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Nabu und BUND weisen Bedenken von Forstwirtschaft und Stadt zurück

„Wir brauchen mehr Naturwald“

Herford (WB/bex)

Von einem Naturwald gehe keine Gefahr aus, auch nicht „für unseren finanziellen Wohlstand“, sind sich die Naturschutzverbände Nabu und BUND sicher.

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Blick in den Hombergwald: Um diesen und andere kommunale Forste ist eine Nutzungsdiskussion entbrannt. Foto: Bernd Bexte

Der Artikel „Wie soll der Wald der Zukunft aussehen?“ vom 10. Februar in dieser Zeitung hat die Debatte um die Gestaltung des heimischen Forstes in Zeiten des Klimawandels befeuert.

Beide Naturschutzverbände weisen in einer Stellungnahme die darin geäußerten Bedenken von Johannes Landwehrmann zurück. Er ist als Förster für den Wald im östlichen Kreisgebiet zuständig und hatte unter anderem auf die Bedeutung des Waldes als CO2-Speicher und Ort der Holzgewinnung verwiesen, dem ökologischsten Baustoff überhaupt.

Nabu und BUND unterstützen hingegen das Ziel von SPD und Grünen im Kreis, die Hälfte der kreiseigenen Waldflächen aus der Bewirtschaftung zu nehmen und zum naturbelassenen Wald umzugestalten. Bis zum Jahr 2020 hätten fünf Prozent der Wälder in Deutschland aus der Nutzung genommen werden sollen. So sieht es die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt des Bundes vor. „Dieses Ziel wurde bei weitem verfehlt“, argumentieren BUND und Nabu.

Deshalb sei das Ansinnen von SPD und Grünen im Kreis „nur richtig und zukunftsgerichtet“, sagt Freyja Diebrok, Forstwirtin und stellvertretende Vorsitzende des Nabu Herford. „Auf einem Teil der Waldflächen können wir auf die Bewirtschaftung und die Nutzung von Holz verzichten und den Wald alt werden lassen.“

Die Sorge, dass Naturwälder keine CO2-Speicher seien oder sogar CO2 freisetzen würden, sei „ein Mythos“, meint Biologe Bernd Meier-Lammering, Vorsitzender des BUND Herford. So hätten Forscher der Uni Hamburg ermittelt, dass Bäume in ihrem letzten Lebensviertel 39 bis 50 Prozent ihrer gesamten Kohlenstoffaufnahme speichern. „Leider werden in unseren Forsten die Bäume aber gar nicht so alt, in der Regel werden sie schon gefällt, wenn Sie gerade einmal die Hälfte ihrer Lebensspanne erreicht haben.“

Das meiste Holz gehe in kurzlebige Produkte wie Papier und Pappe. Und auch die Möbel seien heutzutage eher kurzlebig. „Wie kann Holz ein knappes Gut sein, wenn wir diesen Rohstoff für solche Produkte vergeuden?“, fragt Freyja Diebrok.

Auch einen unverhältnismäßig hohen Aufwand durch Schutzmaßnahmen sehen die Naturschutzverbände nicht. Darauf hatte die Stadt Herford als Reaktion auf einen Antrag des BUND verwiesen, den vom Rußrindenpilz geschädigten Hombergwald künftig naturnah zu gestalten. „Eigentümer von Naturwäldern sind wie alle anderen Waldbesitzer auch nur zur Verkehrssicherungspflicht entlang von offiziellen Wegen und viel genutzten Plätzen an und in ihrem Wald verpflichtet.“

Es sei richtig, wenn der Kreis Herford aus seinen Naturwäldern kein Holz mehr auf den Markt bringen wolle, sagt Meier-Lammering. „Aber der Kreis verzichtet nicht nur, sondern bekommt etwas, das im Kreis Mangelware ist: Viele seltene Arten wie Schwarzstorch und Schwarzspecht werden mehr Lebensraum finden und sich wieder ausbreiten.“ Denn diese seien an Alt- und Totholz gebunden.

Berechtigt sei die Frage, woher der Rohstoff für die Holz-Industrie künftig kommen solle. Antwort der Naturschutzverbände: Neben den kommunalen Flächen seien viele Wälder im Kreis Privateigentum und würden weiterhin forstlich genutzt. Während in NRW 27 Prozent der Fläche bewaldet seien, liege der Anteil im Kreis Herford bei nur 8,4 Prozent. Deshalb sei es nach Meinung von Nabu und BUND „auch für den Klimaschutz dringend notwendig“, weitere Flächen in Wald umzuwandeln.

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