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Engeraner Landwirte haben mit Räumarbeiten und zugefrorenen Leitungen zu kämpfen – Wege frei schieben für Futter-Lkw

Den Schweinen gefällt‘s im Schnee

Enger (WB)

So einige Stunden hat Jung-Landwirt Lukas Weßling seit dem Wochenende auf dem Trecker gesessen und seinen Hof freigeschoben. Dienstagnachmittag soll ein Lastwagen kommen und Futter für seine Schweine bringen.

Kathrin Weege

Ein bisschen Schnee im überdachten Auslauf und auf der Nase, das macht den Schweinen im Tierwohl-Stall von Lukas Weßling gar nichts. Im Gegenteil, sie wühlen interessiert darin rum. Wird es ihnen im Auslauf zu frisch, wechseln sie in den wärmeren Stall. Foto:

„Viele landwirtschaftliche Betriebe liegen etwas außerhalb. Und da fahren die Räumdienste oft nicht. Für heute habe ich noch Futter in den Silos. Könnte der Futter-Transporter heute nicht vorfahren, wäre morgen Hungern bei den Tieren angesagt“, sagt Weßling. Die Zufahrtsstraße zu seinem Hagenhof in Besenkamp hat er selber mit dem Traktor geschoben. Der Futtermittel-Händler ruft von unterwegs an, wann er vorfährt. „Das klappt aber heute. Der Weg ist frei“, sagt der 30-Jährige.

Seinen Schweinen macht das frostige Wetter mit Temperaturen im zweistelligen Minus-Bereich in der Nacht nichts aus. Im Gegenteil. Sie sind dennoch im Außenbereich des neu gebauten Tierwohl-Stalls unterwegs. Sie wühlen dort im Stroh, Schnee auf der Nase irritiert sie dabei nicht. „In diesem Stalltrakt sind 500 Tiere. Etwa 50 halten sich immer im Außenbereich auf. Sie können frei wählen, wohin sie gehen“, erklärt Weßling.

Damit der Futtermittel-Lkw trotz der Schneemassen zum Hof kommen kann, hat Lukas Weßling nicht nur den Hof, sondern auch die Zufahrt mit dem Trecker geräumt. Foto:

Herrscht kein Ausnahme-Wetter, dann sind nahezu alle Tiere im Auslauf unterwegs oder ruhen dort auch. Davon haben sie aktuell aber Abstand genommen und gehen zum Schlafen immer wieder zurück ins Innere.

Den Schweinen mache die Kälte auch gesundheitlich nichts aus. „Das liegt auch an der Zucht, sie haben einen Duroc-Vater – sie sind sehr robust“, erklärt der Landwirt. Weßling hat beim Bau seines Stalls auf frostfreie Leitungen gesetztund hat keine Probleme mit vereisten Tränken. So bleibt ihm das Tränken von Hand erspart, was in einigen Pferdeställen in dieser Zeit auf der Tagesordnung stehen dürfte – vor allem wenn es sich um Außenställe mit offenem Auslauf handelt.

Dass die Räumarbeiten bei den extremen Schneemassen von den Bauern viel Zeit und Einsatz fordern, bestätigt auch Wilhelm Brüggemeier, dessen Hof in Herringhausen liegt. Schließlich müssten die Wege zu den Silos freigeräumt werden, um gut ans Futter zu kommen.

In seinem Kuhställen ist ein Zirkulationssystem bei den Leitungen zu den Tränken eingebaut. Hier läuft auch bei 12 Grad minus in der Nacht alles. Anders sieht das bei den Kälberställen aus. „Die müssen wir im Moment mit dem Eimer tränken“, sagt Brüggemeier.

Die Kuhställe brauchen Luftaustausch, ganz dicht gemacht werden sie auch bei diesem Wetter nicht. „Die frischen Temperaturen machen den Kühen nicht allzu viel aus, sie sind robust. Sie können auch minus zehn Grad deutlich besser vertragen als extreme Hitze“, sagt Brüggemeier.

Gerade im Melkstand heißt es aber: Immer schnell wieder die Türen schließen. „Dort darf nichts einfrieren“, so Wilhelm Brüggemeier.

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