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Projekt der Sepp-Herberger-Stiftung: Schalker Ex-Profis trainieren mit Häftlingen

Anstoß für ein neues Leben

Herford (WB). Im Rahmen der Initiative »Anstoß für ein neues Leben« nehmen die Besuche prominenter Paten eine große Rolle ein. Bekannte Persönlichkeiten aus dem Fußballsport trainieren mit den jugendlichen Strafgefangenen, unterhalten sich mit ihnen und sprechen den Inhaftierten Mut für ihren Lebensweg zu.

Wolfram Kämpf

Nachdenklich stehen die Ex-Profis des FC Schalke 04, Tomasz Waldoch (links) und Martin Max, im Inneren der Justizvollzugsanstalt Herford. Foto:

Im Kontext der Patenschaft des FC Schalke 04 mit der JVA Herford kamen mit Martin Max und Tomasz Waldoch zwei Hochkaräter in der Geschichte der Königsblauen in die Haftanstalt.

Bis die Mienen finster werden, dauert es keine 30 Schritte. Eben noch standen Max und Waldoch gut gelaunt vor der schmucken, beinahe einladend wirkenden Fassade der Justizvollzugsanstalt und feixten ein wenig. Nun sind sie drinnen. Hinter Gittern. Die schönen Backsteinmauern sind zwar immer noch zu sehen, doch die Kulisse dominieren nun Stacheldraht, Zäune, Überwachungskameras und vergitterte Fenster. »Hier sieht es schon anders aus.« Es ist kein Heimspiel für die beiden einstigen Bundesligaprofis.

17 Haftanstalten in neun Bundesländern sind beim Projekt dabei

Das ändert sich erst, als sie den Fußballplatz der Anstalt betreten und dort auf die Jungs treffen, mit denen sie eine Trainingseinheit absolvieren werden: Es sind Kicker, die einen Platz in der Gefängnis-Mannschaft ergattert haben, die Teil der Initiative »Anstoß für ein neues Leben« ist. Ein Projekt der Sepp-Herberger-Stiftung und der Bundesagentur für Arbeit, das inzwischen in 17 Haftanstalten in neun Bundesländern durchgeführt wird, um jungen Straftätern mit Sport, Ausbildung und intensiver Betreuung eine bessere Perspektive für die Zeit nach der Inhaftierung zu eröffnen.

Die Begrüßung fällt knapp aus. Aber viele Worte sind jetzt auch nicht mehr nötig. Ein Platz, ein paar Bälle, elf Spieler und zwei Ex-Profis in den 40ern, die immer noch topfit sind – mehr braucht es nicht für eine gute Zeit, für Fußball. Es kann losgehen. Über den Platz schallen die Anweisungen von Waldoch und Max und die Inhaftierten ziehen mit. Es geht um gelungene Pässe, saubere Ballannahmen, eine ordentliche Klebe ins Eck. Kurz: Es geht um Fußball. Alles andere ist in diesen Minuten egal. Die Kulisse, die meist schwierige Vergangenheit der 17- bis 23-Jährigen und die nicht selten bedrückende Gegenwart spielen keine Rolle. »Es ist schon etwas Besonderes, mit solchen Leuten zu trainieren und eine super Abwechslung«, sagt der Torwart des Teams, der nach seiner Entlassung wieder gerne höherklassig Fußball spielen würde.

Waldoch und Max spielen regelmäßig für die Traditionself der Schalker

Genau diese Ambitionen will die Initiative wecken. Und Markus Görtz, einer der Sportbeamten der Haftanstalt, glaubt, dass das gelingt. »Die Jungs lernen, sich an Regeln zu halten und der Sport macht sie ausgeglichener und erhöht eindeutig ihre Frusttoleranz«, sagt der 43-Jährige. Die zusätzlichen Fußballeinheiten und Turnierstarts sind aber auch ein Anreiz an sich. »Die meisten haben ja wirklich Lust zu spielen«, erklärt Christoph Real, der Coach der Anstoß-Mannschaft.

»Dass die Teilnahme an gutes Benehmen und besonderes Engagement in Sachen Ausbildung geknüpft ist, nehmen sie gerne in Kauf.« Auf das Highlight, das Treffen mit den beiden einstigen Fußballstars, die heute in verschiedenen Abteilungen von Schalke 04 tätig sind und regelmäßig für die Traditionself der Knappen auflaufen, hat Real seine Spieler eigens vorbereitet. Er hat ihnen erklärt, wer da kommt.

Sport gibt den Insassen Selbstwertgefühl

Nach dem Training gehen die jungen Männer der Sache selbst auf den Grund. Sie fragen nach den größten Erfolgen und besonderen Momenten, dem Verlauf der Karriere. Beide erzählen auch von den Rückschlägen und vor allem dem unbändigen Willen, danach wiederaufzustehen.

Und ihre Zuhörer zeigen mit ihren Blicken, dass sie wissen, was gemeint ist. Mit Rückschlägen kennen sie sich aus. Viele stammen aus schwierigen Verhältnissen. »Erfolge im Sport und in der Ausbildung zeigen ihnen nun, dass sie doch keine Loser sind. Sie gewinnen ein anderes Selbstwertgefühl«, sagt Heinz-Herbert Droste, der stellvertretende Anstaltsleiter in Herford.

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