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Trinker-Alternative: Öffnungszeiten werden reduziert

Bald kein Nachmittagstreff an der Hermannstraße mehr

Herford (WB). Ab Montag dürfte Bewegung in die Herforder Trinker-Szene kommen: Dann schließt die Diakoniestiftung die Türen des Treffpunktes Herrmannstraße für den nachmittäglichen Aufenthalt. Grund ist ein unzureichendes Angebot zur Verlängerung der Kooperation mit der Stadt.

Jan Gruhn

Nachmittags geschlossen: Die Diakoniestiftung reduziert die Öffnungszeiten des Treffpunktes Hermannstraße. Foto: Jan Gruhn

Etwa 15 Personen hätten die Alternative zu den Trinker-Treffs täglich in den Nachmittagsstunden aufgesucht, erklärt Einrichtungsleiterin Bettina Schelkle. Ein Großteil von ihnen hätte sich früher – vor dem Alkoholverbot – am Martinsgang getroffen. Seit Dezember bietet die Evangelische Diakoniestiftung diesen Raum an der Hermannstraße an, jeweils von 9 Uhr bis mittags sowie von 12.30 bis 17 Uhr. Dort durfte auch Alkohol konsumiert werden.

»Personalplanung nicht möglich«

Ab Montag ist damit – zumindest nachmittags – allerdings Schluss. Der Grund: Die jüngst im Sozialausschuss beschlossene Verlängerung der Kooperationsvereinbarung zwischen Stadt und Diakoniestiftung um drei Monate »macht eine seriöse Personalplanung nicht möglich«, sagt Schelkle.

Der Ausschuss hatte die Verwaltung damit beauftragt, ein Sozialkonzept »zur Lösung von Konfliktsituationen in der Innenstadt« zu erarbeiten. Dieses soll spätestens ab Oktober umgesetzt werden. Für die Übergangsphase war die Verlängerung der Kooperationen mit der Diakoniestiftung und dem Caritasverband beschlossen worden. Die Kosten dafür wurden in der Ausschusssitzung auf etwa 21.000 Euro beziffert.

»Es ist einfach ein arbeitsrechtliches Problem«, erklärt Schelkle. Die geschlossenen Zeitverträge könnten nicht ohne Weiteres verlängert werden. Im Nachmittagsbereich seien vor allem Hilfskräfte beschäftigt. »Und ich muss doch sagen können, ob ein Mitarbeiter an Weihnachten noch bei uns ist«, nimmt Schelkle die Arbeitnehmersicht ein. Deshalb habe die Diakoniestiftung eine Verlängerung um sechs Monate vorgeschlagen – offenbar ohne Erfolg. Das Vormittagsangebot bleibt bestehen, weil die Diakoniestiftung es aus eigenen Mitteln finanziert.

Verbot vor Kurzem verlängert

Die Caritas stellt die kurzzeitige Verlängerung nicht vor Probleme, erklärt Kreisverband-Vorstand Richard Knoke. Weil er auf ein größeres Team zurückgreifen könne, »können wir die Kapazitäten einfacher umverteilen.« Die Caritas versucht, über die offene Straßensozialarbeit mit Mitgliedern der Szene in Kontakt zu kommen.

Aus der Stadtverwaltung war am Dienstag keine Stellungnahme zu bekommen. Erst vor Kurzem hatte eine Mehrheit im Stadtrat beschlossen, das eigentlich bis zum 30. Juni laufende Alkoholverbot an fünf Standorten in der Innenstadt bis zum Jahresende zu verlängern.

Auswirkungen fraglich

Wie sich der Wegfall der Nachmittagszeiten an der Hermannstraße auf die Trinker-Szene auswirken, ist aus Sicht von Bettina Schelkle schwer zu sagen. »Ich glaube nicht, dass sich das Aufkommen an den jetzigen Treffpunkten dramatisch erhöht«, sagt die Einrichtungsleitung.

Das Alkoholverbot gilt derzeit an den Standorten Martinsgang/Klosterstraße, Parkanlage Wilhelmsplatz, Linnenbauerplatz und Aawiesenpark sowie an einem Teilstück des Pöppelmannwalls. Seit Bestehen der Verbotszonen ist ein Fahrrad-Abstellplatz hinter dem Volkshochschul-Gebäude zum Ausweich-Treffpunkt für die Szene geworden – ebenso wie die Hermannstraße.

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