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Theater-AG des Widukind Gymnasiums bringt Goethes Klassiker auf die Bühne

Auf Sinnsuche mit Dr. Faustus

Enger (WB). An ein Monstrum von Theaterstück hat sich die Theater-AG des Widukind Gymnasiums Enger (WGE) getraut. Den ersten Teil von Goethes Tragödie »Faust« brachten die Oberstufenschüler auf die Bühne. In gestraffter Version schafften es die jungen Schauspieler, das Stück kurzweilig zu interpretieren.

Thomas Klüter

Die Hexe (Janina Müller) diskutiert vor dem Zauber der Verjüngung noch mit Dr. Faust (Lennart Steinkamp). Fotos: Thomas Klüter Foto:

»Wir behandeln Goethes Faust für das Abitur im Unterricht«, sagte Christian Macke. Der Deutsch- und Geschichtslehrer leitet gemeinsam mit Sina Schwarzer auch die Theater-AG und weiß daher, dass szenische Interpretationen oft einen leichteren Zugang zu einem Text eröffnen. »Daher haben wir schon im Unterricht einige Szenen aus Faust nachgespielt«, erklärte er. Daraus sei dann die Idee entstanden, die Tragödie mit der Theater-AG zu inszenieren.

Die Schüler kürzten das 300 Seiten starke Stück dafür. Gemeinsam versuchten sie, die Essenz der Geschichte des zweifelnden Wissenschaftlers und Akademikers herauszufiltern und legten den Fokus auf den Pakt, den Faust mit Mephisto schließt. Der Teufel wurde auf der Bühne eindrucksvoll von Leah Degener verkörpert, die in schwarzem Kleid und mit roten Hörnern auf dem Kopf die Aufführung dominierte. Als ihr Gegenüber schlüpfte Lennart Steinkamp in die Rolle des alten Faust.

Nach dem Pakt und der ausgehandelten Verjüngung spielte Piet Ehren den jungen Akademiker Faust. Und der machte sich, ganz wie im Original von 1808, liebestoll daran, dem jungen Gretchen nachzustellen. Trotz ständigen verbalen Schlagabtauschs zwischen Teufel und Wissenschaftler half ihm Mephisto beim Werben um die unschuldige Schöne.

Die Zweifel an sich selbst und an der Welt, die Faust zur Unzufriedenheit und schließlich zum Pakt mit dem Teufel treiben, sind heute so aktuell, wie damals. Das Stück bietet auch heute noch Anlass zum Nachdenken und so kurzweilig und dramatisch in Szene gesetzt, wie von der Theater-AG des WEG, wirkte das Stück geradezu modern. »Bis heute sind viele Zitate aus dem Faust im täglichen Gebrauch«, sagte Christian Macke. »Allerdings wissen viele gar nicht, dass sie von Goethe stammen. »Des Pudels Kern« sei zum Beispiel eine davon, die so genannte »Gretchenfrage« und auch der Ausspruch »Nun steh ich hier, ich armer Tor, und bin so klug, als wie zuvor« gehören dazu.

Zweimal hat die Theater-AG das Stück bereits auf die Bühne gebracht. Gestern stand eine interne Aufführung vor Mitschülern und Verwandten auf dem Programm. An diesem Samstag, 23. Juni, gibt es aber noch eine Chance, Goethes Faust auf der Bühne der Schulaula live zu erleben. Um 17 Uhr geht es los. Der Eintritt kostet für Schüler und Studenten drei Euro, Erwachsene zahlen fünf Euro.

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