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Simon Wachsmuth thematisiert die »Wasserprobe« in der Aa

Am Ort der Hexenverfolgung

Herford (WB). Tief in die Herforder Geschichte eingetaucht ist der Berliner Künstler Simon Wachsmuth. Mit einer Spezialkamera filmte er für diesen Zweck sogar unter Wasser – am Hexenkolk in der Aa.

Hartmut Horstmann

Eine Stelle, an der die Aa besonders tief ist, war der Ort der »Wasserproben«. Wer der Hexerei beschuldigt war, wurde gefesselt an einem Seil ins Wasser geworfen. Simon Wachsmuth greift dies in einem kurzen Unterwasserfilm auf. Mit einer Angel lässt der Künstler die Kamera ins Wasser. Die Aufnahmen werden Teil einer Installation. Foto: Horstmann

Die ungewöhnliche Aktion, bei der Wachsmuth die Kamera mit einer Angel ins Wasser ließ, wird sich in einer Installation niederschlagen. Diese soll vom 17. Mai an im Marta-Foyer zu sehen sein.

Preis der Wemhöner-Stiftung

Der Impuls, sich näher mit der Region zu beschäftigen, entstand, nachdem der 52- Jährige den Marta-Preis der Wemhöner-Stiftung erhalten hatte. Die Auszeichnung, die mit 25000 Euro dotiert ist, beinhaltet die Vorgabe, in einem bestimmten Zeitraum ein Kunstwerk zu erarbeiten. Und Wachsmuth, Teilnehmer an der Documenta 12, wandte sich daraufhin der lokalen und regionalen Geschichte zu.

Zeitreise ins 17. Jahrhundert

Immer wieder hat sich der gebürtige Hamburger mit der Frage der Vermittlung und Rekonstruktion von Historie beschäftigt – so auch in Herford. Die Nähe der Stadt zu Münster und Osnabrück führte Wachsmuth schnell zum Themenkomplex »30-jähriger Krieg/Westfälischer Friede«. Indem sich der Künstler, der an der Bauhaus-Universität in Weimar unterrichtet, so auf Zeitreise ins 17. Jahrhundert begab, stieß er auch auf die Hexenverfolgungen. Und hier kommt dem so genannten Hexenkolk an der Aa eine besondere Rolle zu.

Kamera durchs Wasser gezogen

»An dieser Stelle wurden die der Hexerei Beschuldigten einer Wasserprobe unterzogen«, erklärt Wachsmuth. Durch Fesseln bewegungsunfähig gemacht, wurden die Frauen an einem Seil ins Wasser geworfen. Tauchten sie nach kurzer Zeit wieder auf, galt dies als Beleg für Hexerei. Diese Wasserprobe greift der 52-Jährige in seiner Arbeit auf. Wenn er die wasserfeste Kamera durchs Wasser zieht und aus den Aufnahmen einen Ein- bis Zweiminutenfilm macht, will er den Betrachter in die Perspektive der Frauen versetzen: »Man soll erahnen können, was sie unter Wasser durchlebt haben.«

Prozess mit 30 Frauen

Für die Stadt Herford hatte die Hexenverfolgung bei einem Sammelprozess im Spätsommer 1627 besondere Ausmaße angenommen. 30 Frauen, die als der Zauberei verdächtig galten, wurden gefangen genommen und zum Rathaus gebracht. Um neun Uhr morgens begann die Wasserprobe an der Radewiger Brücke.

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