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Matthias Ernet: »Zu wenig Laufkundschaft« – Schluss ist am 25. August

Schuhhaus Bergmann schließt

Enger (WB). Das Schuhhaus Bergmann schließt nach 125 Jahren zum 25. August. »Der Bedarf ist da, aber er reicht nicht aus«, lautet der Satz, den Matthias Ernet mehrfach verwendet, um die Schließung des Schuhhauses Bergmann zu erklären.

Thomas Meyer

Nach 125 Jahren ist Schluss. Das Schuhhaus Bergmann in der Steinstraße schließt am 25. August. Foto: Thomas Meyer

Nach der Übernahme im Jahr 2015 sei es mit dem Traditionshaus mit 125-jähriger Geschichte bergauf und bergab gegangen – zuletzt allerdings nur noch bergab.

Wenig Laufkundschaft

Matthias Ernet ist Chef eines gut laufenden Fachgeschäfts für Orthopädie-Schuhtechnik in Herford. Der gebürtige Herforder war vor 20 Jahren nach Enger gezogen und hatte eines Tages die Anzeige gesehen: »Geschäftsaufgabe Schuhhaus Bergmann«. »Ein solches Traditionsunternehmen musst du retten, habe ich mir gesagt«, erzählt Ernet. Damals hatten sich Helga und Thomas Bolte auf ihr Hauptgeschäft in Osnabrück konzentriert. Jetzt scheint sich die Geschichte zu wiederholen – nur, dass das Hauptgeschäft von Matthias Ernet eben in Herford statt in Osnabrück liegt. Und, dass er deutlichere Worte für die Einzelhandelssituation in Enger findet.

Kommentar

Und wieder schließt ein Geschäft in der Engeraner Innenstadt. Nicht irgendeines. Das Traditionsschuhhaus Bergmann. Noch 2017 hatte das Geschäft sein 125-jähriges Bestehen gefeiert. Der stellvertretende Vorsitzende der Kaufmannschaft, Fritz Althoff, hat Recht, dass die Schließung einer Katastrophe für die Steinstraße gleichkommt. Etwas gegen den Geschäfteschwund tun, das müssen aber nicht nur die Kaufleute selber mit attraktiven Angeboten. Die Bürger müssen in die Städte kommen und dort einkaufen. Sonst wird das Schuhhaus nicht das letzte Geschäft sein, das schließt. Kathrin Weege

»Wir haben Laufkundschaft eigentlich nur dann, wenn Aktionen wie verkaufsoffene Sonntage, Kirschblütenfest oder Martinsumzug sind. An allen anderen Tagen des Jahres kommen die Kunden gezielt zu uns – aber das sind einfach zu wenige«, sagt der Orthopädie-Schuhmachermeister. Sein neues Konzept – Konzentration auf bestimmte Marken, viele Aktionen – habe zu Beginn Früchte getragen, aber zuletzt auch nicht mehr gezündet.

Räumungsverkauf ab Montag

Experimente wie die Erweiterung des Portfolios um besondere Modeschuhe seien komplett gescheitert. »Der Schritt fällt uns sehr schwer, zumal wir die Mitarbeiter mangels entsprechender Qualifikation nicht nach Herford übernehmen können.«

Ob Ernet einem eventuellen Nachfolger, den Vermieter Hans Schürmeier natürlich sucht, Mut machen könne? »Würde ich gerne«, sagt er, »aber da fällt mir leider nichts ein. Mit Schuhen würde ich es jedenfalls nicht versuchen.« Der Räumungsverkauf beginnt am kommenden Montag, Schluss ist am 25. August.

Das sagt die Kaufmannschaft:

Als Fritz Althoff, stellvertretender Vorsitzender der Kaufmannschaft Enger, gestern von der Schließung des Traditionsschuhhauses Bergmann erfuhr, war er überrascht. Er fand direkt deutliche Worte: »Das ist eine Katastrophe für Enger, besonders für die Steinstraße.« Es sei traurig, sehr traurig. Man müsse nun adäquaten Einzelhandel für das Gebäude in der Steinstraße finden.

Die alles entscheidende Frage sei, was könne man für den Einzelhandel in kleineren Städten tun? Dass die Schließung mit mangelnder Erreichbarkeit – beispielsweise die Sperrung des Westfalenrings – zu tun habe, könne er sich nicht vorstellen. »Das neu eröffnete Loom in Bielefeld hingegen zieht kleineren Städten die paar Prozent Kunden ab, die vielleicht dafür gesorgt hätten, dass ein Ladeninhaber weitermacht. Das betrifft auch Bünde und Herford, besonders aber kleinere Städte wie Enger und Spenge.« (KaWe)

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