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CDU, SPD und FDP machen Weg frei für Baugebiet in Stedefreund

Ausschuss stimmt für Bebauung

Herford (WB). Die Planungen für die Errichtung von bis zu 70 Wohneinheiten auf einer Ackerfläche in Stedefreund können weitergehen. Eine Mehrheit aus CDU SPD und FDP hat gestern Abend im Bauausschuss einen entsprechenden Entwurfsbeschluss auf den Weg gebracht. Ablehnung kam von den Grünen, den Linken und Andreas Jotzo (Parteilos).

Ralf Meistes

Diese Demonstranten warnten vor einem weiteren „Flächenfraß“ in Herford: Freya und Friedhelm Diebrok vom Naturschutzbund (von links) sowie Bernd Meyer-Lammering und Doris Eichholz vom BUND. Foto: Ralf Meistes

Im Vorfeld hatte eine Bürgerinitiative gegen die Bebauung der Fläche zwischen Stedefreunder Straße und Donopweg protestiert. Am Dienstagnachmittag haben Vertreter des Vereins „Die Stedefreunde“ und des BUND vor dem Rathaus gegen „den Flächenfraß“ demonstriert. Aufgrund der aktuellen Corona-Bestimmungen fanden sich nur wenige Demonstranten auf dem Rathausplatz ein.

„Junge Familien wollen dort hinziehen“

„Seit Jahren ist bekannt, dass auf der Fläche gebaut werden soll. Die Verwaltung hat eine umfangreiche Vorlage erarbeitet. Deshalb sind wir von der CDU der Meinung, dass die Sache jetzt entscheidungsreif ist“, sagte der Bauausschuss-Vorsitzende Werner Seeger (CDU). Der Wunsch junger Familien, sich in Herford nieder zu lassen, sei groß. Schon heute würde das Angebot nicht den Bedarf decken. Deshalb müsse die Stadt zumindest dort eine Bebauung zulassen, „wo es möglich ist“, betonte Seeger. Der Erschließungsträger hatte Unterschriften von 200 Familien gesammelt, die in Stedefreund bauen wollen.

Ähnlich äußerte sich Udo Freyberg von der SPD. „Es sind in den vergangenen Sitzungen alle Argumente ausgetauscht worden. Auch im weiteren Verfahren werden die Bürger beteiligt. Deshalb wollen wir heute darüber abstimmen“, so Freyberg.

Die Grünen fordern Klimasiedlung

Herbert Even (Die Grünen) war mit einem Antrag gescheitert, eine Entscheidung zu vertagen. Es gebe gute Argumente auf beiden Seiten, betonte Even. Der Bereich zwischen Stedefreunder Straße/Im Obernholz sei kein Siedlungsschwerpunkt. Andererseits sei die Ackerfläche ringsum umbaut. Even machte eine Zustimmung der Grünen von zwei Bedingungen abhängig. Zum einen sollte dort eine klimaneutrale Siedlung entstehen. Zum anderen sollte die Busverbindung verbessert werden. Statt alle 60 Minuten, sollte der Bus alle 30 Minuten nach Herford fahren.

CDU und SPD signalisierten zwar, einer verbesserten Bustaktung zuzustimmen. Da es zu den Vorschlägen der Grünen keine Tischvorlage gab, wurden die Anträge abgelehnt. Zugleich beschwerten sich Hans-Henning Warnecke (CDU) und Udo Freyberg (SPD) darüber, dass die Grünen derartige Vorschläge nicht rechtzeitig schriftlich vorlegen können.

Scheffer kritisiert Planung

Die Kritik der Anwohner hatte Heinz-Günther Scheffer (Liste 2004) aufgegriffen. Die Anwohner, die zum Teil im Verein „Die Stedefreunde“ organisiert sind, befürchten durch das Neubaugebiet zu viel Autoverkehr sowie eine Beeinträchtigung von Natur- und Landschaftsschutz. Der Bauträger plane am Bürger vorbei, kritisierte Scheffer. Andreas Kohl, Geschäftsführer der Wesertal Erschließungsgesellschaft mbH, hatte im Vorfeld dagegengehalten mit dem Argument, alle Fachgutachten, die im Zusammenhang mit der Bebauung in Auftrag gegeben worden sind, kämen zu dem Schluss, dass die Fläche bebaut werden kann.

Die Linke kritisierte den Flächenfraß. Die Partei war von Anfang an gegen die Ausweisung des Baugebietes. Burkhard Wolff zählte etliche Bereiche auf, in denen die Stadt bereits Baugebiete ausgewiesen habe. Deshalb könne man darauf verzichten, in der Nähe eines Naturschutzgebietes die Ackerfläche zu bebauen. Zudem würden die Probleme des Individualverkehrs zunehmen, sagte der Politiker der Linken.

Infrastruktur wird unterschiedlich bewertet

Andreas Jotzo (Parteilos) wies ebenfalls auf die schlechte Infrastruktur hin. Ein Großteil der Menschen, die dort bauen, würde sich nach Bielefeld orientieren. Es gebe Alternativen. Der Aussage von Bürgermeister Tim Kähler, die Stadt gehe sparsam mit Flächen um, stehe im Widerspruch zur geplanten Bebauung.

Diese Aussage rief Hans-Henning Warnecke auf den Plan. Diejenigen, die noch nicht so lange in den politischen Gremien mitarbeiten, sollten zunächst vorhandene Unterlagen wälzen. „Dann würden sie feststellen, dass wir in den vergangenen Jahren sehr wohl mit Flächen sparsam umgegangen sind“, so Warnecke. Der Angriff galt dem Neuling Jotzo. Marion Maw (CDU) betonte, dass die Infrastruktur in Stedefreund nicht so schlecht sei, wie vielfach behauptet wird.

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