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Bünder (40) stand bei Vorfall unter Drogeneinfluss – Verfahren gegen Auflagen eingestellt

Zugreisende mit Messer bedroht

Bünde (WB). Weil er zwei Bahnreisende mit einem Messer bedroht und in Angst versetzt haben soll, hat sich ein 40-Jähriger am Donnerstag vor dem Bünder Amtsgericht verantworten müssen. Gegen Auflagen wurde das Verfahren jedoch vorläufig eingestellt.

Die Bedrohungen fanden am Bahnhof Bünde und in einem Zug zwischen Bünde und Herford statt. Foto: Daniel Salmon

Die beiden Vorfälle hatten sich an einem Tag Ende Januar 2017 zugetragen. Laut Anklageschrift hatte der mehrfach vorbestrafte Heilpraktiker, der derzeit in der JVA in Bielefeld einsitzt, gegen 14 Uhr zunächst während einer Zugfahrt einem unbekannten Mann ein Messer mit einer 20-Zentimeter-Klinge vors Gesicht gehalten. »Dieser musste davon ausgehen, dass der Angeklagte ihn eventuell lebensgefährlich verletzen würde«, so die Vertreterin der Staatsanwaltschaft.

Zwei Messer sichergestellt

Wenige Minuten später habe der 40-Jährige auf dem Bahnsteig des Bünder Bahnhofs erneut einen Unbekannten bedroht – dieses Mal mit einem anderen Messer. Laut Anklage habe er dabei Stichbewegungen ausgeführt, woraufhin der Bedrohte die Flucht ergriff. Die beiden Messer seien später bei dem Beschuldigten sichergestellt worden. Zwar hatte das Gericht keines der Bedrohungsopfer ausfindig machen können, wohl aber einige Zeugen, die die Vorfälle miterlebt hatten – aussagen mussten sie aber dann nicht.

In einer Einlassung für seinen Mandanten erklärte Verteidiger Thorsten Giesecke zunächst, dass sich der 40-Jährige an die Vorfälle nicht erinnern könne – vermutlich weil er unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol gestanden habe. Die Betäubungsmittel habe er konsumiert, weil er zum Zeitpunkt der Vorfälle traumatisiert gewesen sei. Und zwar als Folge eines Einbruchs in sein Elternhaus, den der Bünder hatte miterleben müssen. »Ich war drei Tage lang wach, konnte wegen des Einbruchs nicht schlafen, hatte viel Weinbrand getrunken und Cannabis geraucht. Ich war die ganze Zeit voller Adrenalin«, führte der Beschuldigte aus. Unter dem Einfluss dieses Cocktails sei es dann wohl kurz darauf zu den Messer-Bedrohungen gekommen, an die er keine Erinnerungen habe: »Ich wollte niemanden bedrohen.« Wegen einer Cannabis-induzierten Psychose sei der Bünder im Anschluss an die Taten über mehrere Tage in einer Klinik gewesen.

Traumatherapie als Auflage

Nach Angaben von Verteidiger Thorsten Giesecke hätten mehrere Zeugen in den polizeilichen Vernehmungen den Eindruck geäußert, dass dessen Mandant während der Vorfälle einen »verwirrten Eindruck« gemacht habe. Auch die vorsitzende Richterin hielt fest, dass ein Schuldfähgikeitsgutachten in dem Fall Sinn mache. Doch dazu wird es nicht mehr kommen.

Die Prozessbeteiligten verständigten sich letztlich darauf, dass Verfahren vorläufig gegen eine Geldauflage von 600 Euro einzustellen. Zudem muss sich der Bünder einer Traumatherapie unterziehen. Mit Blick auf die bisherige Vita des Mannes meinte die Richterin: »Diese Vorfälle müssen aufhören.«

Der 40-Jährige zeigte Reue, versprach nie mehr auf die schiefe Bahn zu geraten, ein neues Leben beginnen zu wollen. Zudem entschuldigte er sich bei den geladenen Zeugen, die die Bedrohungen mit dem Messer hatten miterleben müssen.

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