Ärger in Herforder Sozialhäusern: Eigentümer hat offenbar monatelang nicht bezahlt

60 Mietern soll das Wasser abgestellt werden

Herford (WB). Schock für die etwa 60 Lindwurm-Bewohner: In fünf Tagen könnten sie auf dem Trockenen sitzen. Die Stadtwerke Herford wollen das Trinkwasser abdrehen, weil der Eigentümer der Sozialhäuser an der Berliner Straße seit Monaten nicht gezahlt hat.

Moritz Winde

Die Mieter sind verärgert: (von links) Lena Önür, Torsten Wilke, Violetta Carna und Margarethe Friesen. Foto: Moritz Winde

Lena Önür staunte nicht schlecht, als am Mittwochmorgen der weiße DIN-A4-Zettel mit dem Stadtwerke-Logo an der Tür klebte. Darauf steht: »Wir teilen Ihnen mit, dass wir ab Mittwoch, 3. Juli, die Wasserversorgung sperren werden.«

Zunächst habe sie an eine vorübergehende Unterbrechung wegen handwerklicher Arbeiten gedacht. Als sie dann allerdings die Abteilung Mahnwesen rechts oben in der Ecke entdeckte, dämmerte ihr Böses.

Gesellschaft besitzt Immobilen in fünf Bundesländern

Sie sei verärgert, enttäuscht und vor allem superwütend: »Ich gehe jeden Tag hart arbeiten, um meine Miete pünktlich bezahlen zu können. Und mein Vermieter hält es nicht für nötig, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Wir können nichts dafür, müssen es aber ausbaden. Das ist eine Unverschämtheit!«

Eigentümer der vier stadtbildprägenden Häuser in der Herforder Innenstadt – betroffen sind die Nummern 42, 44, 46 und 48 – ist die Immobiliengesellschaft Altro Mondo aus dem Raum Hannover.

Das Unternehmen besitzt Wohnanlagen und Mehrfamilienhäuser in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. »Mehr als nur ein Wohnraum – ein Lebensgefühl«, lautet das Altro-Mondo-Motto. Und auf der Internetseite heißt es: »Wir möchten unseren Mietern vor allem ein schönes Zuhause zum Wohlfühlen bieten.«

Stadtwerke: Sperrandrohung der letzte Schritt

Über solche Versprechungen kann Torsten Wilke nur lachen. Der 42-Jährige bewohnt eine 40-Quadratmeter-Bleibe. Er sagt, es habe in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme mit dem Vermieter gegeben. Die drohende Wassersperre sei nur die Spitze des Eisbergs: »Es wäre unverantwortlich, sollten wir bei dieser Hitze tatsächlich kein Trinkwasser mehr bekommen. Hier wohnen viele Familien mit kleinen Kindern.«

Stadtwerke-Sprecherin Christine Brinkmann bedauert die Angelegenheit. »Natürlich tun uns die Mieter leid, die unverschuldet in diese Situation gekommen sind. Deshalb informieren wir sie im Vorfeld. Vielleicht können sie den Eigentümer noch zur Zahlung bewegen.«

Zu dem konkreten Fall will sich Brinkmann zwar nicht weitergehend äußern, sie stellt aber klar, dass eine Sperrandrohung und die Einstellung der Lieferung der allerletzte Schritt sei. Zuvor gebe es schriftliche Mahnungen sowie persönliche Gespräche. »Wir müssen aber Schaden vom Unternehmen abwenden. Schließlich geht es nicht um kleine Beträge.«

Altro Mondo schrieb den Bewohnern von Haus Nummer 46 am Mittwoch per Mail, die ausstehenden Zahlungen seien veranlasst worden. Telefonisch war das schon mehrfach wegen ähnlicher Vorfälle in die Kritik geratene Unternehmen nicht zu erreichen.

Startseite