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Zwei Gymnasiastinnen stellen NRW-Schulministerin Gebauer ihr Projekt vor

Schülerinnen decken Stolperfallen auf

Enger (WB). Wiebke Assmann und Freya Ophelia Hause, beide Schülerinnen der Klasse 5b des Widukind-Gymnasiums Enger, haben sich die letzten Monate intensiv mit der Barrierefreiheit für Menschen mit eingeschränkten Sehvermögen beschäftigt und sich dabei auf die Identifizierung, Analyse und Beseitigung von Stolperfallen konzentriert.

Wiebke Assmann (links) und Freya Hause (Mitte) sind im Gespräch mit NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Sie sprechen über Stolperfallen.Dazu gibt es auch ein Plakat an der Wand.

Ihre Ergebnisse durften sie jetzt im Rahmen der NRW-Lernstatt Demokratie der NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer vortragen, die großes Interesse zeigte, mit beiden intensiv über deren Projekt diskutierte. Sie war von dem Einsatz und den gefundenen Lösungsvorschlägen der beiden Schülerinnen stark beeindruckt.

Barrierefreiheit für alle

Den Impuls für das Projekt bekamen die Unterstufenschülerinnen, weil seit Schuljahresbeginn eine Schülerin mit starker Sehbeeinträchtigung ihre Klasse besucht. Zunächst suchten Wiebke und Freya exemplarisch im Widukind-Gymnasium und auf dem Schulgelände nach Stolperfallen, später auch in anderen Gebäuden und der Stadt Enger – unter anderem in einem Seniorenheim. Obwohl in der schulinternen Unfallstatistik keine gravierenden Unfälle durch Stolpern registriert waren und der Versicherungsträger für Schulunfälle, die Landesunfallkasse, diese nicht erfasst, führt eine Befragung von Mitschülern und Lehrern schnell zur Bestätigung, dass die meisten von ihnen schon Opfer von Stolperfallen waren und deshalb auch schon gestürzt sind.

Für die beiden Schülerinnen war sogleich klar: »Stolperfallen sind ein echtes Problem. Wenn wir das Problem lösen, helfen wir nicht nur Menschen, die nicht gut sehen können, sondern allen Menschen.« Barrierefreiheit ist für alle von Vorteil.

Lösungen im Test bewährt

Ihre Ergebnisse stellten sie zunächst einer Fachkraft für den Förderschwerpunkt Sehen, der Lehrerin Carola Thies der Opticus-Schule Bielefeld, LWL-Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sehen, vor und suchten mit ihr anschließend nach weiteren kritischen Stellen. Diese wurde fotografisch dokumentiert und analysiert.

So unterscheiden die Schülerinnen zwischen unnötigen Stolperfallen, die beseitigt werden können, und solchen wie Treppenstufen, die besser sichtbar gemacht werden müssen. »Unsere Lösungsvorschläge haben wir mit einer Bildbearbeitungssoftware simuliert und später mithilfe von schwarzen und weißen Klebebändern, die wir auf Treppenkanten geklebt haben, erprobt. Unsere Lösungen haben sich im Test bewährt und sind viel günstiger als die Kosten für einen einzigen Unfall, der im Krankenhaus behandelt werden muss«, sagen sie.

Stufen sollten sichtbar sein

Im Herbst verbergen sich manchmal unter dem Laub Stolperfallen. Abgesägte Bäume und herausragende Wurzeln sollte man vollständig entfernen oder mit Sand oder Erde sehr gut bedecken, so dass man nicht mehr stolpern kann. Bei Treppenstufen sollten die Kanten gut sichtbar sein – durch schwarze oder weiße Markierung, um den Kontrast zu erhöhen.

Für das Gespräch mit der Ministerin hatten die Schülerinnen ein kleines Quiz vorbereitet. Dort galt es für Yvonne Gebauer, Stolperfallen auf Fotos zu finden. Später lösten Freya und Wiebke das Rätsel auf, indem sie die Stolperfallen auf einem weiteren Foto farbig markiert hatten.

Besonders anschaulich konnten sie ihre Beobachtungen mithilfe einer Simulationsbrille präsentieren, die ihnen eine heimische Brillengalerie angefertigt hatte, damit man besser verstehen kann, vor welche Herausforderungen und Probleme Menschen mit Beeinträchtigungen im Bereich Sehen gestellt sind.

Für Bundesfinale zugelassen

Wiebke Assmann und Freya Hause zeigen mit ihrem Projekt auf, dass Inklusion nicht erst im Klassenraum beginnt und dass barrierefrei für alle Menschen von großem Vorteil ist. Als eines von zwei Leuchtturmprojekten aus Ostwestfalen-Lippe wurde ihres für die Endauswahl zum Bundesfinale »Demokratisch handeln 2019« zugelassen.

Am 22. März entscheidet eine Fachjury in Münster, welche Projekte zur nationalen Endrunde vom 4. bis 7. Juni 2019 eingeladen werden.

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