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Anwohner boykottieren Planungen zur leer stehenden Musikkneipe in Hücker-Aschen

„Irrlicht“ löst Streit aus

Spenge (HK). 20 Jahre lang stand die Musikkneipe „Irrlicht” in Hücker-Aschen leer. Jetzt hat sich ein Investor gefunden, der dem Gebäude an der Ecke Bünder Straße/Moorstraße neues Leben einhauchen möchte. Diese Idee stößt unter den dort wohnenden Anwohnern jedoch auf Widerstand. Auch in der Spenger Politik und Verwaltung wächst die Skepsis.

Daniela Dembert

Nach 20 Jahren soll das „Irrlicht“ an der Ecke Bünder- und Moorstraße reaktiviert werden. Dagegen erheben Nachbarn und konkurrierende Gastronomen Einspruch. Doch die Stadt hat nur einen geringen Spielraum. Foto: Ruth Matthes

Der Betrieb war einst durch den Kreis Herford eingestellt worden. Inzwischen gibt die zuständige Bauaufsichtsbehörde des Kreises grünes Licht für das Vorhaben, obwohl das Objekt trotz in einem Landschaftsschutzgebiet liegt. Der Kreis begründet seine Entscheidung mit Bestandsschutz.

Anwohner Axel Deppermann meldet sich im Spenger Bauausschuss zu Wort: „Ein Unding.” Es sei nicht einzusehen, wie nach einer Zeitpanne von 20 Jahren des Nichtbetriebs der Bestandsschutz noch greife, noch dazu für einen Saal, der faktisch nur noch als Ruine existent sei. Bei den vorgelegten Planungen sei mit erheblichem Verkehrsaufkommen zu rechnen, für das die angegebenen Parkplätze aufgrund der Begrünung des Grundstücks gar nicht verfügbar gemacht werden könnten. Folgen seien lange Autoschlangen entlang der kurvigen und schmalen Bünder Straße. „Das haben wir alles schon gehabt und ständig musste die Polizei anrücken”, argumentiert Deppermann.

Im Landschaftsschutzgeniet

Auch sei die Entscheidung des Kreises mit Blick auf die Lärmemission und das sensible Landschaftsschutzgebiet, in dem die Immobilie gelegen sei, sei sehr bedenklich. Zu guter Letzt müsse sich die Stadtverwaltung fragen, ob damit der Bestandsgastronomie entlang des Moores nicht ein Dolchstoß versetzt werde. Diese Ansicht wurde auch von Pächter und Investor der „Moorranch“ geteilt.

Von den Ausschussmitgliedern aller Fraktionen werden diese Bedenken geteilt, jedoch befindet sich die Stadt in einer misslichen Lage. Bürgermeister Bernd Dumcke: „Es gilt der Rechtsgrundsatz, dass das, was genehmigungsfähig ist, auch genehmigt werden muss.”

Das von der Stadt für diese Bauvoranfrage auszusprechende gemeindliche Einvernehmen könne nicht verwehrt werden, solange die Bauaufsichtsbehörde, also der Kreis, das Vorhaben mit der Argumentation des Bestandsschutzes absegne. „Wir haben an dieser Stelle kaum Mittel”, befand auch Reinhold Hübers (CDU), „das Argument, das Gebäude füge sich nicht in das Landschaftsbild, ist hinfällig, denn es existiert ja bereits. Bei einer Verweigerung des Einvernehmens könnte die Stadt vom Investor in Regress genommen werden.”

Erneute Beratung im September

Auf Vorschlag von Ralf Sieker (UWG) soll nun ein Vertreter der Kreisbehörde zur Ratssitzung am 3. September eingeladen werden, um die Gründe, die für die Genehmigung sprechen, genauer zu erläutern.

Nicht unerheblich: der Faktor Zeit. Im Februar hatte der Stadtentwicklungsausschuss das Einvernehmen abgelehnt, weil zu wenig Informationen Seitens des Investors vorlagen. Diese wurden nachgereicht. Jetzt hat die Verwaltung bis zum 9. September Gelegenheit, sich zu äußern. Tut sie das nicht, gilt das als Zustimmung.

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