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Staatsanwaltschaft wirft 31-jährigem Herforder 20 Taten vor – Ist der Mann psychisch krank?

Anklage nach Attacke auf Bürgermeister-Auto

Herford (WB). Ist der Mann psychisch krank und eine Gefahr für die Allgemeinheit? Demnächst muss sich ein 31-Jähriger vor dem Bielefelder Landgericht verantworten. Das prominenteste Opfer: Herfords Bürgermeister Tim Kähler.

Moritz Winde

Tim Kählers Audi ist nach der Stein-Attacke im Februar stark beschädigt. Gibt der Angeklagte die Tat vor Gericht zu? Foto:

Die Liste der Vorwürfe ist lang. Auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigte Gerichtssprecher Guiskard Eisenberg das Verfahren gegen den Herforder. Insgesamt gebe es 20 Anklagepunkte – darunter Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung, Notrufmissbrauch, Hausfriedensbruch, Diebstahl und Sachbeschädigung. »Die Taten sollen sich zwischen dem 29. November 2018 und dem 27. Februar 2019 ereignet haben«, sagt Eisenberg.

Im Fokus der Attacken stand Tim Kähler. Sogar auf das Privat-Grundstück des Stadtoberhaupts soll der Beschuldigte eingedrungen sein und den Dienstwagen demoliert haben. »Er zertrümmerte mit einem Stein die Fenster und beschädigte die Türen. Am Auto entstand ein Schaden in Höhe von 7000 Euro«, hatte das Stadtoberhaupt damals gesagt und betont, die Situation sei für ihn und seine Familie enorm belastend. Auch Kählers Fahrrad soll der 31-Jährige gestohlen haben.

Anschließend soll sich der Herforder mit seinen Taten in sozialen Netzwerken gebrüstet haben. Dort soll er den 51-Jährigen beleidigt haben. Laut Anklage soll der Mann unter anderem geschrieben haben, Kähler sei ein »Idiot« und der »Führer einer Faschista-Fascho-Söldnereinheit«. Wenige Tage später konnte die Polizei den 31-Jährigen in dessen Wohnung festnehmen.

Nicht nur auf Kähler soll es der Mann abgesehen haben. Auch eine Rathaus-Bedienstete, seinen Bewährungshelfer und Feuerwehrleute soll er schikaniert haben. Am 15. Oktober soll er zudem unvermittelt auf Passanten eingeschlagen haben.

Prozess vor dem Landgericht Bielefeld

Der Angeklagte ist für die Justiz kein unbeschriebenes Blatt. Er ist mehrfach vorbestraft. »Er hat neun Eintragungen, das heißt, er wurde bereits rechtskräftig verurteilt – sowohl zu Geldstrafen als auch zu Haftstrafen auf Bewährung«, sagt Gerichtssprecher Eisenberg. Gegen die Auflagen habe er nicht verstoßen.

Die 20 Straftaten, die dem Mann nun vorgeworfen werden, müssten zumindest juristisch gesehen eigentlich erneut vor dem Herforder Amtsgericht verhandelt werden. Diesmal allerdings wird dem 31-Jährigen der Prozess am Landgericht Bielefeld gemacht.

Denn es geht um nichts weniger als seine persönliche Freiheit. Die Staatsanwaltschaft ist offenbar der Meinung, der Mann müsse dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden. »Und darüber darf nur das Landgericht entscheiden«, sagt Guiskard Eisenberg.

Ob der 31-Jährige tatsächlich geistig verwirrt ist, muss nun die 2. Strafkammer beurteilen.

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