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„Drei Kronen“: Cassings geben Betrieb auf – Immobilienbesitzer Meinhard Mattwich will weitermachen

Eine Familien-Ära endet nach 100 Jahren

Enger (WB). Seit 100 Jahren und vier Generationen ist die Gaststätte „Drei Kronen“ in der Hand der Familie Cassing. Jetzt gibt Geschäftsführerin Anke Cassing den Familienbetrieb auf.

Daniela Dembert

Frisch gezapftes Herforder, so wie es Anke Cassing über die Theke schiebt, möchte Meinhard Mattwich auch künftig in der Gaststätte „Drei Kronen“ servieren. Foto: Daniela Dembert

Verkauft hat die Familie die Immobilie schon vor drei Jahren an den Engeraner Automatenaufsteller Meinhard Mattwich und seine Ehefrau Ingrid, die ab dem 1. Februar die Traditionsgaststätte in Eigenregie führen werden, so sich kein neuer Pächter findet.

Pächter gesucht

„Wir hatten schon mehrere Gespräche mit potenziellen Pächtern, die Vorstellungen passten aber bisher nicht überein“, berichtet der 63-Jährige. Grundsätzlich wolle man den Betrieb als „Kneipe nebenan“ und als Domizil für die vielen Vereine – allein 35 Kegelclubs gastieren jeden Monat bei Cassing – fortsetzen. „Wir möchten den Charakter einer gutbürgerlichen deutschen Gaststätte erhalten, aber den Gastraum attraktiver gestalten und damit auch neues, jüngeres Publikum anziehen“, erklärt Mattwich.

Vorhaben ist, den Thekenbereich offener, heller und großzügiger zu gestalten. „Vielleicht mit ein paar Stehtischen ausgestattet“, überlegt der Immobilienbesitzer. Das halte er für kommunikativer als die derzeitigen, den Tischen abgewandten Plätze an der Bar. Auch die Gardinen sollen weichen und einen einladenden Blick ins Innere freigeben.

Betrieb geht weiter

Sollte sich kein Nachfolger finden, wollen die Mattwichs das Lokal in Eigenkonzession mit Angestellten betreiben. In diesem Fall liefe der Betrieb mit einer reduzierten Küche und kneipentypischen Speisen wie Schnitzel mit Pommes, Frikadellen und Kartoffelsalat weiter.

Zu den geplanten Umbaumaßnahmen gehört auch, die Gaststätte durch den Anbau einer Außentreppe autark von den beiden Wohnungen im Obergeschoss zu machen, die separat verpachtet werden.

Während der geschätzt sechswöchigen Renovierungsphase ab Anfang Februar wird die Gaststätte weiterhin geöffnet haben, gibt Mattwich Entwarnung. „Der Ausschank findet dann an der Theke im Saal statt.“

Letzter Tag am 27. Januar

Anke Cassing und Ehemann Udo Menke werden am 27. Januar „ihren Letzten“ haben. Ab 16 Uhr sind Stammgäste zu einem kleinen Dankeschön ins „Drei Kronen“ eingeladen. „Tränen werden sicher fließen. Ich bin eigentlich mein ganzes Leben lang hier gewesen“, sagt Anke Cassing über den nahenden Abschied. Die Entscheidung stehe jedoch fest und das liege, betont die 52-Jährige, nicht an schlechtem Umsatz: „Nach 25 Jahren Selbstständigkeit bin ich jetzt einfach fertig“, sagt die Engeranerin. Vor allem die Wochenenden seien unheimlich anstrengend und kaum mit Schlaf gesegnet.

Einen Neuanfang will sie in einer Anstellung als Köchin in Streibergers Restaurant in Bad Salzuflen wagen. Eine neue Wohnung in Enger haben sie und ihr Mann schon gefunden. „So bleibt man vor Ort und in Kontakt.“ Genau das wünscht sie sich, denn „ich habe immer hier gewohnt und kenne so viele Gäste persönlich“, erzählt Anke Cassing. „Man ist auch Seelsorger und manchmal sogar Taxifahrer für die Gäste.“

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