.

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