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ADAC und Autobahnmeisterei beklagen Verrohung – Parkplatzausbau an A2 verzögert sich

„Autofahrer werden immer aggressiver“

Herford (WB). ADAC-Helfer seien bei Einsätzen mit Dosen beworfen, Mitarbeiter der Straßenmeisterei an Baustellen beschimpft worden. Die Sitten im Straßenverkehr werden rauer – auch im Kreis Herford.

Bernd Bexte

Viel Verkehr macht viel Stress.Wer im Stau steht, wie hier auf der A2, ist schnell genervt. Das hat Folgen: ADAC-Helfer und Mitarbeiter der Autobahnmeistereien sehen sich immer häufiger mit aggressiven Reaktionen konfrontiert. Foto: dpa

„Die Leute werden immer aggressiver“, sagen übereinstimmend Ralf Collatz, Sprecher des heimischen ADAC, und Holger Krause, stellvertretender Betriebsdienstleiter der Autobahnmeisterei Herford. Stichwort Bildung einer Rettungsgasse: „Das bereitet häufig Probleme. Und wenn sie dann endlich frei ist, meinen einige Autofahrer, sie nutzen zu können, um nach vorne zu fahren“, berichtet Collatz aus dem eigenen Erleben.

Udo Stötzel (ADAC, von links), Stefan Meyer, Holger Krause (beide Autobahnmeisterei) und Andreas Krohn (ADAC) werben für mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr. Foto: Bexte

Stichwort Gaffer: Diese behinderten die Arbeiten der Straßenwärter zusätzlich. „Es ist gut, dass die Strafen verschärft worden sind“, erklärt Stefan Meyer, Betriebsdienstleiter der Autobahnmeisterei an der Vlothoer Straße. Für beide, ADAC und Meisterei, ist die Autobahn Arbeitsplatz. Sie werben für mehr Rücksichtnahme – und Vorsicht. „Es geht schon damit los, dass bei einer Panne das Auto nicht richtig mit dem Warndreieck abgesichert wird“, erzählt ADAC-Pannenhelfer Andreas Krohn aus seinem Berufsalltag. Auch die seit 2014 vorgeschriebene Warnweste werde häufig nicht übergezogen, die Fahrzeuginsassen blieben im Auto, statt sich hinter der Leitplanke in Sicherheit zu bringen.

„In diesem Jahr wird das definitiv nichts“

Dabei nimmt der Verkehr, vor allem der Schwerlastverkehr zu: Weil die Parkplätze entlang der A2 immer voll sind, sollten eigentlich die Flächen der ehemaligen Raststätten Herford-Nord- und Herford-Süd längst als Parkflächen erweitert worden sein. 2015 waren die alten Raststätten abgerissen worden. Die zwei Jahre zuvor eröffneten Raststätten Lipperland-Nord und -Süd hatten sie ersetzt.

Doch die Erweiterung der alten Herforder Raststätten-Areale lässt auf sich warten. Durch die Umstrukturierung der Autobahnmeistereien (siehe Kasten rechts oben) werde sich die Planung weiter verzögern. „In diesem Jahr wird das definitiv nichts“, sagt Meyer. Dabei soll mit der Verdoppelung der Lkw-Stellplätze von 12 auf mehr als 20 auf jeder Seite der Parkdruck zumindest etwas genommen werden. Auch eine neue Toilettenanlage ist vorgesehen.

Kaum Salz gestreut

Weniger Druck hat die Autobahnmeisterei beim Winterdienst. „So richtig viel los war ja noch nicht. Aber das kann ja noch kommen“, meint Meyer. Dennoch seien in diesem Winter bereits 250 Tonnen Salz ausgebracht worden, 350 lagern derzeit im Lager an der Vlothoer Straße. „Wir haben auch fünf Außenlager, die sind bislang aber unangetastet geblieben.“ Bei Eis und Schnee stehen sieben Streufahrzeuge zur Verfügung. Die Autobahnmeisterei ist für die A2 vom Kreuz Bielefeld bis zur Landesgrenze Niedersachsen, die A30 vom Kreuz Oeynhausen bis Niedersachsen zuständig sowie in diesem Winter noch für die B66 (Lagesche Straße) in Bielefeld – insgesamt 84 Kilometer.

Bund übernimmt Meisterei

Bis 2001 gehörte sie zum kommunalen Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Seitdem ist die Autobahnmeisterei eine Einrichtung des Landes NRW, die sich im Auftrag des Bundes auch um die Autobahnen kümmert. Mit Beginn des kommenden Jahres wird der Betrieb nahe der A2-Auffahrt Herford-Ost Teil der 2018 gegründeten Autobahn GmbH des Bundes. Entsprechend werden auch die etwa 30 Mitarbeiter Bundesbeschäftigte.

Der Bund verspricht sich von der Umstrukturierung eine effektivere Planung und Umsetzung beim Autobahnbau. „Wir bekommen ein neues Türschild und neue Briefköpfe, aber ansonsten bleibt eigentlich alles beim Alten“, sagt Standortchef Stefan Meyer. Zwar arbeite man dann für ein privates Unternehmen, alleiniger Gesellschafter bleibe aber der Bund. Die neue GmbH ist in Berlin am Leipziger Platz ansässig. Zudem gibt es zehn Niederlassungen. Herford fällt in den Bereich der für Westfalen zuständigen Filiale in Hamm. Im Zuge der Umstrukturierung wird es auch Veränderungen beim Straßennetz geben, für das die jeweiligen Meistereien zuständig sind. In Herford sind diese aber nur minimal.

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