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OWL-Forum: CDU bleibt beim Nein – Wienböker bringt Campus ins Spiel

Am Standort scheiden sich die Geister

Herford (WB). Auch das Land NRW will den geplanten Bau des OWL-Forums mit einem Drittel der erwarteten Kosten fördern. Während die Nachricht beim Herforder Bürgermeister Tim Kähler eine zur Adventszeit passende große Freude auslöst, bleibt die Herforder CDU bei ihrer ablehnenden Haltung.

Hartmut Horstmann

Das unter Denkmalschutz stehende Theater: Selbst wenn dort keine Aufführungen stattfinden, wird das Gebäude als Schulaula benötigt. Foto: Hartmut Horstmann

CDU: „Für Herford überdimensioniert“

Denn die Meinung der CDU habe ja nichts damit zu tun, ob es eine Förderung gebe oder nicht, betont Fraktionsvorsitzender Wolfgang Rußkamp: „Wir bleiben dabei, das Projekt ist für Herford überdimensioniert.“

Laut Gutachten kostet der Bau des OWL-Forums, in dem sowohl Theateraufführungen als auch Konzerte stattfinden sollen, 97 Millionen Euro. Eine Realisierung, so war von Anfang an klar, ist nur möglich, wenn von Land und Bund jeweils ein Drittel kommen. Mitte November hatte der Haushaltsausschuss des Bundes eine Förderung in Höhe von 32,3 Millionen Euro beschlossen.

Jetzt sind die Landtagsfraktionen von CDU und FDP darin übereingekommen, dem Landtag ebenfalls eine Drittelförderung vorzuschlagen. Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Christian Dahm begrüßt die neue Entwicklung.

Frage nach Bedarf

Dass somit sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene die Christdemokraten zu den Befürwortern des Projektes gehören, bringt Rußkamp von seiner Haltung nicht ab. Natürlich wolle die Landes-CDU für die Stadt Herford das Beste, so der Fraktionsvorsitzende, aber sie könne die Situation vor Ort nicht so gut kennen: „Ich kann es nicht ändern, dass sie uns nicht vorher gefragt haben.“ Die CDU auf Landesebene habe sich der Drittelförderung des Bundes angeschlossen.

Doch auch auf Bundesebene ist die CDU dabei. Einen entscheidenden Punkt für Wolfgang Rußkamp stellen die von ihm erwarteten Folgekosten von jährlich zwischen drei und fünf Millionen Euro dar. Auch geht er davon aus, dass die Baukosten 100 Millionen übersteigen. Und er stellt die Frage nach dem Bedarf. Derzeit gebe die NWD im Jahr zehn Konzerte. Und selbst wenn es 20 wären, bleibe die Frage, ob das den Bau eines neuen Konzertsaals rechtfertige.

FDP gegen Güterbahnhof

Die FDP bleibt bei ihrer Haltung, die eine grundsätzliche Prüfung des OWL-Forums vorsieht. Gleichzeitig lehnen die Liberalen aber den von den Gutachtern favorisierten Standort am Güterbahnhof ab. „Das ist nicht das richtige Ambiente für ein 100-Millionen-Projekt“, sagt Günther Klempnauer. Aus Sicht der FDP gehören Konzertsaal und Theater ins Herz der Stadt – und die Partei schlägt den Janup vor. Sollte am Güterbahnhof festgehalten werden, werde die FDP gegen das OWL-Forum stimmen.

Andreas Kornacki, der Geschäftsführer der Kultur gGmbH, ist derzeit der Mann für die verschiedenen Prüfaufträge. Ergebnisse mag er nicht vorschnell vorwegnehmen. Aber er gibt zu bedenken, dass die 97 Millionen Euro erst einmal für den Standort Güterbahnhof ermittelt wurden.

BfH nicht kategorisch dagegen

Freude lösen die in Aussicht gestellten Förderungen bei den Bürgern für Herford aus. Lothar Wienböker sagt: „Ich freue mich, dass Land und Bund Stadttheater und NWD sichern wollen.“ Während die BfH im Rat gegen das Forum gestimmt haben, betont Wienböker jetzt, er wolle die Planung kritisch beobachten. Die Bürger für Herford seien nicht kategorisch dagegen, doch fragen auch sie nach einem besseren Standort.

Wie die Liberalen halten sie den Güterbahnhof für ungeeignet. Als neue Variante bringt Wienböker Flächen auf dem Bildungscampus ins Spiel. Dies gelte es zu prüfen – überhaupt fordern die BfH genaue Zahlen, bevor abgestimmt werden kann. So wollen sie verhindern, dass durch einen Neubau bestehende Kultureinrichtungen gefährdet werden.

Kähler: „Jeder Standort ist Kompromiss“

Bürgermeister Tim Kähler äußert sich zum weiteren Verfahren. Jetzt gehe es unter anderem erst einmal darum, verschiedene Prüfaufträge abzuarbeiten und mit den Fördermittelgebern hinsichtlich ihrer genauen Vorstellungen zu sprechen. Ob der Rat bereits im Februar abstimmen könne, sei nicht entscheidend: „Zur Not geht auch eine Sonderratssitzung.“

Was die in der Politik neben den Kosten besonders diskutierte Frage des Standortes angeht, so erklärt Kähler: „Jeder Standort ist ein Kompromiss.“ Für den Güterbahnhof sprächen zum Beispiel die Verkehrsanbindung und die relativ geringe Wohnbebauung – Stichwort Anwohnerbeschwerden wegen Lärm. Außerdem entstehe ein Baukörper, der dominant sein werde: „Wo gibt es dafür in der Innenstadt einen Platz?“ Und: „In dem OWL-Forum sollen auch Abibälle gefeiert und Kongresse abgehalten werden können.“

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