Moschee-Trommler Marcel Bauersfeld soll in Herford zu Hass gegen Muslime aufgestachelt haben

Anklage wegen Volksverhetzung

Herford (WB)

Mit Topf und Löffel hatte Marcel Bauersfeld freitags gegen den Muezzin-Ruf an der Herforder Ditib-Moschee protestiert: Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld den 38-Jährigen angeklagt – wegen Volksverhetzung, Störung der Religionsausübung in fünf Fällen sowie Widerstandes gegen Polizisten in zwei Fällen.

Moritz Winde

Marcel Bauersfeld muss sich wohl demnächst vor dem Amtsgericht Herford unter anderem wegen Volksverhetzung verantworten. Foto: Moritz Winde

Die ihm zur Last gelegten Taten sollen sich zwischen dem 19. Juni und dem 31. Juli 2020 zugetragen haben. „Die Anklage geht davon aus, dass er mit seinem Verhalten bewusst die religiöse Andacht stören wollte. Dabei ist es ihm darauf angekommen, andere Bürger, die seine Einstellungen teilten, zu ähnlich feindseligen Taten gegen die versammelten Muslime zu veranlassen“, sagt Claudia Bosse, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Damit habe Bauersfeld den öffentlichen Frieden stören und gegen Teile einer religiösen Gruppe zu Hass aufstacheln wollen. Er habe neben seinem Getrommel – zunächst mit einer Kuhglocke, dann mit Löffel und Topf – auch feindselige Parolen gerufen.

Volksverhetzung – es ist der schwerwiegendste der drei Anklagepunkte – kann mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet werden. Neben Bauersfeld seien zwei weitere Herforder angeklagt, sagt Claudia Bosse – ebenfalls wegen Volksverhetzung und Störung der Religionsausübung, allerdings nur in zwei Fällen. Die Anklageschriften liegen derzeit beim zuständigen Amtsgericht in Herford. Die Behörde muss nun darüber entscheiden, ob es zum Strafprozess kommt. Das gilt jedoch als sehr wahrscheinlich.

Marcel Bauersfeld trommelt vor der Moschee mit einem Löffel auf einen Kochtopf. Foto: Moritz Winde

Marcel Bauersfeld sagt, er habe schon ein wenig Bauchschmerzen mit Blick auf die Verhandlung. „Ich habe mir einen Anwalt genommen.“ Von seiner grundsätzlichen Haltung – er toleriert den Muezzin-Ruf nicht – lasse er sich jedoch nicht abbringen. „Ich habe ja nur meine Meinung kundgetan.“ Bürgermeister Tim Kähler hatte per Verfügung den Gebetsruf genehmigt. Neben Zustimmung hatte er dafür auch Beleidigungen, Bedrohungen und Hasserfahren.

Unterdessen musste Bauersfeld am Montag eine juristische Niederlage einstecken. Vor dem Amtsgericht wehrte sich der Arbeitslose gegen einen Bußgeldbescheid der Stadt. Der Vorwurf: Er soll am 20. November erneut vor dem muslimischen Gebetshaus an der Bielefelder Straße mit drei anderen Leuten Musik beziehungsweise in seinem Fall Lärm gemacht haben. „Er hat den Mindestabstand nicht eingehalten und keine Maske getragen“, sagten die Polizisten übereinstimmend, die die Anzeige wegen Verstoßes gegen die Corona-Schutzverordnung geschrieben hatten.

Bauersfeld und seine Mitstreiter sahen dies anders, gaben an, mindestens anderthalb Meter voneinander entfernt gestanden zu haben. Doch die Richterin schenkte ihnen keinen Glauben: „Sie haben mit ihrem Verhalten nicht dazu beigetragen, das Infektionsrisiko zu minimieren.“ Der zweite Vorwurf, der 38-Jährige sei mit seinem Getrommel zu laut gewesen, ließ sich nicht erhärten. Es hatte damals niemand die Dezibel gemessen. Mit dem Urteil bleibt das 250-Euro-Knöllchen bestehen. „Ich werde mit allen Möglichkeiten dagegen vorgehen“, kündigte Bauersfeld an. Er weiterer Beschwerdeführer blieb am Montag ebenfalls erfolglos. Er muss 200 Euro zahlen.

Übrigens: Die Protest-Aktionen vor der Moschee lässt Bauersfeld nach eigenen Angaben seit März bleiben. Er wolle sich nicht vor den Karren der AfD im Bundestagswahlkampf spannen lassen. Die Rechtspopulisten hatten schon einmal Aufnahmen von Bauersfeld für Propaganda-Zwecke genutzt.

Der Moschee-Trommler wird im Sommer vergangenen Jahres von Polizisten abgeführt. Foto: Moritz Winde
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