Während SPD und Grüne im Kreis ein Ende der Bewirtschaftung fordern, setzen Stadt und Forstverwaltung weiter auf Holzgewinnung

Wie soll der Wald der Zukunft aussehen?

Herford (WB)

Der Wald ist Rückzugs- und Erholungsort, unverzichtbares Öko-System, aber auch wichtig für die Gewinnung der natürlichen Ressource Holz. In Zeiten trockener Sommer und des Klimawandels mahnen SPD und Grüne im Kreis zum Umdenken, fordern einen Verzicht auf die Bewirtschaftung.

Bernd Bexte

Ein Foto aus dem Sommer 2020: Die Holzernte lagert am Wegrand auf dem Homberg. Der BUND möchte einen Großteil des Waldes sich selbst überlassen. Foto: Bexte

Die Forstverwaltung und die Stadt Herford halten das jedoch für abwegig. Wie soll also künftig der heimische Wald genutzt und entsprechend gestaltet werden?

Die Diskussion ist entbrannt, da dazu demnächst auf Stadt- und Kreis-Ebene politische Entscheidungen anstehen. Wie berichtet, fordern SPD und Grüne im Kreis, die Holzbewirtschaftung auf den kreiseigenen Waldflächen zu beenden. Stattdessen solle der Fokus auf eine naturnahe Gestaltung gelegt werden.

Mehr Alt- und Totholz sollen für eine größere Artenvielfalt sorgen. Durch den Verzicht auf die klassische Einschlag-Wirtschaft (Altersklassenwald) könne der Forst besser vor Sturmschäden und Insektenbefall (Borkenkäfer) geschützt werden. „Der schnelle Veränderungsprozess macht deutlich, wie wichtig es ist, neu zu denken,“ heißt es im Antrag der beiden Parteien, über den die Kreis-Politik im März beraten wird. Der Kreis soll für das neue Wald-Konzept auch private Flächen aufkaufen.

Johannes Landwehrmann, Förster im Forstbetriebsbezirk Vlotho und damit zuständig für den Wald im gesamten östlichen Kreisgebiet, hält davon nicht viel. „Das ist ja gut gemeint, aber woher sollen wir dann das Holz bekommen?“ Schließlich sei dies der ökologischste Baustoff, in der Nutzung klimaneutral, da er langfristig CO binde. „Besser geht es gar nicht.“

Überlasse man den Wald sich selbst, würde im Fäulnis- und Moderprozess das im Holz gebundene CO2 wieder freigesetzt. Deutschland sei Holz-Importland. Deshalb mache es Sinn, diesen ökologischen Baustoff für Möbel und Häuser vor Ort zu produzieren. „Durch was sollten wir ihn denn ersetzen, etwa Beton oder Stahl?“

Auch das Argument, durch die wenig naturnahen und aufgrund des Klimawandels abgängigen Fichtenwälder sei eine Ende der Bewirtschaftung ein Gewinn, ziehe nicht. „Im Bereich Herford sind nur 15 Prozent der Bestände Fichten.“ Bereits jetzt würde der heimische Forst mit Mischwald naturnah bewirtschaftet.

Landwehrmann schätzt den kreiseigenen Wald in seinem Revier auf etwa 200 Hektar – mit einem Jahresertrag von bislang 200 bis 300 Festmetern. Für den westlichen Bereich des Kreises Herford ist Revierförster Julian Schütz verantwortlich. Er hatte eine naturnahe Gestaltung des Waldes grundsätzlich begrüßt, allerdings auch auf den Aspekt der nachhaltigen Nutzung verwiesen. „Irgendwo muss das Holz ja herkommen.“

Auch in der Stadt Herford wird die Zukunft des Waldes jetzt Thema, konkret die künftige Gestaltung des Hombergs. Die dürrebedingte Ausbreitung des Rußrindenpilzes hatte den dortigen Ahornbestand seit 2019 massiv dezimiert. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fordert deshalb, die Hälfte der dort abgeholzten Fläche als „Naturwaldzelle“ auszuweisen. So steht es in einem Antrag für den Bau- und Umweltausschuss, der am 18. Februar tagt.

Die kahlen Flächen am Homberg sollten „durch natürliche Sukzession wiederbewaldet“ werden, formuliert es Kreisgruppensprecher Bernd Meier-Lammering. Alte und abgestorbene Bäume seien wichtige Lebensräume für Tiere. Nach dem Pilzbefall werde sich der Wald von alleine regenerieren. Und dann sei davon auszugehen, „dass sich die an die Klimaveränderung angepassten Arten ohne einen Eingriff des Menschen durchsetzen werden“.

Die Stadt will auf den Holzeinschlag am Homberg aber nicht verzichten. Neben der Erholungsfunktion für Spaziergänger, die im Naturwald aufgrund der Verkehrssicherungsmaßnahmen stark beschränkt sei, blende der BUND den Umgang mit der Ressource Holz aus. „Aus Sicht der Verwaltung ist es aber dringend geboten, gerade aus Gründen des Klimaschutzes, den Wald als Ressourcenquelle zu nutzen und ein möglichst hohes CO2-Senken-Potenzial auszuschöpfen“, erklärt Beigeordneter Peter Böhm in der Stellungnahme zum BUND-Antrag.

Die Stadt betrachte den Homberg weiter als eine „naturnah zu bewirtschaftende Fläche“. Neben der punktuellen Aufforstung blieben Rückegassen und Wirtschaftswege für die Forstwirtschaft zugelassen.

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