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Nach tödlicher Motorrad-Kollision Anfang März 2022

Gutachten: Unfallfahrer in Hiddenhausen deutlich zu schnell

Hiddenhausen

Bei einem mutmaßlichen Motorradrennen war Anfang März in Hiddenhausen ein Anwohner (58) von einer Maschine erfasst und tödlich verletzt worden. Nach der aufwendigen Rekonstruktion der Kollision in einem Teststand gibt ein Gutachten jetzt erstmals Aufschluss darüber, wie schnell der Motorradfahrer unterwegs war.

Von Bernd Bexte

Mit diesem Motorrad erfasste der Herforder (23) einen Anwohner (58) und verletzte ihn tödlich. Foto: Christian Müller/Westfalennews

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hatte das Gutachten im Sommer in Auftrag gegeben, weil es einen solchen Unfall so oder ähnlich offenbar noch nicht gegeben hatte. Denn um den 23 Jahre alten Unfallfahrer und seinen Bekannten (18) auf dem zweiten Motorrad anklagen zu können, bedarf es eines verkehrstechnischen Gutachtens, das die Fahrgeschwindigkeit zum Zeitpunkt des Unfalls bestimmt.

Es gebe viele Daten zu Kollisionen von Motorrädern mit Autos oder Lkw – aber nur wenig Verwertbares für den Zusammenstoß eines Krads mit einem Fußgänger, hatte der ermittelnde Staatsanwalt Veit Walter die Notwendigkeit eines Gutachtens erklärt.

Motorradfahrer ist querschnittsgelähmt

Bekanntlich soll das Opfer im Ortsteil Oetinghausen auf die Fahrbahn der Oberen Talstraße getreten sein, um die Motorradfahrer per Handzeichen zum Abbremsen zu bewegen. Der 23-jährige Herforder, der gerade zum Überholen ansetzte, fuhr ihn um. Er stürzte mit seinem Motorrad, ist seitdem querschnittsgelähmt. Der 18-jährige Herforder, mit dem er sich ein Rennen geliefert haben soll und der zunächst geflüchtet war, wurde später gefasst und nach gut drei Wochen aus der U-Haft entlassen.

Versuche mit Crash-Test-Dummys

Zur Geschwindigkeitsbestimmung der Unfall-Maschine liegt jetzt ein Gutachten vor. Dazu wurden zwei Versuche in einem Teststand der Dekra in Neumünster mit sogenannten Crash-Test-Dummys (Körperpuppen) gemacht. Anhand des Schadensbildes bei der Simulation können Vergleiche zum tatsächlichen Unfallgeschehen und dessen Folgen angestellt werden.

Nach Informationen dieser Zeitung soll daraus hervorgehen, dass der Unfallfahrer deutlich schneller als die dort zulässige Höchstgeschwindigkeit (50 km/h) fuhr. Das Gutachten geht von einem Tempo von mindestens 72 Stundenkilometern beim Zusammenstoß aus. Das Opfer soll dabei mittig auf der Fahrbahn gestanden haben.

Der Tatort in der Unfallnacht im März. Foto: Christian Müller/Westfalennews

Die Staatsanwaltschaft hat die Expertise jetzt den Verteidigern der beiden Motorradfahrer zugesandt, damit sie dazu eine Stellungnahme abgeben können. Im Anschluss könnte dann Anklage erhoben werden.

Sicherheitsmaßnahmen der Gemeinde

Anwohner hatten schon lange vor dem tödlichen Unfall beklagt, dass die Obere Talstraße als Rennstrecke missbraucht werde. Die Gemeinde Hiddenhausen hatte nach dem Unfall am späten Abend des 8. März dort Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. So wurden unter anderem Tempo 50 Symbole auf der Fahrbahn aufgebracht und Leucht-Displays aufgestellt, die den Autofahrern ihre aktuelle Geschwindigkeit anzeigen und diese mit Smileys bewerten.

Der 18-jährige Herforder, der nach dem Vorfall zunächst geflüchtet war, hatte stets bestritten, dass es sich um ein Rennen gehandelt habe. Der Unfallfahrer hatte sich nicht zu der tödlichen Kollision eingelassen.

Das Institut für Fahrzeugtechnik der TU Berlin hat solche Unfälle wie in Hiddenhausen nachgestellt, betont aber: „Der Motorrad-Fußgänger-Unfall findet bislang wenig Beachtung.“ Das liege einerseits an den relativ niedrigen Fallzahlen, aber wohl auch daran, dass solche Unfälle besonders komplex abliefen.

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