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Der Projektarbeiter unter den Lehrern verlässt das Widukind-Gymnasium Enger

Wilfried Illig geht in Ruhestand

Enger (WB). Er war bekannt dafür, im Unterricht auch mal ungewöhnliche Wege zu gehen. Ab der kommenden Woche muss das Widukind-Gymnasium auf Wilfried Illig verzichten. Der Lehrer für Geschichte und Englisch geht zum Ende des Halbjahres in den Ruhestand.

Christina Bode

Schulleiter Dr. Ulrich Henselmeyer verabschiedet Wilfried Illig, Lehrer für Geschichte und Englisch, in den Ruhestand. Foto: Christina Bode

Exkursionen gehörten für den 65-Jährigen fest zum Unterricht dazu. Im Austauschlager Bergen-Belsen und im historischen Museum Bielefeld war er sozusagen Stammgast. „Schüler lernen auf diese Weise viel mehr als im Frontralunterricht“, sagt Wilfried Illig.

Einsatz in Afrika

Bevor der gebürtige Bünder aber am Widukind-Gymnasium landete, musste er nach seinem Referendariat mehrmals die Schule wechseln. „Mein Referendariat endete zu einer Zeit, in der es erstmals einen Einstellungsstopp für Lehrer gab“, erinnert sich Illig. Nachdem er jeweils für kurze Zeit am Leopoldinum 2 in Detmold, am Bünder Marktgymnasium und am Ravensberger Gymnasium in Herford – hier hatte er auch selber sein Abitur gemacht – arbeitete, bekam er zum Schuljahr 1987/88 eine Festanstellung in Enger.

Doch schon nach kurzem verließ er das Widukind-Gymnasium für drei Jahre. „Eine frühere Kollegin hatte mir von ihrem Aufenthalt in Tansania berichtet. So etwas war auch schon immer mein Traum gewesen, und ich bewarb mich für den Schuldienst in Afrika“, berichtet Illig.

Dankbare Schüler

Zusammen mit 50 Kollegen fuhr er 1989 nach Simbabwe, wo die Lehrer vom „Zentrum für Migration und Entwicklung“ auf verschiedene Schulen im ganzen Land verteilt wurden. Illig unterrichtete zunächst Englisch an einer Sekundarschule in Hwedza, einem Ort 130 Kilometer südlich von Simbabwes Hauptstadt Harare. „Die Schulen waren einfach gebaut und es gab dort kein fließendes Wasser. Aber die Schüler waren einfach unfassbar dankbar, zur Schule gehen zu dürfen“, erinnert sich der Pädagoge.

Später ließ er sich an eine „A-Level-School“ in Mutoko bei Mosambik versetzen. Er sei der erste gewesen, der mit den Schülern, die dort so etwas wie das deutsche Abitur anstrebten, keinen Frontalunterricht machte, sondern Bücher mitbrachte. „Ich las mit ihnen Julius Cäsar von Shakespeare“, erzählt er. Als kleinen Erfolg verbuchte Illig für sich, dass er die „Pass-Rate“ – also die Erfolgsquote – im Examen von acht auf zwölf Prozent steigern konnte.

Selbstständigkeit gefördert

Es sei ein tolles Lebensgefühl gewesen, als Weißer in Afrika zu leben, aber nach dreieinhalb Jahren habe er zurück nach Deutschland gewollt, berichtet Wilfried Illig. Am Widukind-Gymnasium hatte man seinen Platz freigehalten, und so konnte er 1992 wieder in Enger als Lehrer starten, wo er die restlichen 28 Jahre seines Berufslebens verbrachte. Das Schönste an deutschen Schulen – auch am Widukind-Gymnasium – sei die Selbstständigkeit der Schüler. Vor allem, wenn man den Vergleich zu Simbabwe habe.

Und diese Selbstständigkeit sei es, die Illig seinen Schülern auf verschiedene Arten vermittelt habe, sagt Schulleiter Dr. Ulrich Henselmeyer. „Wir verlieren einen Lehrer, der sich über Jahre aktiv für die Projektarbeit – vor allem in Geschichte – eingesetzt hat“, sagt er. Am Freitag nach der Zeugnisvergabe wird Wilfried Illig mit dem Kollegium seinen Abschied feiern.

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