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Herford als Pilgerstadt – Jakobsmuscheln auf Steinplatten sollen den Weg weisen

Auf dem Weg nach Spanien

Herford (WB). Wanderer, kommst du nach Herford – mit Steinen, auf denen Jakobsmuscheln zu sehen sind, will der Herforder Verschönerungsverein den Pilgern den Weg weisen. Allerdings müssen die Politiker dem Ansinnen noch zustimmen. Mit dem Thema beschäftigt sich der Bauausschuss während seiner Sitzung am heutigen Dienstag. Sie beginnt um 17 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses.

Hartmut Horstmann

Jörg Haferkorn und Mathias Polster (rechts) vom Verschönerungsverein zeigen ein Modell der Pilgermuschel, die auf den Steinen dezent zu sehen sein soll. Foto: Sina Mölle

Wer sich derzeit über den Pilgerweg durch Herford informieren will, ist auf Aufkleber angewiesen, die an Masten angebracht sind. Und einige sind bereits verschwunden, so dass der Verschönerungsverein einen neuen Pilgerweg-Anlauf wagt.

Bedeutende Jakobikirche

Klar ist, dass es von der Stadt keine finanzielle Unterstützung gibt. „Wir haben aber eine Grundfinanzierung”, sagt Sprecher Mathias Polster. Das fehlende Geld soll über Sponsoren aufgebracht werden. Laut Polster belaufen sich die Materialkosten auf 5000 bis 6000 Euro.

Dass die Verschönerer in puncto Pilgerweg aktiv werden, hat wesentlich mit der Bedeutung der Jakobikirche zu tun. Die Stadt Herford liegt nicht nur auf dem Weg, den die Pilger von Minden nach Soest zurücklegen müssen, sondern sie verfügt auch über eine ehemalige, noch erhaltene Pilgerkirche. Das sei selten, betont Mathias Polster, als Stadtführer auch für Pilger ein Ansprechpartner.

Muschel um 1600 angebracht

Er selbst habe pro Jahr mit 200 bis 250 Personen Kontakt, die wegen des Pilgerns nach Herford kämen. Die Dunkelziffer sei aber wesentlich höher. Einige der Anfragen beziehen sich auf Übernachtungsmöglichkeiten, zu den Klassikern zählt der Pilgerstempel. Für dessen Erlangung gibt es in Herford zwei Stellen – die Buchhandlung Otto und die Jakobikirche.

Und da eine Pilgerkirche etwas Ungewöhnliches ist, lassen sich die Wanderer im Geiste des Herrn gerne auch etwas über die Geschichte des Gotteshauses in der Radewig erzählen. Mit dem Bau sei bereits im 13. Jahrhundert begonnen worden, erläutert Stadtführer Polster. Doch als im Zuge der Reformation das Pilgerwesen in Herford verboten wurde, schien das Aus der Jakobikirche besiegelt zu sein. Im Jahr 1530 wurde sie geschlossen.

Allerdings wurde sie 60 Jahre später als Gemeindekirche für die Bürger der Radewig wieder in Betrieb genommen. Aus der Zeit nach der Pilgerblüte stammt auch die goldene Muschel in der Außenfassade. Sie ist um 1600 angebracht worden, hat Polster herausgefunden.

Kein Ende des Pilgerbooms

Die Muschel bildet auch das Symbol der geplanten neuen Ausschilderung. An elf Steine aus Obernkirchener Sandstein haben die Initiatoren gedacht, der erste Wegweiser im Boden soll den Pilger in der Nähe des Saturn empfangen. Der Abschied in Richtung Bielefeld (Spanien) erfolgt in der Radewiger Straße – wobei die Muschelspitze dem Wanderer die Richtung weist.

Ein Ende des Pilgerbooms ist laut Polster nicht absehbar. Und weil die Strecke von Minden aus besonders schön sei, mache es Sinn, Herford für Pilger noch attraktiver zu machen.

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