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150 Jahre Herforder Verschönerungsverein – 500 Mitglieder in den stärksten Zeiten

Als der Wall zur Promenade wurde

Herford (WB)

Herford soll noch grüner werden – und so steht die Europäische Stechpalme für eine Herausforderung des kommenden Jahres. Denn der Verschönerungsverein hat es sich zum Ziel gesetzt, den Baum auch in der Innenstadt anzupflanzen.

Hartmut Horstmann

Blick auf den Bereich, der heute Pöppelmannwall heißt: Mit dem Wallausbau begann die Geschichte des Verschönerungsvereins. Foto: Archiv Polster

Der Baumparcours ist Teil einer Agenda, mit dem der vor 150 Jahren gegründete Verein in den nächsten Jahren in Herford wirken will. Es geht um ökologische Nachhaltigkeit – und diese hängt für die Verschönerer mit dem Baum des Jahres zusammen. Bundesweit wird dieser bestimmt und der Vorsitzende Jörg Haferkorn will erreichen, dass die jeweiligen Bäume des Jahres auch in der Herforder Innenstadt zu bestaunen sind.

Als die Freunde der Stadtverschönerung im Jahr 1870 mit ihrem Verein begannen, hatten sie Gewaltiges vor. Der alte Wall um die Stadt habe sich in einem desolaten Zustand befunden, sagt Gästeführer Mathias Polster, der in dem Verein als beratendes Vorstandsmitglied dabei ist. Aus den Aufzeichnungen von damals weiß der 62-Jährige, dass es zu vielen Unfällen gekommen war. Und den Beispielen anderer Städte folgend, beschlossen die Herforder Stadtverordneten im Jahr 1866, den Wall zu einer Promenade auszubauen.

Politik und Wirtschaft taten sich zusammen – und am 16. Juni 1870 lud Bürgermeister Karl Sack zur Vereinsgründung. „Dabei zu sein war damals eine Frage der Ehre“, sagt Polster. In seinen stärksten Zeiten habe der Verein um die 500 Mitglieder gehabt.

Erster Vorsitzender war Bürgermeister Sack. Die Wallpremiere erlebte der Verein, der sich um die Finanzierung kümmerte, mit dem Bereich zwischen Deichtor und Steintor.

Den Abschluss fand die Gestaltung der Wall-Promenade im Jahr 1917 mit dem Kaiser-Friedrich-Wall. Dieser erhielt im Jahr 1936 den Namen Pöppelmann-Wall – in Erinnerung an den bedeutenden Baumeister aus Herford, dessen Tod sich damals zum 200. Mal jährte. Eine wichtige Rolle spielte der Zigarrenfabrikant Karl Kranefuß. Von 1902 bis 1914 leitete er den Verschönerungsverein. Für seine Verdienste wurde am Pöppelmann-Wall ein Gedenkstein aufgestellt, der nach 1945 durch einen neuen ersetzt wurde. „Die Tafel war im Weltkrieg eingeschmolzen worden“, so Polster.

Die ganz großen Zeiten des Verschönerungsvereins sind Geschichte. Im Bewusstsein präsent war er über viele Jahre als Initiator des bekannten Blumenschmuck-Wettbewerbs, doch ließ die Aufmerksamkeit ab den 70er Jahren nach.

„In den vergangenen fünf bis sechs Jahren haben wir ihm wieder mehr Profil gegeben“, sagt Jörg Haferkorn, seit zehn Jahren Vorsitzender des Vereins. Etwa 40 Mitglieder gehören ihm an. Dass der Vereinsname etwas altbacken klingen mag, räumt der Chef ein: „Aber er formuliert das Wesentliche.“

Mit einzelnen Aktionen will der Verein zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt beitragen – unter anderem mit dem Baum des Jahres. Bisher gebe es 33 bundesweite Bäume in der Rubrik – und ein jeder solle mindestens mit einem Exemplar in der Innenstadt stehen. Im Jahr 2021 ist es die Europäische Stechpalme. Wenn ein Grundstücksbesitzer seine Bereitschaft erklärt, kümmert sich der Verein um die Finanzierung. Später soll ein Flyer mit einer entsprechenden Baumroute erscheinen.

So sehr sich Rahmenbedingungen und Vereinsgröße in den vergangenen 150 Jahren auch geändert haben mögen – der Ansatz ist gleich geblieben. Der Verein setzt auf das Engagement der Bürger.

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