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Michael Hellwig geht in Pension – „Rumpelstilzchen“ nimmt er mit

„Schreiben kann für junge Leute ein wichtiges Ventil sein“

Enger (WB). Sein Name ist mit dem Rumpelstilzchen-Literaturprojekt seit fast vier Jahrzehnten eng verbunden. 560 Schüler des Widukind-Gymnasiums hat er zum Schreiben animiert. Ende des Monats geht Michael Hellwig in Pension. „Sein“ Rumpelstilzchen tanzt weiter ums Feuer der Ideen.

Ruth Matthes

Michael Hellwig an seinem Arbeitsplatz: Hier wird er sich auch im Ruhestand weiterhin der Literatur widmen. Der Pädagoge ist unter anderem als Lektor tätig. Das Rumpelstilzchen-Literaturprojekt will er unabhängig von der Schule weiterführen. Foto: Ruth Matthes

Projekt geht weiter

„Das Literaturprojekt möchte ich nicht aufgeben. Wir machen unabhängig von der Schule weiter“, sagt der 65-Jährige. Was nicht heiße, dass die Gymnasiasten keine Chance mehr hätten, sich literarisch zu betätigen: „Eine Kollegin wird sich des kreativen Schreibens annehmen“, erklärt Hellwig.

Obwohl sein Name gemeinhin mit dem Rumpelstilzchen verknüpft wird, ist er doch nicht der Gründer der Gruppe. „Als ich 1981 nach der Ausbildung nach Enger kam, hatte Kollege Gerd Gillhoff das achtseitige Literaturblatt, das quartalsweise erschien, gerade initiiert“, blickt er zurück. Hellwig stieg sofort ein und betreute schon Ende 1981 das Rumpelstilzchen federführend. Seither sind 154 reguläre Ausgaben und 55

Abschiedsgedicht

Das Literaturblatt ist mit Hellwigs Abschied Geschichte. An den Schluss der letzten Ausgabe setzte er folgende Zeilen: „Rumpelstilzchen/ tanzt durch den Buchstabenwald/ füllt seinen Zettelkasten/ mit herabfallenden Texten / springt ums Feuer/ der Phantasie/ und reißt sich für die Literatur/ ein Bein aus.“

Sonderausgaben erschienen.

„Mein Ziel war, den schreibenden Schülern eine Chance zu geben, ihre Gedichte und Kurzgeschichten zu veröffentlichen und ihnen ein Publikum zu geben“, sagt Hellwig. „Das Schreiben ist für junge Leute eine spannende Möglichkeit, sich mit der Welt und ihren Erfahrungen auseinanderzusetzen. Es kann ein Ventil sein, wenn es ihnen nicht gut geht“, urteilt Hellwig. Schreiben trage zur Persönlichkeitsentwicklung bei. „Es stärkt das Selbstbewusstsein, wenn man sich traut, die eigenen Texte bei einer Lesung vorzutragen und sich der Kritik zu stellen.“ Für ihn war es eine Freude, mit jungen Leuten zu arbeiten, „die deutlich motivierter sind als im normalen Unterricht“.

Die jungen Autoren stammten aus allen Klassenstufen. „Ich habe in den Unterricht kreative Elemente eingebaut, so dass ich wusste, wem das Schreiben liegt“, blickt er zurück. In Schreibwerkstätten hat er den Interessierten das Handwerkszeug beigebracht und Tipps gegeben, wie sie die Handlung plausibel gestalten, Personen glaubhaft zeichnen und Bilder stimmig wählen können. „Ich habe darauf geachtet, ihnen nicht meinen Stempel aufzudrücken.“

Fünf Bücher veröffentlicht

Mit den Texten der jungen Autoren hat Hellwig fünf Bücher herausgebracht. Zwei davon entstanden in Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern. Dafür beschäftigten sich die Jugendlichen mit Themen wie Tod oder Fremdsein. Auch externe Autoren wirkten mit. Hinzu kamen Postkarten, bei denen sich die Schüler in Gedichten zum Beispiel mit der Suchtproblematik auseinandersetzten.

Am Freitag, 31. Januar, verabschiedet sich Michael Hellwig mit der Lesung „Rumpelstilzchen rockt in Rente“ ab 19.30 Uhr im Gerbereimuseum von seiner alten Wirkungsstätte. Mit dabei sind 18 Autoren, die meisten Ehemalige.

Die gewonnene Zeit möchte der Literaturfreund nutzen, um „bildnerisch und schriftstellerisch mehr zu machen“, aber vor allem um zu lesen – von der Lyrik bis zum gesellschaftskritischen Krimi. Außerdem bleibt er Lektor befreundeter Schriftsteller.

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