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Tat fliegt nur auf, weil er der Mutter des Opfers einen ausrangierten PC mit Kinderpornos überlässt

60-Jähriger missbraucht Siebenjährigen

Herford/Vlotho (WB). Bereits 2016 hatte das Amtsgericht Herford B. wegen Missbrauchs eines Kindes aus der Nachbarschaft zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt, damals noch auf Bewährung. Weil ihm das keine Lehre war und er sich in der Bewährungszeit erneut an einem Kind verging, soll der heute 61 Jahre alte Mann für drei Jahre ins Gefängnis – auch weil bei ihm massenhaft kinder- und jugendpornographische Bilder und Videos gefunden wurden.

Bernd Bexte

Bei einer Wohnungsdurchsuchung stellte die Polizei tausende kinderpornographische Fotos sicher, auch auf CD-Roms. Foto: dpa

Nach Informationen des HK war der Fall nur aufgeflogen, weil B. der Mutter des Opfers einen ausrangierten Computer überlassen hatte. Darauf waren noch kinderpornographische Bilder gespeichert. Als die Frau auf diese Dateien stieß, zeigte sie den Mann an. Bei einer Wohnungsdurchsuchung am 4. November 2019 stellte die Polizei Speichermedien sicher auf denen sich fast 10.000 kinder- oder jugendpornographische Fotos sowie 57 Videos befanden. Aber erst als der Junge später fragte, warum der Computer nicht mehr da sei und die Mutter ihm sagte, dass sich darauf „schmutzige Bilder“ befunden hätten, erzählte der Siebenjährige, was der Mann aus der Nachbarschaft ihm angetan habe. Die Mutter zeigte ihn erneut an. Seit Anfang April sitzt der Vlothoer nun in U-Haft.

Angeklagter geständig

Vor Gericht war der geschiedene Vater eines erwachsenen Sohnes geständig. „Es war so, wie es in der Anklage steht.“ Damit ersparte er seinem Opfer und dessen Mutter eine Aussage vor Gericht.

Demnach hatte er im Sommer vergangenen Jahres die Frau aus der Nachbarschaft kennengelernt. Er freundete sich auch mit deren damals sieben Jahre alten Sohn an, lud ihn zum Filmeschauen in seine Wohnung ein. Als sie sich gemeinsam die Horror-Parodie „Scary Movie“ ansahen, wollte der 60-Jährige den Jungen kitzeln, griff ihm dabei in die Hose an den Penis und streichelte ihn. Das wiederholte er bei einem zweiten Besuch des Jungen.

„Ich bereue das, ich möchte eine Therapie machen“, sagte B. vor dem Jugendschöffengericht. So ganz glaubhaft fand das die Vorsitzende Richterin Tanja Schwöppe-Funk nicht. Denn nach seiner ersten Verurteilung habe er sich nicht an eine Therapieauflage gehalten. Und auch für die bei ihm gefundenen Kinder- und Jugendpornos hatte er eine abenteuerliche Erklärung: „Die sind plötzlich beim Surfen auf einer normalen Pornoseite mit Erwachsenen auf dem Bildschirm erschienen.“ Er habe sie gespeichert, um sie der Polizei zu geben. „Die Dateien wurden aber bereits 2015 gespeichert“, verwies Schwöppe-Funk auf die Auswertungsprotokolle.

Täter bleibt in U-Haft

Zudem habe er sich offenbar nur wenig mit seinen Taten auseinandergesetzt. „Er ist pädophil, zeigt aber keinerlei Einsicht“, sagte die Richterinn in der Urteilsbegründung. Der Haftbefehl bleibt wegen Wiederholungsgefahr in Kraft.

Das Amtsgericht überbot mit dem Strafmaß sogar die Forderung von Staatsanwältin Beatrice Schäfers. Sie wollte den Mann aus Vlotho für zweieinhalb Jahre hinter Gittern sehen, sein Verteidiger Thomas Schwarz hielt zwei Jahre auf Bewährung für angemessen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung kündigte an, „mit großer Wahrscheinlichkeit“ in Berufung gehen zu wollen.

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