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Dr. Julia Letsch verstärkt Hausarztpraxis am Kirchplatz in Enger

„Ich möchte die Menschen begleiten“

Enger/Bünde (WB). Das Dreierteam der Hausarztpraxis am Kirchplatz in Enger ist wieder komplett. Neben Isabel Miksch, die Anfang des Jahres dazu stieß, ist nun mit Dr. Julia Letsch eine weitere angestellte Ärztin bei Dr. Christoph Becker eingestiegen.

Ruth Matthes

Das Dreier-Team in der Hausarztpraxis Am Kirchplatz in Enger ist wieder komplett: Zu Isabel Miksch (hinten links) und Dr. Christoph Becker ist Dr. Julia Letsch (vorne) hinzugestoßen. Derzeit werden sie unterstützt von Famulantin Nadine Köhler. Foto: Ruth Matthes

Die 43-Jährige kennt ihre beiden Kollegen bereits aus der Zusammenarbeit im Lukas-Krankenhaus in Bünde, wo sie zehn Jahre tätig war, bevor sie am 17. August in die Engeraner Praxis wechselte. Geboren wurde die Mutter dreier Kinder im Alter von elf, acht und vier Jahren in Hamburg.

Sie wuchs in Winsen (Luhe) auf und studierte in Hannover an der Medizinischen Hochschule. „Dort lernte ich auch meinen Mann kennen, der aus Bünde stammt“, erzählt Letsch. 2006 zog sie nach Bünde, wo ihr Mann als Landschaftsarchitekt tätig ist.

Lukas-Krankenhaus

„Nach dem Studium war ich zunächst für ein Jahr in Bad Oeynhausen in der Labormedizin tätig, danach habe ich anderthalb Jahre in der Abteilung für Innere Medizin und Kardiologie am Klinikum Herford gearbeitet“, blickt sie zurück. Nachdem sie ihr erstes Kind bekommen hatte, erhielt Dr. Julia Letsch eine Anstellung am Lukas-Krankenhaus Bünde. Dort war auch ihre Schwiegermutter lange als Pflegedirektorin tätig.

Seit März ist die Bünderin Fachärztin für Innere Medizin und Hausärztliche Versorgung. „Nach zehn Jahren im Krankenhaus wollte ich mich neu orientieren“, begründet sie ihren Wechsel in die Praxis von Dr. Christoph Becker. „In einer Hausarztpraxis kann man die Patienten viel länger begleiten, die Beziehung ist eine wesentlich persönlichere“, erklärt sie. Außerdem sei die Arbeit vielfältiger, da die Bandbreite der Krankheiten, mit denen die Menschen zu ihr kommen, weit größer sei als in der Klinik.

Alte Bekannte

„Am Kirchplatz bin ich von Kollegen und Patienten sehr freundlich begrüßt worden“, freut sich die 43-Jährige. Die Tatsache, dass sie am Lukas-Krankenhaus bereits fünf Jahre mit Dr. Becker (41) zusammen gearbeitet hat und mit Isabel Miksch (49) sogar die gesamten zehn Jahre, erleichtere den Neuanfang außerdem.

Mit dem Einstieg von Dr. Julia Letsch in die Praxis stehen nun wieder drei Ärzte für die Betreuung der Patienten zur Verfügung. Nachdem Dr. Rüdiger Hufendiek-Grote und Mechthild Schunk im Frühjahr in den Ruhestand gegangen waren, hatten Miksch und Becker ein Quartal lang zu zweit die Stellung halten müssen, bevor die neue Kollegin zu ihnen stoßen konnte.

Kein Aufnahmestopp

Angesichts der Tatsache, dass der Kreis Herford zu den weniger gut mit Hausärzten ausgestatteten Gebieten gehört, haben die Drei auch Patienten aus Spenge, Bünde und Herford. „Hausbesuche können wir allerdings nur in Enger anbieten“, erklärt Dr. Becker. Dabei besuchen die Ärzte Patienten in Seniorenheimen und daheim, die nicht mehr mobil sind. Eine gute Nachricht für alle, die noch auf der Suche nach einem Hausarzt sind: „Einen Aufnahmestopp haben wir nicht“, sagt Dr. Becker.

Dr. Letsch ist mit 25 Sprechstunden die Woche dabei. Die freie Zeit, die ihr dann mit drei Kindern noch bleibt, verbringt sie am liebsten mit Joggen, Wandern, Radfahren und Lesen.

Kommentar

Einen Hausarzt zu finden, ist im Kreis Herford eine echte Herausforderung. Angesichts des Hausärztemangels fehlt es an Nachfolgern, die Praxen übernehmen wollen. Schließungen sind die Folge. Dass es trotzdem möglich ist, eine junge Kollegin für den Beruf der Allgemeinmedizinerin zu begeistern, haben Dr. Christoph Becker und Isabel Miksch bewiesen. Sie haben alte Kontakte gepflegt und können nun zu dritt ihren Berufsalltag meistern. Ein Praxisteam bietet viele Vorteile. Es kann Urlaube und Dienste flexibel handhaben, Anschaffungen gemeinsam tätigen und Familie und Beruf besser unter einen Hut bringen. Die Zeiten der einsamen Wölfe unter den Hausärzte sind gezählt. Es gibt Mediziner, die den Klinikalltag hinter sich lassen und Patienten länger begleiten wollen. Doch die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Ruth Matthes

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