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Seit Beginn der Corona-Pandemie ist das DRK Enger im Dauereinsatz

Ein Jahr im Ausnahmezustand

Enger (WB)

Langeweile kennt Yannic Winter schon lange nicht mehr. „Seit einem Jahr sind wir quasi im Dauereinsatz“, sagt der Leiter des DRK-Ortsvereins Enger.

Christina Bode

Testlauf im Impfzentrum Enger: Kathrin Winter übernimmt dort regelmäßig Dienste, misst zum Beispiel Fieber. Foto: Bernd Bexte

Wo in den meisten Vereinen seit Beginn der Corona-Pandemie das Alltagsleben brach liegt, hat sich für die Ehrenamtlichen des DRK das Leben um 180 Grad gewendet – statt Vereinsabenden und Übungsstunden standen unzählige Einsätze auf der Tagesordnung. „Das vergangene Jahr hat uns gezeigt, wie vielfältig unser Einsatzgebiet tatsächlich ist“, sagt Kathrin Winter vom DRK Enger. Während das Rote Kreuz sonst meistens für Sanitätsdienste gerufen wurde, sind die Aufgabengebiete mittlerweile sehr unterschiedlich. Vieles musste aber auch komplett neu organisiert werden.

Die meisten Einsätze des Ortsvereins hatten im vergangenen Jahr mit der Corona-Pandemie zu tun. Angefangen bei der Organisation der Abstrichstelle in Herford, über Abstrich-Einsätze bei Tönnies-Mitarbeitern und nicht zuletzt die Organisation des Impfzentrums in Enger unterstützte das Rote Kreuz, wo es ging. Über Weihnachten und Silvester übernahmen die Ehrenamtlichen die Testung der Besucher im Engeraner Matthias-Claudius-Haus und seit dem Herbst fahren sie regelmäßig verschiedene Firmen an, um dort Abstrichaktionen durchzuführen. „Die Zusammenarbeit im Kreisverband ist mehr geworden“, sagt Yannic Winter. Auch wenn es oft stressig und belastend sei, herrsche unter den Rotkreuzlern eine familiäre Atmosphäre.

Zu diesem neuen Aufgabengebiet reihten sich im vergangenen Jahr eine Menge weitere Katastropheneinsätze. „Es gab einige Brände, bei denen wir zum Beispiel die Feuerwehrkräfte versorgt oder uns um Verletzte – oder wie zuletzt beim Hochhausbrand in Hiddenhausen, um die Menschen aus dem evakuierten Haus gekümmert haben“, berichtet Winter. Auch bei den Bränden der DRK-Kita Krempoli in Bünde waren die Engeraner zur Stelle und halfen, wo sie konnten.

Zu den heftigsten Tagen habe das Schnee-Chaos gehört, berichtet Winter. „Wir haben Fahrdienste zum Impfzentrum übernommen, Auto- und Lkw-Fahrer versorgt, die stundenlang auf der A30 im Stau standen und bei diversen Firmen feststeckten und das THW versorgt, das bei der Firma FHB in Spenge das Dach stützen musste.

Auch die Blutspende musste neu organisiert werden. „Die Stadt hat uns bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten unterstützt. So konnten wir in die WGE-Aula umziehen“, berichtet Kathrin Winter. Das ganze Prozedere habe sich geändert. „Seit November vergeben wir Termine. Das läuft mittlerweile gut. Der Imbiss vor Ort fällt weg, stattdessen gibt es jetzt Pizza zum Mitnehmen“, erzählt sie.

Im Einbahnstraßen-System werden die Spender durch das Gebäude geschleust, ein Blutspendelotse ist behilflich. „Es gibt viele Kleinigkeiten zu beachten – vom Desinfizieren der Tische bis zur Verteilung von Kugelschreibern“, sagt Kathrin Winter. Trotz allem seien die Blutspendezahlen gestiegen. „Wir sind oft eineinhalb Wochen vor dem Spendetermin ausgebucht“, sagt Kathrin Winter. Dennoch bliebe auch immer Zeit für Spontanspender.

Kreisrotkreuzleiter Sven Kampeter, Kathrin Winter, DRK-Leiter Enger Yannic Winter blicken auf ein sehr ereignisreiches Jahr zurück. Foto: Christina Bode

Im Kleiderladen an der Mathildenstraße, der vom DRK betrieben wird, gelten die gleichen Regeln wie im Mode-Einzelhandel. „Darum mussten wir im vergangenen Jahr leider lange schließen“, sagt Kathrin Winter. Die Mitarbeiter hätten ein gutes Hygienekonzept umgesetzt. „Wir sind für den Frühling vorbereitet und können öffnen, sobald es erlaubt ist“, sagt Winter. Die Helfer würden sehnlichst darauf warten.

Kreisrotkreuzleiter Sven Kampeter sei stolz darauf, dass die Ehrenamtlichen der DRK so gut zur Stange hielten und immer wieder innerhalb kürzester Zeit bereit stünden. Allein aus Enger sind es insgesamt knapp 60 Ehrenamtliche, die in den verschiedenen Bereichen mitarbeiten. „Bei jedem Einsatz schwingt natürlich auch die Angst vor einer Ansteckung mit“, sagt Kampeter und versichert: „Die Gesundheit unserer Ehrenamtlichen hat immer oberste Priorität!“ Darauf könnten sich auch die Arbeitgeber verlassen, die ihre Mitarbeiter für die Einsätze entbehren müssen.

Yannic Winter wirbt dafür, dass alle, die Lust haben, beim DRK mitzuarbeiten und mindestens 16 Jahre alt sind, jederzeit dazustoßen dürften. Interessierte können sich bei ihm melden unter y.winter@drk-enger.de oder unter 01515/1252127.

Kommentar von Christina Bode

Hut ab vor so viel Engagement! Neben den Belastungen, die die Corona-Pandemie privat und beruflich mit sich bringt, sind die DRK-Ehrenamtlichen unermüdlich im Einsatz, um an vorderster Front zu helfen und sich für andere einzusetzen. Dabei sind sie immer im direkten Kontakt zu anderen Menschen – oft sind es sogar Corona-Infizierte. Auch wenn sie sämtliche Schutzmaßnahmen treffen, setzen sie ihre Gesundheit aufs Spiel. Ein großes Dankeschön auch an die Arbeitgeber, die das in Kauf nehmen und ihre Mitarbeiter immer wieder freistellen. Es bleibt zu hoffen, dass Corona bald vorbei ist und wieder etwas Normalität einkehrt.

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