Nachdem die Stadt Herford den Brunnenrand am Wittekinddenkmal entfernt hat, schaltet Stadtführer einen Juristen ein

Anwalt soll Denkmalumbau klären

Herford (WB)

Durfte die Stadt Herford den Brunnenrand am Wittekinddenkmal entfernen oder nicht? Mit dieser Frage werden sich demnächst offenbar Anwälte auseinandersetzen.

Ralf Meistes

Nach dem Umbau fehlt der Brunnenrand am Wittekinddenkmal. Stadtführer Mathias Polster will einen Anwalt einschalten, um zu klären, ob die Stadt Herford gegen Auflagen des Denkmalschutzes verstoßen hat. Die Stadt behauptet, sie habe vor dem Umbau das Einverständnis des LWL-Denkmalamtes in Münster eingeholt. Foto: Ralf Meistes

Stadtführer Mathias Polster will mit Hilfe eines Anwalts klären lassen, ob die Stadt bei der Umgestaltung des Wilhelmsplatzes, bei der der Brunnenrand abgebaut worden ist, rechtskonform gehandelt hat. Polster bezweifelt dies. Denn seit 1996 ist das Wittekinddenkmal in der Denkmalliste eingetragen. Und zwar das gesamte Denkmal samt Statue, Brunnen – und eben Brunnenrand.

Denn das 1899 vom Bildhauer Heinrich Wefing erschaffende Denkmal soll an das Quellwunder erinnern, durch das der halb verdurstende Sachsenherzog Wittekind zum Christ wurde und sich dem Frankenkönig Karl dem Großen unterwarf.

Das Originaldenkmal wurde zwar 1942 zu Rüstungszwecken eingeschmolzen und erst 1959 durch Bildhauer Walter Kruse neu erschaffen, der Brunnen habe aber auch beim Nachbau eine wichtige Rolle gespielt.

Beigeordneter Dr. Peter Böhm sieht einer juristischen Auseinandersetzung gelassen entgegen. „Wir haben alles mit der Denkmalbehörde in Münster abgestimmt. Wir haben dazu auch eine schriftliche Stellungnahme vorliegen.“

Stadtführer Mathias Polster ist der Auffassung, nicht die Bauverwaltung, sondern der Stadtrat hätte darüber entscheiden müssen, ob der Brunnenrand entfernt wird oder nicht. Die Verwaltung hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass der Brunnenrand entfernt worden ist, weil dieser marode gewesen sei.

Mit Hilfe eines Anwalts will Mathias Polster Erkenntnisse über den Schriftverkehr der Stadtverwaltung, der Unteren Denkmalbehörde bei der Stadt und dem LWL-Denkmalamt in Münster als Oberer Denkmalbehörde erhalten. Wer hat was beantragt? Was ist genehmigt worden? Auf welcher Rechtsgrundlage ist der Brunnenrand entfernt worden? So lauten die Fragen des Stadtführers. Schließlich hätte auch das Denkmalblatt, in dem das Wittekinddenkmal aufgeführt worden ist, verändert werden müssen. „Das ist bis heute nicht geschehen“, sagt Mathias Polster.

Er wolle keinen Ärger produzieren, aber genauso, wie sich Privatleute an die Vorgaben des Denkmalschutzes halten müssten, seien auch Stadtverwaltungen daran gebunden. Da seine bisherigen Gespräche mit der Stadtverwaltung ergebnislos verlaufen seien, schalte er nun einen Anwalt ein, der sich auf Fragen des Denkmalschutzes spezialisiert habe.

Startseite