Plötzlich erhält die Bonsaischule Enger unerwarteten Besuch von tierischen Nachbarn

Eine Familie ist auf den Pfau gekommen

Enger (WB)

Wenn Pfauen plötzlich die Bonsaischule besuchen, dann stimmt wohl etwas nicht. „Vanille“ und „Farbe“, die beiden außergewöhnlichen Hofmitbewohner der Familie Krist aus Besenkamp, waren vor ein paar Tagen plötzlich verschwunden.

Kathrin Weege

Die Pfauen sind auf dem Hof und beim Nachbarn unterwegs. Foto:

„Eigentlich sind die Zwei immer in der Nähe des Hauses, statten maximal den Nachbarn mal einen Besuch ab“, sagt Sascha Krist, der die einjährigen Pfauen als Jungtiere bekommen hat.

Er habe Abends einen lauten Schrei der Pfauen gehört, sich aber nichts weiter dabei gedacht. Am Morgen fehlte jede Spur von ihnen. „Ich denke, irgendetwas hat sie sehr erschreckt.“ Der 40-Jährige, der mit seiner Familie seit zwei Jahren einen alten Bauernhof saniert, setzt sich kurzerhand aufs Rad und suchte nach „Vanille“ und „Farbe“. „Haben Sie meine Pfauen gesehen?“, fragte er die Passanten. „Frauen? Die sind da drüben“, war die Antwort. Krist musste schmunzeln, bekam aber bei den nächsten Leuten den passenden Tipp. Die Tiere waren bis zur Bonsaischule gelaufen oder geflogen. Krist: „Dort waren die Betreiber sogar traurig, die Zwei wieder hergeben zu müssen.“ Inzwischen war er mit seinem Bulli unterwegs, packte „Vanille“ und „Farbe“ unter den Arm, bugsierte sie in den Bulli und ab ging‘s nach Hause.

Seither sind sie wieder scheuer. Bis zu dem Ausflug hatten sie sich sogar aus der Hand füttern lassen.

Doch wie ist die Familie eigentlich auf den Pfau gekommen? „Das war ein absoluter Zufall“, erinnert sich Sascha Krist. Freunde aus Westhoyel hatte unerwartet tierischen Nachwuchs. „Da wir den Hof hier haben, fragten sie, ob wir die zwei Tiere nicht nehmen wollen“, erzählt Krist, der in Schloß Holte-Stukenbrock und Lage die Tätowierläden „Open Mind Tattoo“ betreibt.

Schnell war ein Stall gebaut, die ersten fünf Wochen blieben die Tiere darin. Seither machen die XXL-Vögel immer im Doppelpack den Hof unsicher. „Meine Kinder Tao und Paikea und auch meine Frau Daniela sind alle große Pfauenfans geworden“, sagt Krist, der bisher mit seiner Familie in Bielefeld gewohnt hat.

Die Tiere bekommen Geflügelfutter, lieben aber auch Erdnüsse, Mehlwürmer und Melonen. Wenn sie ein Rad schlagen, dann ist es noch recht mickerig. „Die langen Schwanzfedern sind erst mit dreieinhalb Jahren ganz ausgewachsen. Bis dahin ist für uns auch nicht klar, ob es sich um Männchen oder Weibchen handelt“, erklärt Krist. Nur der üppige Schwanz zeige, dass es ein Männchen sei. Daher haben die Kinder den Pfauen erst einmal mit „Vanille“ und „Farbe“ sehr neutrale Namen gegeben.

Schon oft hätten Leute vor dem Hoftor angehalten und sich die Pfauen und die Baustelle angesehen. Schließlich war der Hof bis vor zwei Jahren noch ziemlich verfallen. Inzwischen hat sich einiges getan. Gerade in der Coronazeit, in der Sascha Krist als Tätowierer nicht arbeiten durfte, hat er – „Ich bin handwerklich recht geschickt“ – einiges geschafft.

Für die Bonsaischule könnte es gute Nachrichten geben. Denn die Züchter von „Vanille“ und „Farbe“ erwarten wieder Nachwuchs. „Auf den großen Flächen in der Bonsaischule hätten die Vögel sicher ein tolles Leben“, meint Sascha Krist.

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