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Trotz Grundschul-Hilferuf keine Sozialarbeiterstelle in Enger bewilligt

»Kinder werden vernachlässigt«

Enger (WB). Die Grundschule Enger-Mitte erhält vorerst keinen Schulsozialarbeiter. Der Kreis sei zuständig, hieß es jetzt im Ausschuss für Schule, Jugend und Sport des Rates der Stadt Enger. Der Antrag der Schule gleicht einem Hilferuf.

Gerhard Hülsegge

Den Kindern das ABC beizubringen, sollte für Lehrer im Vordergrund stehen. Eva Dorothee Steuer, Leiterin der Grundschule Enger-Mitte, beklagt, dass der Bildungsauftrag nicht mehr zufriedenstellend wahrgenommen werden kann. Foto: Gerhard Hülsegge

»Zunehmend mehr Eltern kommen ihrer Fürsorgepflicht für ihre Kinder nicht in ausreichendem Maße nach. Die Belastungen sind durch Berufstätigkeit und veränderte familiäre Situationen gestiegen und stellen oftmals eine Überforderung dar, die nur durch gezielte Unterstützung abgefangen werden kann«, sagt Eva Dorothee Steuer, Leiterin der Grundschule Enger-Mitte. Die Kinder kämen mit zum Teil extremen außerschulischen Problemen in die Schule, die das Arbeiten für die gesamte Klasse deutlich erschwerten.

Ohne Frühstück zum Unterricht

Steuer beschreibt die Situation wie folgt: »So erleben wir immer häufiger vernachlässigte Kinder, die ohne ausreichend Schlaf, Frühstück und Schulmaterialien früh morgens in der Schule abgegeben und erst sehr spät wieder abgeholt werden. Auch haben wir es immer häufiger mit psychischen Erkrankungen von Kindern und Eltern zu tun.« Die Zahl nicht Deutsch sprechender und zum Teil traumatisierter Flüchtlingskinder und von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf nehme zu. »Sprachprobleme und kulturelle Unterschiede erfordern viel Aufmerksamkeit und intensive Zuwendung, die im normalen Schulalltag nicht geleistet werden können«, so die Schulleiterin.

Christian Absi, Leiter der Grundschule Belke-Steinbeck, bezifferte im Ausschuss die Zahl der Kinder, die einer Extra-Betreuung bedürften, stadtweit mit einem Fünftel (20 Prozent). Manche Eltern sähen es zudem als selbstverständliches Recht an, ihre Kinder grün und blau zu schlagen, hieß es seitens der Lehrerschaft, die auch hier Aufklärungsarbeit leisten muss.

Kein Geld im Haushalt

Engers Politiker sahen sich trotzdem nicht in der Lage, eine Sozialarbeiterstelle für die Grundschule Enger-Mitte zu schaffen. »Der Kreis ist zuständig«, erklärte Bürgermeister Thomas Meyer mangels eigenem städtischen Jugendamt. Ann Christin Klute (SPD) sah auch keine Möglichkeit, zusätzliche Ausgaben im städtischen Haushalt darzustellen. Einstimmig beauftragten die Politiker die Verwaltung, sich beim Kreis Herford für die Einrichtung weiterer Sozialarbeiterstellen einzusetzen. »Es gibt die Notwendigkeit nachzujustieren«, sagte Meyer.

Die Sozialarbeiterstellen von Haupt- und Heideschule (beide sind ausgelaufen) waren der Realschule Enger zugeschlagen worden. Wie der Kreis Herford mitteilte, stehen ihm derzeit »keine weiteren Ressourcen zur Verfügung, um Sozialarbeiterstellen auch an den Grundschulen einzurichten«.

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