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Herforder Schulleiter berichten über Unterrichtsalltag in Corona-Zeiten

„An den Schulen ist nichts mehr Routine“

Herford (WB). Wie kompliziert die Gestaltung des Unterrichts in Corona-Zeiten ist, haben Herforder Schulleiter am Montag im Schulausschuss deutlich gemacht. „Im Moment bieten wir Kontakt und die Absicherung von Homeschooling. Eine Lernprogression findet nicht statt. Das muss in den kommenden Monaten anders werden, ansonsten haben wir Schülerinnen und Schüler, die zwei Schuljahre verloren haben“, machte Karsten Heumann, Leiter der Otto-Hahn-Realschule deutlich.

Ralf Meistes

Eine Abi-Feier wie 2019 in den Werregärten wird es in diesem Jahr nicht geben. Die Schulen überlegen, wie eine Verabschiedung der Abschlussklassen laufen kann. Foto: Winde

An seiner Schule müssten die Klassenverbände derzeit gedrittelt werden, damit Unterricht in der Schule stattfinden kann. Da aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen (Lehrer mit Vorerkrankungen dürfen nicht in die Schule) nur 70 Prozent der Lehrkräfte anwesend sind, ist die Belastung für die verbliebenen Lehrerinnen und Lehrer entsprechend hoch.

Komplizierte Zeugnisübergabe

Eine Frage, die die Schulleiter umtreibt: Wie organisiert man in Corona-Zeiten die Verabschiedung der Abschlussklassen? Versammelt man jeweils nur eine Klasse ohne Eltern in der Mensa oder Sporthalle, um die Zeugnisse zu übergeben? Das sei für viele schwer vorstellbar. Aber um die Hygieneregeln einzuhalten, sind Abschlussveranstaltungen wie in den Vorjahren eben nicht möglich.

„Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen“, sagt Annette Sliwinski, Schulleiterin der Grundschule Obering. Das heißt für die Grundschule derzeit eine rollierende Planung. Das bedeutet, montags kommen die Erstklässler, dienstags die Zweitklässler und so fort. Bei den Kleinsten sei es besonders schwer, die Distanz einzuhalten. Alle arbeiteten daran, dass der 1,50-Meter-Abstand eingehalten werde, „aber das ist nicht die Schule, wie sie vorher war“, sagt Sliwinski.

Stundenpläne in Handarbeit erstellen

„Für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für uns Lehrer ist nichts mehr Routine“, beschreibt Rita Klötzer die Situation am Ravensberger Gymnasium (RGH). Als anfangs nur die Abiturienten in die Schule gekommen seien, war die Organisation noch leicht, sagte Klötzer den Mitgliedern des Schulausschusses. Die Abi-Prüfungen dauern noch bis zum 25. Mai an. Auch am RGH macht man sich Gedanken, wie eine angemessene Verabschiedung des Abi-Jahrgangs unter den Corona-Auflagen verlaufen könne. Die Gestaltung der Stundenpläne sei aufgrund der Aufteilung der Klassen und der begrenzten Raumsituation wieder „echte Handarbeit“ geworden.

Mit anderen Worten: Für diese spezielle Situation gibt es kein Computerprogramm, das mal eben die Klassen- und Raumverteilung vornimmt. Derweil geht das Lernen auf Distanz weiter. Die Stadt will die Digitalisierung an den 18 Herforder Schulen vorantreiben, indem bis nach den Sommerferien 2000 Laptops und Tablet-Computer angeschafft werden sollen.

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