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Urnen-Trend führt zu weniger Flächenverbrauch

Zuviel Platz auf den Friedhöfen

Bünde/Kirchlengern/Rödinghausen  (WB). Haben die Kommunen im Bünder Land zu viel Friedhofsflächen? Aktuelle Untersuchungen legen diesen Schluss nahe. Ein Grund ist der Wandel in der Bestattungskultur. Beisetzungen mit der Urne sind in den letzten Jahren immer populärer geworden.

Hilko Raske

Der Feldmarkfriedhof in Bünde. Auch er weist viele nicht genutzte Flächen auf. Foto: Hilko Raske

Erst im Frühjahr hatte die Stadtverwaltung Bünde Zahlen zur Nutzung der Friedhöfe Ennigloh II (Holtackerweg) und Feldmark präsentiert. Zusammen sind beide Friedhöfe etwa 120.000 Quadratmeter groß ­ – das entspricht 37 Prozent der Fläche aller 15 städtischen Friedhöfe. 18.000 Quadratmeter Fläche auf beiden Friedhöfen zusammen sind allerdings nie belegt gewesen. Und es gibt 24.000 Quadratmeter kleinteilige freie Flächen im Bestand (sogenannte »Zahnlücken in den Grabreihen«).

Die Zahl der Bestattungen schwankt von Jahr zu Jahr: Wurden 2009 487 Menschen beerdigt, waren es 2014 451 und 2018 500. Experten gehen davon aus, dass die Zahlen bis 2030 leicht steigen. Grund: Die Einwohnerzahl der Stadt Bünde dürfte in den kommenden Jahren zunehmen. Das bedeutet allerdings nicht, dass mehr Friedhofsfläche benötigt werde. Im Gegenteil. Dadurch, dass Urnenbestattungen immer populärer werden (Feldmark: aktuell 60 Prozent Urnenbestattungen, Ennigloh II: 55 Prozent), wird damit gerechnet, dass der Flächenbedarf sinkt.

Betrachtet man den Zahlen der zurückliegenden Jahre für alle Bünder Friedhöfe, wird diese Prognose untermauert. So wurden 2009 in Bünde 275 Menschen in einem Sarg bestattet, in der Urne 212. 2014 waren es dann 270 Beerdigungen im Sarg, aber schon 249 in der Urne. Und 2018 wurden 310 Menschen per Urne oder Verstreuung beigesetzt, aber nur noch 190 im Sarg.

In Kirchlengern ist die Kommune für die Friedhöfe Südlengern-Dorf und Quernheim zuständig. Die Friedhöfe Stift Quernheim, Kirchlengern, Hagedorn und Häver werden von den Kirchengemeinden verwaltet. Auf den kommunalen Friedhöfen gab es 2018 53 Bestattungen, 2008 waren es 40. Und auch hier zeigt sich, dass die Urne populärer geworden ist: gab es 2008 neun Erdbestattungen und elf Urnenbestattungen, waren es 2018 24 Erdbestattungen und 29 Urnenbestattungen.

Ein Blick nach Rödinghausen zeigt, dass der Trend auf den drei Friedhöfen in kommunaler Trägerschaft auch in Richtung Urne geht: 2009 gab es 37 Bestattungen per Sarg und 25 per Urne, 2017 waren 29 Sarg- und 46 Urnenbestattungen und in diesem Jahr bislang 21 Sarg- und 26 Urnenbestattungen.

Naturnahe Blühflächen

Die Kommunen haben auf diese Veränderung im Bestattungswesen reagiert. So erwägt man in Bünde, auf den Flächen, die noch nie oder nur teilweise belegt sind, keine weiteren Bestattungen vorzunehmen, sondern sich stattdessen auf einige Bereiche des Friedhofs zu konzentrieren und vorhandene kleinteilige Lücken zu schließen. Auf dem Friedhof Ennigloh II sollen Reserveflächen beispielsweise in naturnahe Blühflächen umgewandelt werden. Und in Rödinghausen reagiert die Gemeindeverwaltung mit der Neugestaltung der kommunalen Friedhöfe Schwenningdorf, Westkilver und Ostkilver Schritt für Schritt auf die gestiegene Nachfrage nach individuellen Bestattungsformen. Zwar wünschen sich viele Rödinghauser nach wie vor klassische Grabarten, immer mehr Menschen suchen für ihre letzte Ruhe aber nach individuellen Gestaltungsmöglichkeiten.

Pflegeleichte Bestattungsformen

Besonders die pflegearmen Bestattungsformen seien ein Thema, um Kinder und Enkel damit möglichst wenig zu belasten, ist von Seiten der Verwaltung zu hören. Aber auch naturnahe Bestattungsformen und Partnergräber würden immer häufiger nachgefragt.

Kommentar von Hilko Raske

Vier Urnenbestattungen benötigten nur den Platz einer konventionellen Erdbestattung. Wer sich das vor Augen führt, muss kein Rechenkünstler sein, um zu wissen, dass bestehende Friedhöfe – egal ob in kommunaler oder kirchlicher Hand – von der Fläche her künftig überdimensioniert sein werden. Denn der Trend zur Urnenbestattung wird anhalten. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen, auch wenn es etwas pietätlos klingt, ist die Urnenbestattung einfach preiswerter. Dann ist der Pflegeaufwand für eine solche Grabstätte deutlich geringer.

Die Kommunen stecken dadurch in einem Dilemma. Immerhin müssen sie die Flächen auf den Friedhöfen pflegen, die nicht belegt sind – und das kostet.

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