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Händler in Enger und Spenge beobachten gestiegene Nachfrage – viele Kunden wollen nachhaltig kaufen

Der große Run auf die Bäume

Spenge/Enger (WB)

Der Weihnachtsbaumverkauf geht in den Endspurt. Obwohl noch bis Heiligabend Bäume erworben werden können – der Verkauf ist nicht vom Lockdown betroffen –, zeichnet sich an vielen Verkaufsstellen schon jetzt eine deutliche Steigerung der Nachfrage ab.

Daniela Dembert

Bernd Walkenhorst steht in einer seiner Weihnachtsbaumschonungen. Hier wachsen Nadelgehölze jeder Größe bunt gemischt.

„Die Menschen verreisen nicht und machen es sich deshalb zuhause besonders gemütlich“, meint Thomas Nordmeyer, der in seiner Baumschule auf dem Engeraner Nordhof Christbäume aus eigener Produktion verkauft.

Doch ist der geschlagene Weihnachtsbaum im Kontext von Umwelt- und Klimaschutz eigentlich zu rechtfertigen? Aktivisten wie Fridays for future sehen den Erwerb von Bäumen mit Wurzelwerk zum späteren Verpflanzen ins Freiland als Alternative zum Abholzen.

„Das funktioniert in den wenigsten Fällen“, sagt Bernd Walkenhorst, der auf seinem Hof am Kleekampweg in Spenge ebenfalls Bäume aus eigenen Schonungen anbietet. Ungern verkaufe er seinen Kunden Nadelgehölze mit Wurzelballen, weil diese den Stress durch die großen Temperaturunterschiede in den seltensten Fällen überstünden.

„Wenn der Baum zwei, drei Wochen im Wohnzimmer steht, bekommt er verfrüht Frühlingsgefühle“, meint auch Thomas Nordmeyer. Generell, so erklärt er, sei das Problem noch ein anderes: die meisten Nadelbäume seien Pfahlwurzler. Wolle man die Wurzeln überschaubar halten, müsse man sie alle paar Jahre durch Abstechen oder Umpflanzen im Zaum halten. „Das macht so einen Baum verglichen mit geschlagenen Bäumen sehr teuer“, argumentiert Nordmeyer. Mithalten könnte da höchstens in Töpfen angezogene Baumarktware.

Bei den heimischen Produzenten wird regelmäßig wieder aufgeforstet. In den Schonungen der Familie Walkenhorst wachsen Bäume jeden Alters durcheinander, sodass nie kompletter Kahlschlag herrscht. „Anders als auf richtigen Plantagen“, sagt Bernd Walkenhorst, der das Weihnachtsbaumgeschäft von seinem Vater übernommen hat und, neben dem Milchviehbetrieb, jetzt mit Sohn Lukas in dritter Generation führt. In ihren Schonungen fühlen sich Hasen und Fasane wohl, finden ausreichend Deckung.

Erst ab Ende November werden die ersten Bäume geschlagen. Walkenhorsts Klientel besteht, ebenso wie die von Thomas Nordmeyer, hauptsächlich aus Stammkunden, denen Regionalität und Nachhaltigkeit nicht ganz unwichtig seien. „Kunden fragen regelmäßig nach unseren Anbaumethoden oder danach, wie frisch die Bäume sind und gehen selbst gern in die Schonung zum Aussuchen“, erzählt Lukas Walkenhorst.

Viel Arbeit stecke in einem Baum, bis er nach acht bis zehn Jahren Zimmerhöhe erreicht habe. Im Frühjahr werde gepflanzt, Zäune gegen Rehe würden aufgestellt, Unkraut müsse zwischen den noch jungen Pflanzen beseitigt und deren Wuchs kontrolliert werden.

Der Klassiker ist laut Bernd Walkenhorst die Nordmanntanne. „Es gibt auch einige wenige Liebhaber von Fichten, die den Duft der Bäume schätzen. Nobilis nadelt nicht und duftet auch.“

Trotz der zusätzlichen Arbeit freut sich die ganze Familie Walkenhorst auf den Weihnachtsbaumverkauf: „Da kommt das ganzen Dorf einmal zu uns. Manche kommen direkt mit der Schubkarre, um ihren Baum zu transportieren.“ In diesem Jahr sei zwar alles etwas anders und auch unter freiem Himmel werde Maske getragen, aber Spaß mache die vorweihnachtliche Aktion trotzdem.

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