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Neuer Film für das Widukind-Museum vorgestellt: auf den Spuren von „Engers verlorenem Schatz“

Eine Bilderreise in ferne Zeiten

Enger

Nachdem 2020 der Schatz-Raum des Widukind-Museums neu gestaltet worden war, ist dort nun auch ein neuer Film zu sehen. Er erzählt auf leicht verständliche und reich bebilderte Art die Geschichte des Dionysius-Schatzes. Zwei Originale daraus sind gleich daneben zu sehen: die Luna-Fibel und der Schwertknopf aus dem 8. Jahrhundert, die 1971 bei Ausgrabungen in der Stiftskirche gefunden wurden.

Von Ruth Matthes

Bürgermeister Thomas Meyer und Museumsleiterin Regine Krull stellen den neuen Widukind-Film „Engers verlorener Schatz“ vor. Foto: Ruth Matthes

„Glücklicherweise konnten wir gleich zweimal Bundesmittel aus dem Fonds ‚Soforthilfe für Heimatmuseen‘ bekommen“, blickt Bürgermeister Thomas Meyer zurück. „Neben der Umgestaltung zweier Räume übernahmen die Berliner auch 75 Prozent der Kosten des gut 20.000 Euro teuren Films“, erklärt Museumsleiterin Regine Krull. Weitere 25 Prozent kamen von der Heckewerth-Stiftung.

„Bislang konnten wir nur einen selbst zusammengestrickten Film zeigen, den wir 2013 für die Ausstellung mit Originalexponaten des Schatzes aus dem Kunstgewerbemuseum in Berlin erstellt hatten – kein Vergleich zu dem professionellen Dokumentarfilm von Anne Roer­kohl, den wir jetzt präsentieren können“, sagt Krull. Auf ihrer fachlich versierten Kurzfassung der langen Historie des Kirchenschatzes basiert der Film. Er ist als kurzweilige Ergänzung zu den Exponaten des Raumes gedacht und stellt sie in ihren spannenden historischen Zusammenhang.

Diese Lunafibel aus karolingischer Zeit ist Teil des Dionysiusschatzes und im Widukind-Museum Enger zu sehen. Foto: Harald Wurm/ Widukind-Musuem Enger

Der neue Film verwendet Aufnahmen von Original-Stücken aus Berlin, aus der Stiftskirche Enger und der Johanniskirche Herford, in der der Dionysius-Schatz, der nach dem Schutzpatron der Stiftskirche benannt wurde, auch zeitweilig aufbewahrt wurde. „1414 waren die Stiftsherren wegen der unruhigen Zeiten nach Herford umgezogen. Nach der Säkularisation kam der Schatz in den Besitz des preußischen Staates, Ende des 19. Jahrhunderts ins Kunstgewerbemuseum Berlin“, fasst Krull zusammen. „Er gilt als einer der bedeutendsten und außergewöhnlichsten mittelalterlichen Kirchenschätze Westfalens.“

Der Film führt zurück zum Ursprung des Dionysius-Schatzes im späten 8. Jahrhundert. Damals will der fränkische König Karl die heidnischen Sachsen zum Christentum bekehren und missioniert sie mit dem Schwert. Sachsenherzog Widukind ergibt sich schließlich und lässt sich 785 taufen. Karl wird sein Taufpate und soll ihm reiche Geschenke gemacht haben. So galten die noch heute erhaltenen frühen Stücke aus der Karolingerzeit, wie das berühmte Bursenreliquiar, zwei Buchschließen und die erst später entstandene Taufschale als Geschenke von Karl dem Großen zur Taufe seines ehemaligen Widersacher Widukind.

Der Film erklärt, wie der Sachsenherzog „als Förderer des christlichen Glaubens und Gründer vieler Kirchen“ verklärt wurde. Auch die erste Kirche in Enger soll er gestiftet und mit Reliquien und weiterer religiöser Ausstattung beschenkt haben. 940 gründete seine Nachfahrin Mathilde in Enger ein Stift. Ihr Sohn Otto und seine Nachfahren beschenkten es weiterhin reich. Der Kirchenschatz wuchs. Enger wurde zum Ziel vieler Pilger. Im 12. Jahrhunderte führte ein Inventar mehr als 100 Stücke auf. Was aus dem Schatz im Laufe der weiteren Jahrhunderte wurde, erzählt der Film in kurzweiligen 14 Minuten.

Das Video ist auch auf Youtube zu finden. „Wir hoffen, damit weitere historisch interessierte Menschen in unser Museum zu holen und Enger und sein Thema bekannter zu machen“, so Krull.

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