Ausbildung nur bedingt möglich – für Bus- und Lkw-Scheine sind in Enger/Spenge noch Kapazitäten frei

Flaute in der Fahrschule

Enger/Spenge (WB)

Wer jetzt den Führerschein machen will, muss sich gedulden. Die Fahrschulen dürfen keine Anfänger annehmen, zumindest keine, die den Pkw-Führerschein machen wollen.

Daniela Dembert

Christian Niederschierp (Mitte) und seine Fahrlehrer Bernd Wilke und Carmen Knost stehen schon in den Startlöchern, dürfen aber nur bedingt ausbilden: Nämlich Berufskraftfahrer und Schüler, die zu Beginn des Lockdowns ihre praktische Ausbildung bereits zur Hälfte absolviert hatten. Foto: Daniela Dembert

Viele junge Menschen plagt derzeit nicht nur die Langeweile, sondern auch der Frust. Nicht genug, dass Freizeitaktivitäten wie Kino und Sportverein derzeit auf Eis liegen, auch das Lernen ist eingeschränkt – sogar der Fahrschulunterricht. Dabei hätten sie doch gerade jetzt Zeit und Muße, sich darauf zu konzentrieren.

Derzeit dürfen Fahrschulen nur Berufskraftfahrer ausbilden und Schüler, die mit Beginn des Lockdowns ihre praktische Ausbildung schon zur Hälfte absolviert hatten. Der theoretische Unterricht darf nur online stattfinden. „Wird allerdings so gut wie gar nicht nachgefragt“, sagt Fahrschulinhaber Christian Niederschierp.

Vom Online-Unterricht für Neueinsteiger ist Berufskollege Henrik Kronsbein nicht begeistert: „Es fehlt der unmittelbare Kontakt. Man sieht nicht an der Mimik, ob der Schüler aufmerksam ist und ob er die Inhalte verstanden hat.“

Aber auch mit Online-Coaching kämen Schüler nicht weit, denn die notwendigen Erste-Hilfe-Kurse finden derzeit nicht statt und neue Führerscheinanträge werden nicht bearbeitet. Niederschierp rät jungen Menschen, sich an einer Fahrschule anzumelden und sich mit dem ausgehändigten Lehrmaterial in Ruhe zuhause auf den Präsenzunterricht vorzubereiten. „Das wird auch von vielen angenommen.“

In der Fahrpraxis gilt: das Tragen von FFP2-Masken ist für Lehrer und Schüler Pflicht, nach jedem Durchgang muss der Innenraum desinfiziert und der Wagen gut gelüftet werden. Wie für viele andere Branchen ist das keine einfache Situation. Kronsbein: „Unsere Kapazitäten sind nicht ausgelastet, für die Fahrlehrer ist das durchgehende Tragen der FFP2-Masken anstrengend und wir haben erhöhte Kosten durch Desinfektionsmittel, Reinigungstücher und Masken.“

Nach wie vor erlaubt ist die Ausbildung von Berufskraftfahrern. Diese kann jederzeit begonnen werden. Theorieunterricht ist unter Einhaltung der Regeln als Präsenzveranstaltung möglich. Aber selbst in diesem Bereich herrscht Flaute. „Wir kooperieren mit dem Arbeitsamt, dass Menschen, die auf Kraftfahrer umschulen wollen, an uns vermittelt werden, aber das passiert so gut wie gar nicht“, berichtet Niederschierp, „obwohl Kraftfahrer eigentlich immer gebraucht werden“.

Ob Bus- oder Lkw-Ausbildung: derzeit haben Fahrschulen Kapazitäten frei. „Allerdings ist der Lkw-Führerschein eine Investition, die eigentlich kaum jemand aus eigener Tasche stemmt. Die meisten suchen den Weg über das Arbeitsamt und da scheint die Vermittlungssituation für die Sachbearbeiter im Homeoffice schwierig zu sein“, mutmaßt der Fahrlehrer. Anfragen von Speditionen, die Fahrer ausbilden lassen wollen, kämen gelegentlich schon. „Die wissen ja, dass wir unter Auflagen weitermachen dürfen.“

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