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Kirsten Wickenkamp aus Bünde besitzt mehr als 20.000 Tütchen und Würfel aus aller Welt

Die Zuckersammlerin

Bünde/Löhne (WB). Bei ihr werden die kleinen weißen Würfel richtig alt: Kirsten Wickenkamp sammelt Zucker. Sie besitzt Verpackungen mit filigranen Verzierungen aus den 1950er und 1960er Jahren. Aber auch modernere Tütchen aus aller Welt gehören zu ihrer Sammlung.

Kathrin Weege

Kirsten Wickenkamp bereitet sich auf den Tauschtag im April vor und sortiert ihren Zucker. Foto: Kathrin Weege

»Die bunten Bildchen auf dem verpackten Würfelzucker, den es in Cafés gab, haben mich schon als Kind fasziniert«, erzählt die 43-jährige Bünderin. Bewusst mit dem Sammeln angefangen habe sie mit elf Jahren. Wickenkamp: »Damals lag ich im Krankenhaus und wurde mehrfach gefragt, was ich mir denn wünsche. Ich sagte: ›Ich sammele Zucker‹.« Und der wurde ihr dann mitgebracht.

Fortan setzte sie sich mit ­Zuckerfirmen in Verbindung und bat darum, ihr die besonderen Würfel zu schicken. Richtig voran ging es, als sie sich einem Zuckersammelverein anschloss. So besitzt Wickenkamp inzwischen weit mehr als 20.000 Würfel und Tütchen. Unter anderem eine ­Wilhelm-Busch-Serie mit den sieben Streichen.

Die Wilhelm-Busch-Serie erzählt die sieben Streiche von Max und Moritz. Auf den Seiten der Würfel steht immer ein Teil der jeweiligen Geschichte. Hat man alle Würfel, kann man die Geschichte komplett lesen. Foto: Kathrin Weege

In den 1980er Jahren erfolgte eine einschneidende Veränderung beim klein-portionierten Zucker: Aus Würfeln wurden Tütchen. Die Tütchen öffnet Kirsten Wickenkamp ganz vorsichtig und entleert sie. Anschließend kommen die kleinen Papierchen in ein Album. »Der Würfelzucker bleibt natürlich im Stück. Bei den ganz alten Exemplaren hätte ich auch Angst, dass mir das Papier beim Öffnen zerfällt«, sagt Wickenkamp.

2014 machte sie »Zucker-Erbschaft«. »Von einem Sammler aus Rheda-Wiedenbrück habe ich ein Auto und einen Anhänger voll Zucker bekommen.« Und damit auch viel Arbeit. Das waren nicht wie sonst 100 Tüten oder Würfel, sondern 100.000. »Ein Zuckertsunami. Für mich hatte ich erstmal grob raussortiert, was auf den ersten Blick interessant erschien, was aber auch noch zu viel war«, sagt Wickenkamp. Einen Teil lagerte sie zunächst bei ihren Eltern.

»Meine Wohnung hätte da nicht ausgereicht. Beim Tauschtag, der im selben Jahr in Rödinghausen stattfand, konnte ich einiges ab­geben«, sagt sie. Die Reste des Zuckererbes sortiert die 43-Jährige immer noch, wenn sie gerade Zeit hat, und wird sie beim Tauschtag im April in Bünde anbieten.

Eine ganze Wasch- und Putzmittel-Serie als Würfelzucker: von Persil bis Wipp. Foto: Kathrin Weege

Im Laufe der Jahre hat die Vielfalt von Zuckerwürfeln und Tütchen abgenommen. »Früher hatten Restaurants und Cafés ihre eigenen Kreationen. Heute hingegen beliefert meist der Kaffeebohnenhersteller seine Kunden mit dem Zucker«, erklärt Wickenkamp. In Bündes letztem Café mit eigenem Print auf dem Zucker war die gebürtige Löhnerin selber zwar nie. Ein Tütchen von »Mein Lieblingsplatz« besitzt sie aber dennoch.

Für ihre Freunde ist das Hobby schon lange nicht mehr kurios. »Die kennen mich ja nicht anders und sammeln sogar mit. Sie ­bringen mir beispielsweise Zucker aus dem Urlaub mit«, erzählt Wickenkamp. Und bei so viel Zucker – wie trinkt man wohl seinen Frühstückskaffee am liebsten? Kirsten Wickenkamp: »Schwarz – bei mir kommt da nichts rein.«

Nicht nur alle möglichen VW-Modelle besitzt die Sammlerin als Zucker, sondern auch Opel. Foto: Kathrin Weege
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