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Sonderauflage des beliebten Kalenders: Züge kollidieren 1939 kurz vor dem Bahnhof in Pödinghausen

Als die Kleinbahn elektrisch wurde

Enger (WB)

120 Jahre ist es her, da rückte der Kreis Herford ein wenig näher zusammen. Am 10. August 1900 wurde die erste Teilstrecke der Kleinbahn in Betrieb genommen, die die Städte Herford und Enger miteinander verband.

Daniela Dembert

Matthias Rasche liegen eine Menge historische Aufnahmen der Kleinbahn vor, aus denen die Kalendermotive ausgewählt werden. Foto: Fotos: Daniela Dembert

Die Gesamtstrecke der Herforder Bahn führte nach Fertigstellung von Vlotho bis nach Wallenbrück, von Enger aus konnte auch mit den Bielefelder Kreisbahnen bis Eckendorf und Schildesche gefahren werden.

Vor 90 Jahren, genauer: am 26. Juni 1930 wurde die Kleinbahn elektrisch. „Allerdings nur auf der Etappe zwischen Wallenbrück und Herford“, konkretisiert Matthias Rasche.

Gemeinsam mit Burkhard Wehmeyer hat Rasche während der Pandemie Zeit gefunden, neben der nächsten Ausgabe des 2022 erscheinenden Kleinbahnkalenders auch an einer Sonderauflage für das Jahr 2021 zu arbeiten.

Beide Kleinbahnfans verbinden Erinnerungen aus Kindertagen mit der Schmalspurstrecke.

„Eigentlich war die Kleinbahn ein Zukunftsmodell“, meint Wehmeyer. Heute besinne man sich erneut auf öffentliche Verkehrsmittel als Ressourcen sparende, klimaschonende Alternative.

Der im Wirtschaftswunder der 1950er und -60er Jahre boomende Individualverkehr hatte zur Stilllegung der Kleinbahntrasse am 22. April 1966 geführt.

An diesen Tag erinnert sich Burkhard Wehmeyer noch ganz genau: „Mein Großvater, mein Vater, mein Bruder und ich hatten Tickets gelöst, um am letzten Tag noch einmal mit der Kleinbahn von Enger nach Spenge zu fahren. Bei dieser Fahrt war der Waggon knallvoll.“

„Tatsächlich waren zur allerletzten Fahrt der Kleinbahn, die von Spenge nach Herford ging, sogar Sonderbusse eingesetzt, um Passagiere von Herford nach Spenge zu bringen“, weiß Matthias Rasche zu erzählen.

Die Bahn habe für viele Menschen einen emotionalen Wert gehabt, habe die kleine „Große Freiheit“ bedeutet. „Man musste nicht mehr früher aufstehen und kilometerweit radeln, um zur Schule nach Bielefeld zu kommen, sondern konnte stattdessen während der Fahrt im Waggon noch schnell die Hausaufgaben machen“, hat sich Rasche erzählen lassen.

Diese und viele weitere Erinnerungen wollen die beiden wach halten. Bei ihrer Eröffnung sei die Kleinbahn eine der modernsten in ganz Deutschland gewesen, zeigt Wehmeyer auf – „quasi Hightech“. Entwickelt habe sich daraus eine ganz andere, entschleunigtere Variante des Reisens: „Ohne Kleinbahn hätten wir heute keinen so schönen Radweg.“

Vor einigen Tagen jährte sich ein finsterer Moment in der Geschichte der Schmalspurbahn zum 81. Mal: am 11. Dezember 1939 stießen ein Güterzug und der Personen-Regelzug kurz vor dem Bahnhof Pödinghausen zusammen. Tote habe es damals nicht gegeben, wie aus dem Unfallbericht hervor geht, wohl aber Verletzte. Der Regelzug war fahrplangemäß unterwegs und sollte sich mit einem Güterzug in Jöllenbeck kreuzen. Der Lokführer des Güterzuges war jedoch eilig unterwegs, um den Personenverkehr bereits im Bahnhof Pödinghausen zu kreuzen. Das Timing passte nicht und es kam zum Frontalzusammenprall der beiden Schienenfahrzeuge.

Alle zwei Jahre erarbeiten Wehmeyer und Rasche gemeinsam einen Wandkalender mit nostalgischen Fotos der Kleinbahn, die von Bahnbegeisterten aus der Region zusammengetragen worden sind. Dabei bauen sie immer kleine, interessante „Spielereien“ ein.

Wer sich die Wartezeit auf den Wandkalender für das Jahr 2022 verkürzen möchte, kann sich die „Corona-Sonderausgabe für 2021 in der Buchhandlung Liebold und bei Matthias Rasche unter der Rufnummer 05224/7797 sichern.

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