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Engeraner Literatur-Projekt „Ukraine – Ansichtssachen“ wegen Corona als YouTube-Veranstaltung – mehr als 100 Klicks

„Im Wolfspelz“: bedrückend und intensiv

Enger (WB)

Weil eine Lesung als Präsenzveranstaltung nicht möglich war, haben Michael Hellwig, Petra Bobbenkamp und Thorsten Böckmann als Initiatoren des Literatur-Projekts „Ukraine – Ansichtssachen“ am Freitagabend kurzerhand ein 50-minütiges Video auf der Plattform YouTube veröffentlicht, das aus Lesebeiträgen beteiligter Autoren zusammengeschnitten ist.

Daniela Dembert

Petra Bobbenkamp, Thorsten Böckmann und Michael Hellwig präsentieren das Buch „Ukraine – Ansichtssachen“, das die Bilder von Thorsten Böckmann sowie etwa 100 dazu entstandene Texte umfasst. Foto: Daniela Dembert

Die Schreibwerkstatt, die im Rahmen des Literaturfestivals „europa:westfalen“ stattgefunden hat, nimmt Bezug auf die im Gerberei-Museum ausgestellten Bilder Böckmanns.

Während Petra Bobbenkamp mit den Werken ihres Ehemannes auch eigene Erinnerungen und Eindrücke aus der Ukraine verbindet, begegnen einige der Autoren den visuellen Impressionen auch fernab der eigentlichen thematischen Anbindung.

Böckmann selbst ist es, der mit Bezug auf den anhaltenden Konflikt zwischen der Ukraine und Russland literarisch die Frage nach der Verbindung zwischen Unabhängigkeit und Freiheit stellt: „Bin ich frei, wenn ich unabhängig bin?“

Bedrückend und intensiv ist der Text „Im Wolfspelz“ von Laurin-David Weggen, einem der jüngsten Autoren. Es handelt sich um eine düstere Fiktion, angelehnt an Werwolfgeschichten und das apokalyptische Bild eines Unheil bringenden, undurchsichtigen Nebels.

In „Drei Tage“ thematisiert Sandra Hohmann das Reaktorunglück von Tschernobyl und erzählt aus der Sicht des Grundschülers Pavel, dessen Eltern ihm eröffnen, die Familie wolle wegen eines Zwischenfalls, nach dem die gesamte Ortschaft nun gründlich aufgeräumt werden müsse, für ein paar Tage verreisen.

Ein ganz und gar sonderbares Ereignis scheint dies gewesen zu sein, denn tatsächlich machen sich alle Bewohner des Ortes auf diese Reise.

Gedichte, Gedanken, eigene Erinnerungen, ein Sachtext und Reiseimpressionen wurden von den mehr als 20 Autoren zu Papier gebracht, die nun auch in gebundener Form vorliegen. Das Werk „Ukraine – Ansichtssachen“ umfasst circa 100 Texte und 43 Malereien. Es ist in jedem stationären und Onlinebuchhandel erhältlich.

„Sehr zufrieden“ zeigt sich Initiator und Herausgeber Michael Hellwig mit dem Zuspruch. Die Lesung sei schon weit mehr als 100 Mal angeklickt worden. „Selbst, wenn man davon ausginge, dass immer nur eine Person vor dem Bildschirm gesessen hat, sind das doch immer noch viel mehr, als wir hier in der Gerberei hätten begrüßen dürfen.“

Auch Bobbenkamp kann dem digitalen Format Positives abgewinnen: „Man kann sich die Texte beliebig oft anhören, Stellen wiederholen oder überspringen.“

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