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Unterstützer der jüdischen Gemeinde stoßen in Herford nicht nur auf Zustimmung

Anteilnahme und Anfeindungen

Herford (WB). »Nie wieder!«, »Empört Euch!«, »Wer schweigt, stimmt zu.« Die Reaktionen besorgter Bürger auf den versuchten Anschlag auf eine Synagoge in Halle/Saale, in deren Umfeld der Täter zwei Menschen tötete, sind auch in Herford deutlich sichtbar. Vor dem jüdischen Gotteshaus an der Komturstraße haben sie zahlreiche Botschaften angebracht und auch etwa 150 weiße Rosen niedergelegt oder in den Metallzaun geflochten.

Bernd Bexte

Edda Scheder, Angela Schmalhorst, Elisabeth Dalla Torre und Helga Kohne (von links) zeigen sich zufrieden mit der Resonanz auf den Aufruf. Foto: Bexte

»Das ist ein beeindruckendes Zeichen«, sagt Helga Kohne vom Kuratorium »Erinnern Forschen Gedenken«. Sie hatte vor einer Woche gemeinsam mit Elisabeth Dalla Torre die Idee zu dieser Aktion. Sieben Tage lang sollten die Bürger mit den Rosen ihre Solidarität mit der jüdischen Gemeinde bekunden.

Ausstellung wird aktualisiert

Zudem sammelte Kohne am Sonntag an ihrem Flohmarktstand auf der City-Kirmes 102 Unterschriften von Bürgern, die die Aktion unterstützen. »Viele interessiert das aber überhaupt nicht, die Gleichgültigkeit ist groß.« Sogar offene Ablehnung sei ihr mehrfach entgegengeschlagen. »Ein Mann hat seine Frau mit den Worten ›Lass das!‹ aufgefordert, nicht zu unterschreiben.« Sie habe auch den Satz gehört: »Wenn Hitler fünf Jahre mehr Zeit gehabt hätte, hätten wir dieses Problem nicht.«

Kohne und Dalla Torre wollen gegen diese Geisteshaltung weiter vorgehen. Um das Schicksal der heimischen Juden in der NS-Zeit für die jüngere Generation wachzuhalten, solle die Ausstellung »Juden in Herford« aktualisiert und überarbeitet werden. »Die ist schließlich von 1988.« Zudem sei ein Lesekreis mit Jugendlichen geplant. Ab Ende November wolle man sich freitags um 15 Uhr in der Gedenkstätte Zellentrakt im Rathaus zu Gesprächen über Gelesenes treffen, aber auch gemeinsam Filme anschauen. Über die Schulen wolle man dieses neue Format in den nächsten Wochen bewerben.

Gemeindevorsitzender bedankt sich

Matitjahu Kellig, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold, bedankt sich für die Anteilnahme der Herforder. »Lassen Sie uns zusammenstehen und unsere Werte verteidigen. Denn: Hass hetzt, Hass spaltet, Hass tötet.«

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