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Holger Stoppkotte wendet sich gegen Baugebiet Sieler Weg

Kritik an Flächenverbrauch

Enger (WB). Die Stadt Enger plant ein großes Baugebiet im Bereich zwischen Sieler Weg, Lambernweg und Opferfeldstraße. Dort wo jetzt noch der Mais sprießt, sollen um die 100 Wohneinheiten entstehen, östlich der verlängerten Hühnerrottstraße soll Platz für Kleingewerbe sein. Diese weitere Versiegelung der Landschaft sieht Holger Stoppkotte, stellvertretender Kreissprecher des BUND, sehr kritisch. Daher hat er einen Bürgerantrag formuliert, in dem er die Stadt auffordert, auf die Ausweisung neuer Siedlungsflächen zu verzichten.

Ruth Matthes

Östlich des Sieler Weges in Enger – hier die Kreuzung von Lambernweg und der Verlängerung der Hühnerrottstraße – soll landwirtschaftliche Fläche zu Bauland werden. Foto: Ruth Matthes

Der Hauptausschuss wird am 25. August darüber beraten. Doch bereits am Montag, 17. August, ist das Baugebiet Thema im Stadtplanungs-Ausschuss. In der Mai-Sitzung hatten sich dessen Mitglieder durchweg positiv zu den Plänen geäußert. Einhellig begrüßten sie die Möglichkeit, dass hier Stadt und Politik gemeinsam ein Baugebiet gestalten könne. Dabei soll die vorhandene Allee in der Verlängerung der Hühnerrottstraße bestehen bleiben. Zwischen den Wohnhäusern ist eine 20 Meter breite Grünfläche vorgesehen.

Flächenfraß

Stoppkotte verweist in der Begründung seines Antrags auf die Initiative des Bundesumweltministeriums, bis 2030 die tägliche Inanspruchnahme von Flächen zur Bebauung von derzeit 56 Hektar auf 30 zu reduzieren. Die EU-Kommission habe sogar das Ziel ausgegeben, die Inanspruchnahme neuer Flächen für den Gewerbe-, Siedlungs- und Verkehrswegebau bis 2050 auf null zu bringen. Im Moment würden jährlich 1000 Quadratkilometer in Europa neu bebaut.

„Ich denke, dass alle Ratsmitglieder grundsätzlich diese Bestrebungen begrüßen“, urteilt Stoppkotte, „vor der eigenen Haustür vergessen sie diesen Aspekt aber leider. Ihre Planungen berücksichtigen nicht, dass Fläche endlich ist.“

Biodiversität

Dabei liege der Grund für diese Einsparziele auf der Hand: „Jede weitere Flächenversiegelung geht auf Kosten von Natur und Landschaft, meist werden die Flächen der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen“, schreibt er in seinem Antrag. Damit steige der Druck zur Ertragsmaximierung auf den verbleibenden Flächen, um die Bevölkerung versorgen zu können. „Ein Verlust der Biodiversität ist die zwangsläufige Folge.“

Kritisch sieht Stoppkotte auch das Argument, dass aber Bedarf an Wohnraum und Gewerbefläche bestehe. Er verweist auf statistische Erhebungen, nach denen im Kreis Herford bereits 29,1 Prozent der Fläche Verkehrs- und Siedlungsfläche sind. „In den vergangenen 20 Jahren wurden mehr als 10 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen bebaut, obwohl die Einwohnerzahl leicht rückläufig war.“ Stoppkotte folgert: „Wir brauchen nicht mehr Fläche, wir leisten uns nur mehr davon – auf Kosten der Umwelt.“

Wohnraumverdichtung

Daher möchte er von der Verwaltung wissen: „Wie hat sich die Siedlungsfläche in Enger seit 2000 entwickelt, wie viele Häuser und Wohnungen stehen leer, wie wird der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum ermittelt?“ Außerdem fragt der Biologie-Lehrer: Hat die Stadt eine Konzeption zur Wohnraumverdichtung in der Innenstadt und wird hier versucht, Altbauten und Altbauwohnungen an junge Familien zu vermitteln?

Hierin sähe der Umweltschützen aus Westerenger nämlich eine sinnvolle Alternative zur Ausweisung von Neubaugebieten. „Ähnlich wie in der Nachbarkommune Hiddenhausen, die junge Leute beim Kauf alter Gebäude unterstützt, sollten wir dafür sorgen, dass die Menschen in bestehenden Siedlungen Wohnraum finden“, ist seine Meinung. „Warum nicht bezahlbaren Wohnraum auf Industriebrachen schaffen oder auf dem Heckewerthgelände?“, fragt er und appelliert an die Politiker: „Global denken, lokal handeln!“

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