1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Enger
  6. >
  7. Gros der Eltern lässt Kinder zu Hause

  8. >

Eingeschränkter Betrieb: In den meisten Kitas in Enger und Spenge liegt Betreuungsquote zwischen 30 und 40 Prozent

Gros der Eltern lässt Kinder zu Hause

Enger/Spenge (WB)

Während die Schulen geschlossen sind und nur noch eine Notbetreuung anbieten, sind die Kindertagesstätten trotz Lockdowns geöffnet – wenn auch in eingeschränkter Form. Wenn möglich, sollen Eltern ihre Kinder bis Ende des Monats selbst betreuen. Doch wie viele können diesem Appell von Minister Joachim Stamp nachkommen? In Enger und Spenge schwankt die Zahl je nach Einrichtung und Träger zwischen knapp 30 und mehr als 50 Prozent.

Ruth Matthes

Wie hier in der evangelischen Kita in Ahle sind die Garderoben der Kindertagesstätten in Enger und Spenge fast leer. Die meisten Kitas betreuen derzeit nur ein Drittel der Kinder. Foto:

„Unsere beiden Kindertagesstätten sind vergleichsweise gut besucht“, konstatiert Dirk Peitzmeier, Fachberater des DRK Herford-Land. „Ins Traumland Enger sind in dieser Woche mehr als 50 Prozent der Kinder gekommen, ins Spenger Sonnenland etwas weniger als die Hälfte.“ Ein Umstand, den er angesichts der hohen Infektionszahlen mit Blick auf die Infektionsgefahr von Kindern und Personal kritisch sieht. „Ich weiß, dass es für viele Eltern nicht leicht ist, Arbeit und Betreuung zu verbinden, aber andererseits sollte man auch das Virus nicht unterschätzen: Wir hatten auch schon Kinder, die positiv auf Corona getestet wurden.“

Bedauerlich sei auch, dass das Land – anders als im Frühjahr – nur an die Eltern appelliere und keine klareren Vorgaben mache, wer seine Kinder bringen dürfe und wer nicht. „Die Diskussionen mit den Eltern haben nun die Kolleginnen und Kollegen in den Kitas.“

Große Unterschiede gibt es bei den AWO-Kitas in Enger und Spenge: „In Dreyen sind zirka 70 Prozent der Kinder in die Kita gekommen, in Spenge 30 Prozent“, erklärt Christina Schulte, Pressesprecherin der AWO OWL. „Einen Grund für die hohe Zahl in Dreyen sieht die Kita-Leitung darin, dass einige Eltern im Gesundheitswesen tätig seien und andere im Bereich von Erziehung und Bildung.“ Möglicherweise könne auch eine Rolle spielen, dass die Kita bisher keinerlei Berührung mit Covid-19 hatte.

„Ob die Zahl in Spenge so niedrig bleibt, hängt sicherlich davon ab, wie die zusätzlichen Kinderkrankentage angenommen werden, die der Gesetzgeber Eltern gewähren will, die für die Betreuung zu Hause bleiben“, sagt sie.

Wie am Dienstag im Kabinett beschlossen, sollen gesetzlich krankenversicherte Elternteile je zehn zusätzliche, Alleinerziehende 20 Kinderkrankentage erhalten, die sie auch nehmen können, wenn ein Kind wegen einer Schul- oder Kitaschließung oder einer Einschränkung der Betreuung zu Hause betreut werden soll oder muss. Es reicht eine Bescheinigung der Kita oder der Schule.

„Ich hoffe, dass die neue Regelung reibungslos umgesetzt wird“, sagt Birgit Schulz, Fachberatung für die evangelischen Kitas im Kirchenkreis Herford. Anderenfalls sei zu befürchten, dass in der nächsten Woche wieder mehr Familien ihre Kinder in die Kitas bringen.

Die Inanspruchnahme der Betreuung liegt in den sieben evangelischen Einrichtungen in Enger im Durchschnitt bei 37 Prozent, in den drei Spenger Einrichtungen bei 30 Prozent.

Wie vom Land vorgegeben, werden die Betreuungszeiten um zehn Stunden reduziert, das heißt statt 45, 35 oder 25 Stunden dürfen die Kinder nun 35, 25 oder 25 Stunden in die Kita. „Diesbezüglich sind mir keine größeren Probleme zurückgemeldet worden“, so Schulz. Was die Vorschriften zur Gruppentrennung und Hygiene angeht, so sei dies keine wirkliche Neuerung: „Hygienevorschriften, Abstandsregeln, Lüften, Gruppentrennung und möglichst wenig Anwesenheit von Erwachsenen in der Einrichtung halten wir schon von Beginn an ein.“

Dies bestätigt auch Vera Kuhlhoff, Leiterin der städtischen Kita Lenzinghausen. Sie und ihre Kolleginnen betreuen derzeit nur ein Drittel der 75 Kinder. Dass diese stark unter der Pandemie litten, glaubt sie nicht: „In sozialen Brennpunkten ist das sicher anders, aber in Lenzinghausen können die Kinder nach draußen und im Garten spielen“, meint Kuhlhoff.

„Natürlich vermissen sie ihre Spielkameraden, und manche Eltern würden sie deshalb gerne trotz Corona zu uns schicken, doch wir haben nun einmal eine Pandemie und da man muss man die Vernunft walten lassen.“

Startseite