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Haushaltsbefragung zur Mobilität vorgestellt – mit 1,7 Autos liegt Enger über dem Durchschnitt

Deutliche Kritik am Busangebot

Enger

Wie ist es um das Mobilitätsverhalten der Engeraner bestellt? Um das zu eruieren, hat die Stadt Enger im vergangenen Jahr eine große Haushaltsbefragung in Auftrag gegeben. Das Planungsbüro Bockermann Fritze hat die Antworten ausgewertet und dem Ausschuss für Stadtplanung in seiner jüngsten Sitzung in einer Kurzpräsentation vorgestellt.

Von Daniela Dembert

Nur 6,6 Prozent der Teilnehmer der Mobilitätsbefragung nehmen regelmäßig den Bus. Und die, die Bus fahren, kritisieren Preis, Taktung und Netzabdeckung. Foto: Gerd Hülsegge

Gut 1800 Rücksendungen aus allen Ortsteilen sind eingegangen, was einer Antwortquote von etwa 10 Prozent entspricht. Das sei ein gutes, durchaus repräsentatives Ergebnis, summierte Dr. Klaus Bockermann. In größeren Städten mit mehr Anonymität und weniger Identifikation sei die Beteiligung in der Regel weitaus geringer.

Ergeben hat die Befragung im Groben Folgendes: Die Gehwege in der Widukindstadt werden von den Befragten im Allgemeinen als passabel bewertet. Die Hälfte der Teilnehmer gibt dem Radwegenetz nur mittelmäßige Noten. Es wird als unvollständig ausgebaut, zu unsicher, vom Autoverkehr getrennt und wenig komfortabel empfunden wird.

1,7 Autos werden durchschnittlich pro Engeraner Haushalt gehalten. Damit liegt die Widukindstadt deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 1,1. Dies sei ein Spiegel für die eventuell fehlenden Alternativen der Fortbewegung, meint Bockermann.

9,7 Prozent der Wege werden mit dem Fahrrad zurückgelegt, 12,4 Prozent zu Fuß. „Eigentlich keine schlechten Zahlen“, kommentierte Bockermann.

66 Prozent aller Strecken werden mit dem Auto überwunden, dabei ist meistens nur eine Person unterwegs, beispielsweise bei Fahrten zur Arbeit, die 27 Prozent ausmachen.

Die Quote der Busfahrten ist mit nur 6,6 Prozent sehr niedrig. Nach der Zufriedenheit mit dem ÖPNV befragt, haben 45 Prozent aller Teilnehmer keine Bewertung vorgenommen. „Fast die Hälfte aller Befragten kann den ÖPNV nicht einschätzen, weil sie ihn nicht nutzt. Da können wir ansetzen“, machte Bockermann deutlich. Unter den Nutzern der Buslinien wurde Kritik an Fahrpreis, Taktung und Netzabdeckung geäußert. Sicher sei die Verbesserung des ÖPNV-Angebots keine Angelegenheit, die Enger allein stemmen könne, räumte Bockermann ein. Es gebe aber schon Ansätze, kreisweit zu denken.

Handeln müsse man an verschiedenen Stellen, um den Modal Split (Anteil eines Verkehrsmittels am Verkehrsaufkommen) vom motorisierten Individualverkehr weg zu leiten. Bürgermeister Thomas Meyer sagte, Ziel müsse nun die Erarbeitung einer „bedarfsorientierten, verzahnten Mobilität“ sein.

Außer der Stadt Herford hat noch keine andere Kommune des Kreises eine solche Befragung durchgeführt. Nach dieser Maßnahme kann Enger nun für das weitere Vorgehen auf einen großen Datenfundus zurückgreifen.

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