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Vanessa Busse ist Schornsteinfeger-Gesellin – 23-Jährige säubert Kamine in Enger und Spenge

Die Glücksbringerin

Enger/Spenge/Löhn...

Die neue Schornsteinfegerin für Enger und Spenge teilt ihr Glück in diesen Tagen nicht. Ist es sonst üblich, einen Schornsteinfeger zu berühren, denn das soll bekanntlich Glück bringen, verbietet dies die Corona-Pandemie. Für ein paar nette Worte mit der Kundschaft nimmt sich Vanessa Busse aus Löhne aber gerne einen Moment Zeit.

Kathrin Weege

Vanessa Busse ist seit Januar als Schornsteinfeger-Gesellin in Enger und Spenge unterwegs. Mit ihrem Chef betreut sie etwa 2800 Haushalte. Foto: Kathrin Weege

Seit 1. Januar arbeitet die 23-Jährige als Gesellin bei Schornsteinfegermeister Ingo Eikenhorst. Gemeinsam betreuen sie etwa 2800 Haushalte im Kehrbezirk Enger 2 – dazu zählen auch Teile von Spenge.

Ingo Eikenhorst, Schornsteinfeger-Meister. Foto: Kathrin Weege

Für die Löhnerin ist ihr Job ein absoluter Traumberuf. Trotz Handschuhen sind ihre Hände pechschwarz. „Der Ruß aus dem Schornstein geht dadurch“, sagt sie. Das mache ihr aber nichts. Abends werden die Hände ordentlich geschrubbt und alles ist wieder sauber.

Schornsteinfegerinnen sind immer noch ein seltenes Bild. Der 23-Jährigen war der Job sozusagen in die Wiege gelegt worden. Sowohl ihr Vater als auch ihr Onkel haben diesen Beruf. Nach einem Tagespraktikum beim Girls‘ Day stand für Vanessa Busse fest: „Ich werde Schornsteinfegerin!“ Und so selten seien Frauen gar nicht in diesem Bereich. „Aktuell besuche ich die Meisterschule in Dülmen. In meiner Klasse sind von 21 Schülern immerhin fünf Frauen“, berichtet sie.

An ihrem Job schätzt Busse vor allem die Vielfältigkeit. Man sei mal draußen, mal drinnen, arbeite an verschiedenen Orten, mal eher technisch, dann wieder handwerklich. „Als ich mich für die Ausbildung entschieden habe, habe ich zwar nicht über diesen Aspekt nachgedacht. Seit der Pandemie ist mir noch ein weiterer Vorteil bewusst: Mein Job ist krisensicher.“ Denn Schornsteine müssen immer gereinigt werden.

Dabei darf man keine Höhenangst haben. Denn die Schornsteine werden sowohl vom Dach aus als auch von einer Öffnung unten gesäubert. „Das geschieht mit Kehrleine und Stoßbesen und ist immer noch Handarbeit“, sagt Busse. Bei den Kehrarbeiten trägt die junge Frau die klassische schwarze Kluft mit den goldenen Knöpfen. Wenn sie Messungen – beispielsweise die Abgaswerte von Heizungen – vornimmt, ist sie mit dunkler Kleidung mit vielen Taschen unterwegs. Den Zylinder trägt sie nur zu besonderen Anlässen – wie für das Zeitungsfoto.

Wer nur eine Heizung hat, den besucht der Schornsteinfeger im Schnitt einmal im Jahr, wer eine feste Feuerstelle betreibt, die mehr Ruß produziert, zu dem kommt er mehrfach. Ingo Eikenhorst ist mit seiner neuen Mitarbeiterin sehr zufrieden. Er weist darauf hin, dass sein Kollege Dennis Tomann, der aktuell in Elternzeit ist, auch bald wieder mitarbeiten wird. Vanessa Busse wird aber auch dann weitermachen.

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