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Landwirt Jochen Höner freut sich über feuchte Felder in Enger – Sorge um frühes Wachstum des Getreides

„Für die Pflanzen ist jetzt Frühling“

Enger (WB)

Extreme Temperaturschwankungen in kürzester Zeit, Schnee, Frost und Pfützen auf den Felder: Die heimischen Landwirte beobachten das aktuelle Wetter mit Freude und mit Sorge.

Ruth Matthes

Landwirt Jochen Höner freut sich über die Feuchtigkeit für die Ackerpflanzen, aber er sorgt sich um das Getreide, das zu früh zu wachsen beginnt. Foto: Ruth Matthes

„Der Schnee war Gold wert“, sagt Jochen Höner. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Enger-Spenge spielt damit auf die Schutzwirkung gegen den Frost an. „Dadurch, dass es zuerst geschneit und dann gefroren hat, ist der Boden unter dem Schnee weich gewesen, so dass der Schnee beim Tauen gut nach unten ablaufen konnte“, erklärt der Ackerbauer. „Wäre der Boden gefroren gewesen, wäre das Wasser oberflächlich abgeflossen und hätte für das Grundwasser und die Pflanzen nichts gebracht.

Der Grundwasserspiegel bereitet den Landwirten nämlich immer noch Sorgen. „Dem Dürre-Monitor des Helmholtz-Institutes zufolge, herrscht in 1,80 Meter Tiefe immer noch Dürre“, so Höner. „Nach den extrem trockenen Jahren von 2018 bis 2020 brauchen wir eben auch längere feuchte Phasen, um das Grundwasser wieder aufzufüllen.“ Entsprechend erfreut ist er über die feuchten Wiesen und den See, der sich im Werfer Bruch gebildet hat. „Das ist ein gutes Zeichen. In den vergangenen Wintern hat dort kein Wasser gestanden, obwohl das für derartige feuchte Niederungsgebiete im Februar eigentlich normal sein sollte.“

Für ihn als Ackerbauern war es von Vorteil, dass die Pflanzen durch Schnee vor Frost geschützt waren. Bedenklich sei jedoch der starke Temperaturanstieg: „Vor einer Woche noch 20 Grad minus und jetzt fast 20 Grad plus. Da denken die Getreidepflanzen, der Frühling wäre nahe, beenden die Frostruhe und beginnen intensiv zu wachsen“, erklärt er. Die Winterhärte nehme ab. „Kommt dann wieder Frost, besteht die Gefahr, dass die Pflanzen erfrieren“, erläutert der Fachmann. Dabei sei Frost grundsätzlich wichtig, da er Pilzkrankheiten unterdrücke.

Die Wetterextreme sind für ihn eindeutig eine Folge des Klimawandels. Doch wie kann man dem Wandel als Landwirt begegnen? Neue Pflanzen wären eine Lösung. Sie müssten sowohl Temperaturschwankungen als auch Trockenheit aushalten können.

„Ich informiere mich immer über die Sortenversuche der Landwirtschaftskammer und wähle die Getreideart, die mit dem aktuellen Klima am besten zurecht kommt“, sagt Jochen Höner. In Lippe gebe es erste Experimente mit Sojabohnen. „Doch in Enger und Spenge kommen wir derzeit noch ohne andere Früchte zurecht.“

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