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Landwirte und Jägerschaft sorgen mit Futterspenden dafür, dass Wildtiere in Lenzinghausen durch den Winter kommen

Hilfe für Fasan, Reh und Rebhuhn

Spenge (WB)

Eiskalte Nächte und eine dicke, geschlossene Schneedecke: Für Wildtiere ist es eine entbehrungsreiche Zeit. Damit sie besser durch den Winter kommen, helfen in Lenzinghausen Landwirte und die Jägerschaft mit Futterspenden.

Daniela Dembert

15 Futterspender der „Marke Eigenbau“ hat die Jägerschaft in Lenzinghausen verteilt. Die Idee von Achim Dingerdissen hilft Fasanen, Rebhühnern und Singvögeln durch den Winter. Foto: Daniela Dembert

Der Schnee knirscht bei jedem Schritt, einige trockene Distelstengel knacken unter der mit Zuckerrüben gefüllten Kunststoffkiste, die Achim Dingerdissen wie einen Schlitten hinter sich herzieht. Das schreckt Fasane auf, die in einem imposanten Schwarm aus fast 20 Tieren aus einem kleinen Maisfeld auffliegen.

1000 Quadratmeter Mais hat der Landwirt in der vergangenen Saison als ganzjährige Futterspende und Lebensraum für Wildtiere angepflanzt. Angenommen wird dieses Angebot nicht nur von Fasanen. Auch Hasen, Mäuse und Rehe haben hier zahlreiche Spuren im Schnee hinterlassen.

Gemeinsam mit anderen Jägern des Reviers Lenzinghausen ergreift Dingerdissen noch weitere Maßnahmen, um Wildtiere zu unterstützen. „Die haben es momentan auch schwer“, erklärt der Vorsitzende des Spenger Hegerings, „denn das ungewohnte Schneeaufkommen zehrt an ihren Kräften. Bewegung in hohem Schnee erfordert viel Energie. Magern Tiere zu stark ab, sind sie anfälliger für Krankheiten.“

1000 Quadratmeter Mais hat Landwirt Achim Dingerdissen als ganzjährige Futterspende stehen gelassen. Foto: Daniela Dembert

Hinzu komme, dass im Winter bei abgeernteten Feldern und kahlen Büschen die Deckungsmöglichkeiten gering seien; die Tiere sitzen auf dem Präsentierteller, ein potenzieller Stressfaktor. Zudem fühlten Menschen sich zunehmend eingeladen, den Winter in vollen Zügen zu genießen, indem sie Wege verlassen und durch Feld und Wald wandern.

„Als Jäger haben wir auch eine Verpflichtung für das Wohlbefinden der Tiere zu sorgen“, sagt Dingerdissen. „Wir füttern fast ganzjährig, damit sie verinnerlichen, wo etwas zu finden ist.“ Bis in das späte Frühjahr hinein sorgt der Hegering für zusätzliches Futter, so dass Rebhühner und Fasanenweibchen wohlgenährt in die Brut gehen können.

In der Umgebung seines Hofes verteilt Dingerdissen Zuckerrüben aus einem Vorrat, den er für das Revier Lenzinghausen einlagert. Die werden von Rehen und Hasen gern gefressen. Zusätzlich hat er an einer geschützten Stelle einen Futterspender „Marke Eigenbau“, den er regelmäßig mit Weizen füllt. Insgesamt 15 dieser Spender hat die Jägerschaft in Lenzinghausen verteilt. Der ist für Fasane, Rebhühner und auch für Singvögel interessant.

Zuckerrüben werden in der Winterzeit unter anderem von Hasen und Rehen gerne gefressen. Foto: Daniela Dembert

Hilfreich sei zudem, Schneisen in den Schnee zu schlagen, um den Tieren ihre Wege zu erleichtern. Freigelegte Stellen förderten Gras zutage und ermöglichten Greifvögeln die Jagd auf Mäuse, „denn die bewegen sich ungesehen in Gängen unter der Schneedecke und sind für die Vögel nicht greifbar.“

Da Bussarde sich auch von Aas ernähren, können diese Tiere auch auf andere Art unterstützt werden: „Ich habe einen Hasen gefunden, der vermutlich beim Zusammenstoß mit einem Auto sein Leben gelassen hat, und ihn aufs Feld gelegt. Kurze Zeit später erfreute diese Gabe zwei hungrige Bussarde“ berichtet Achim Dingerdissen.

Der Winter sei für alle Tiere eine Herausforderung. So übrigens auch für Singvögel und Insekten. Blühstreifen und Brachflächen können wertvolle Nahrungsquellen und Winterquartiere sein, betont der Landwirt. „Sofern man sie im Herbst nicht abmäht. Dann freuen sich Singvögel über die Pflanzensamen und Insekten finden in den trockenen und hohlen Stengeln Plätze zum überwintern.“

Im Sommer eine blühende Wiese, im Winter reich an Samen – wenn die abgestorbenen Pflanzenreste nicht abgemäht werden. Foto: Daniela Dembert
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